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Katja Staats überzeugt mit Schwarz-Weiß

Die aus Bakum stammende Künstlerin erhält bei der Verleihung des Kunstpreises Osnabrück 2020 den  Förderpreis. Sie wird für Fotografien aus einem Wartezimmer ausgezeichnet.

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Zwei ausgezeichnete Künstler: Hauptpreissieger Marvin Knopf und die Gewinnerin des Förderpreises 2020, Katja Staats. Foto: von Brill

Zwei ausgezeichnete Künstler: Hauptpreissieger Marvin Knopf und die Gewinnerin des Förderpreises 2020, Katja Staats. Foto: von Brill

Ein "positiver Schock" mit angenehmen Nebenwirkungen: Die aus Bakum stammende Katja Staats hat bei der dritten Verleihung des Kunstpreises Osnabrück den Förderpreis erhalten – und damit 2000 Euro. Den diesjährigen Hauptpreis, mit 10.000 Euro dotiert, sicherte sich Marvin Knopf.

Künstlerische Anfänge bei Jürgen Frey in Vechta

In Lohne geboren und zur Schule gegangen, in Bakum aufgewachsen, liegen Katja Staats biografische Wurzeln im Landkreis Vechta – ebenso ihre künstlerischen. "Seit ich 15 war, war ich bei Jürgen Frey in Vechta in der Kunstschule Freystil. Da habe ich auch meine Bewerbungsmappe fürs Studium gemacht", erklärt die heute 40-Jährige. Danach studierte sie von 2000 bis 2005 Kunstpädagogik auf Lehramt in Osnabrück. Klassischen Schulunterricht hat Katja Staats aber bis heute nicht gegeben. Stattdessen betreibt sie seit 13 Jahren – quasi als eine Art Freystil-Pendant – eine Kunst- und Malschule in Buchholz in der Nordheide. Der Name ihres offenen Ateliers: mopsblau.

Für den Kunstpreis Osnabrück, der vom Museums- und Kunstverein Osnabrück (MuK) eingerichtet wurde und von der Sievert Stiftung für Wissenschaft und Kultur maßgeblich gefördert wird, verblieb Katja Staats nach insgesamt 142 Bewerbern unter elf Nominierten (plus eine Künstler-Arbeitsgemeinschaft). Dass sie überhaupt teilnehmen durfte, hängt mit ihrer Mitgliedschaft im Bundesverband Bildender Künstler Osnabrück zusammen.

Eine der drei siegreichen Fotografien: Die Jury lobt deren kompositorische Dichte, die Räume des Nachdenkens öffnet. Foto: StaatsEine der drei siegreichen Fotografien: Die Jury lobt deren kompositorische Dichte, die Räume des Nachdenkens öffnet. Foto: Staats

Große Chancen, dass sich die fünfköpfige Expertenjury im Oberlichtsaal des Museumsquartiers Osnabrück gerade für ihre Werke entscheiden würde, hatte Katja Staats nicht einkalkuliert, wie sie zugibt – daher auch der "positive Schock". Aber: "Ich fand meine Arbeiten natürlich schon so gut, dass ich mich damit bewerben wollte. Aber etwas ausgerechnet, als die Ausstellung hing, habe ich mir tatsächlich eher weniger, weil die Arbeiten sehr klein und leise sind und die Ausstellung ansonsten eher ziemlich groß und bunt ist."

Dem setzte die 40-Jährige mit drei kleinformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien einen – nur auf den ersten Blick – unscheinbaren Kontrast entgegen. Denn hinter den Aufnahmen aus einem Wartezimmer steckt eine persönliche Geschichte. Katja Staats: "Ich habe ein Geburtstrauma wegen der Geburt meiner Tochter. Die ist viel zu früh zur Welt gekommen mit Notkaiserschnitt. Ich hatte Panikattacken und bin seit ein paar Jahren bei einer Traumatherapeutin in Hamburg." Im Wartezimmer, schildert die Künstlerin weiter, habe sie immer das Gefühl gehabt, das sei "eine Art Schleuse, wenn man so aus seinem Alltag rauskommt, die Rüstung ablegen muss, um sich dieser Therapie zu stellen. Da kam die Idee, als ich warten musste, das einfach mal festzuhalten". Die Fotografien zeigen bewusst keine Menschen, richten den Blick nach unten, auf den Boden, auf eine Zimmerecke, eine Rohrleitung, ein Stück Vorhang. Für den Wettbewerb, so Katja Staats, habe sie die Arbeiten ausgewählt, "die formal-ästhetisch am besten zusammengepasst und die Situation inhaltlich am besten transportiert haben".

2000 Euro sind eine willkommene Finanzspritze

Wenn sie nicht gerade Wartezimmer kunstvoll ablichtet, ist Katja Staats nach eigener Aussage künstlerisch breit aufgestellt. Außer der Fotografie gehören Installationen, Objekte, manchmal auch klassisches Zeichnen und Malen zu ihrem Œuvre. "Ich hatte schon immer eine künstlerische Ader. Meine Eltern wissen nicht, wo es herkommt", erklärt die Tochter. Gleichwohl verfolgen Mutter und Vater in Bakum bis heute ihr kreatives Schaffen.

Das musste sie sich während der Hochphase der Corona-Krise auch mit den Auswirkungen der Pandemie arrangieren. So waren statt in ihrem Atelier in Buchholz in der Nordheide zwischenzeitlich nur Kurse via Videokommunikation am Bildschirm möglich. "Das funktioniert alles nur semi-gut und ersetzt es nicht, wenn man sich sieht." Die Kursteilnehmer hätten die Werke abfotografiert und ihr per WhatsApp geschickt, damit sie Anregungen und Tipps für Korrekturen geben konnte, beschreibt Katja Staats. Mittlerweile seien ihre Schützlinge vor Ort aber wieder ganz gut in den "Arbeitsflow" gekommen.

Darüber, was sie mit ihren 2000 Euro Förderpreisgeld anstellen wird, habe sie sich noch keine Gedanken gemacht, verrät Katja Staats. So oder so könne sie die Finanzspritze gut gebrauchen. Durch das Fehlen von Zusatzkursen am Wochenende habe sie doch einen gewissen Verdienstausfall gehabt.

  • Info: Die Ausstellung, die Werke aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Grafik, Bildhauerei, Objektkunst, Installation, Fotografie und Videokunst zeigt, ist noch bis Sonntag (27. September) im Oberlichtsaal des Museumsquartiers Osnabrück zu sehen (www.museumsquartier-osnabrueck.de).

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