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Kinobetreiber vor Ort wünschen sich mehr Planungssicherheit von der Politik

3G, 2G oder 2G-Plus? Die Corona-Regeln ändern sich regelmäßig. Für die hiesige Kinobranche und ihre Gäste ist das eine enorme Belastung.

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Wollen praxisorientierte Politik: Die Kinobetreiber des Cinecenter Cloppenburg, Frank Ellmann und Anja Brendel-Ellmann. Foto: Ellmann

Wollen praxisorientierte Politik: Die Kinobetreiber des Cinecenter Cloppenburg, Frank Ellmann und Anja Brendel-Ellmann. Foto: Ellmann

Lange waren die Kinos in Deutschland und somit auch im Oldenburger Münsterland geschlossen. Der Lockdown setzte der Kinobranche ordentlich zu. Filme wie der neue "James Bond" oder "Spiderman" lockten nach den langen Monaten wieder viele Besucher in die Kinos. Doch nun stecken wir im nächsten Corona-Winter. Wie geht es dabei den Kinos vor Ort?

„Es ist ein ganz anderes Arbeiten“, beschreibt Anja Brendel-Ellmann die aktuelle Situation. Sie und ihr Bruder Frank Ellmann betreiben das Cinecenter in Cloppenburg. „Aufgrund der aktuellen 2G-Regel müssen wir alle Gäste am Eingang kontrollieren. Haben sie den Impfnachweis dabei? Haben sie die richtige Maske auf?“. Das sei umständlich und koste viel Zeit, erzählt Brendel-Ellmann. Der Einlass dauere durch die Kontrollen nun länger. Deshalb hätten sie bereits die Vorstellungszeiten verschieben müssen.

Auch Anna Willen und ihre Tochter Daniela vom Lilo Service-Kino in Löningen kennen das Problem. Die 81-jährige Anna Willen saß bis vor Kurzem noch an der Kasse. Doch das kann sie nun nicht mehr, weil sie sehr schlechte Augen hat. Nun muss ihre Tochter Daniela den Betrieb so gut wie alleine leiten, berichtet sie.

Per Mausklick geht es los: Daniela Willen startet die Vorstellung. Foto: BernhardtPer Mausklick geht es los: Daniela Willen startet die Vorstellung. Foto: Bernhardt

„Ich muss die Kasse und die Technik bedienen und nebenbei die Vorstellungen der nächsten Wochen planen, die Filme und Snacks bestellen. Das ist für eine Person alleine ganz schön viel“, berichtet Anna Willen. 

Dem Kino Schauburg-Cineworld in Vechta und dem Capitol-Kino in Lohne geht es ähnlich. Die Einlasskontrollen kommen auch für sie zum alltäglichen Betrieb hinzu, berichtet Gunnar Schäfers, Inhaber des Vechtaer Kinos. 

Politik müsse bei Corona-Regeln transparenter werden

Die Kinobetreiberinnen und Kinobetreiber aus den beiden Landkreisen sind sich daher einig: Die Politik müsse bei den Corona-Regeln transparenter werden. „Diese ständigen Änderungen sind undurchsichtig“, erzählt Daniela Willen. Das findet auch Anja Brendel-Ellmann und ergänzt: „Dadurch sind viele Gäste verunsichert.“ Man müsse mehr praxisorientiert entscheiden, sodass eine langfristigere Planung möglich sei. Dieser Meinung ist auch Lydia Stuntebeck vom Capitol Lohne. Die sichere und langfristige Planung sei auch den Gästen sehr wichtig, betont sie. 

Aktuell gilt in den Kinos vor Ort die 2G-Regel. Zwischenzeitlich war aber auch bereits die 2G-Plus-Regel angeordnet. "Das war ein großer Schreck für uns. Das hat man auch sofort an den Besucherzahlen gemerkt. Für die meisten ist der Aufwand mit dem Testen einfach zu groß", berichtet Schäfers. 

Die Schließung von Kinos, wenn im Landkreis die Corona-Warnstufe „Rot“ gilt, wie es beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern der Fall ist, halten die hiesigen Betreiber für keine gute Idee. Denn: Die Kinos hätten mit das sicherste Hygienekonzept. „Wir haben große Räume, Belüftungsanlagen und nur eine Auslastung von 70 Prozent, damit die Abstände eingehalten werden“, so Brendel-Ellmann. Diese Maßnahmen würden den Kinobesuch sehr sicher machen.

Streamingdienste bereiten den Kinobetreibern große Sorgen

Ein weiteres Problem, welches die Kinobranche umtreibt: Die Filme erscheinen mittlerweile bereits 3 bis 4 Wochen nach dem Kinostart auf Streamingdiensten wie Sky, Disney-Plus und Netflix. Früher seien die Filme erst bis zu einem halben Jahr später erschienen, berichtet Brendel-Ellmann. Die Verkürzung dieses Auswertungsfensters sei ein großes Problem. Die Exklusivität des Kinos gehe dadurch verloren. Corona habe die Situation zudem verschärft, so die Cloppenburgerin. Von diesem Problem berichtet auch Gunnar Schäfers. "Die Verleiher gucken natürlich, wie viel Geld sie aus dem Film rausquetschen können." 

Etwas Gutes habe die Pandemie aber gebracht: Viele Gäste würden den Besuch im Kino nun viel mehr schätzen. „Die Leute sind dankbar, dass es uns noch gibt“, erzählt Daniela Willen. „Viele merken, dass die Kino-Atmosphäre eben doch eine andere als zu Hause ist. Es ist eben etwas Besonderes“, findet auch Brendel-Ellmann. Und: Die Kinobranche sei durch Corona stärker zusammengewachsen. Besonders im Norden seien die Kinobetreiberinnen und Kinobetreiber gut vernetzt, beispielsweise durch WhatsApp-Gruppen oder per Zoom-Konferenzen. Das habe besonders geholfen, wenn von jetzt auf gleich die Regeln wieder geändert wurden, berichtet Brendel-Ellmann.

Blockbuster aus Hollywood sind im Oldenburger Münsterland besonders beliebt

Und welche Filme schauten die Oldenburger Münsterländer besonders gerne? Da sind sich alle Kinos einig: "Spiderman" und "James Bond" seien die Hits in den beiden Landkreisen gewesen. Aber auch "Fast and the Furious Teil 9" war bei den Besucherinnen und Besuchern beliebt.

Anja Brendel-Ellmann sieht für 2022 viel Potenzial. Es kämen richtig gute Filme in die Kinos, wie beispielsweise der neue "Top Gun" mit Tom Cruise oder der zweite Teil von "Avatar“. Auch der Film "Wunderschön" mit Karoline Herfurth soll bald die Menschen in die Kinos locken.

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