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Jürgen Drews im Glaßdorfer Kornfeld

Die Euro-Musiktage in Bösel wären aktuell in vollem Gang gewesen, aber müssen wegen Corona ausfallen. Viele Stars waren bereits auf der Festivalbühne.

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Fast in Glaßdorf aufgetreten: Jürgen Drews, als er noch nicht „König von Mallorca" war. Foto: Pille

Fast in Glaßdorf aufgetreten: Jürgen Drews, als er noch nicht „König von Mallorca" war. Foto: Pille

Während die Euro-Musiktage 2020 wegen der Corona-Situation ausfallen müssen, gehen die Gedanken zurück an große Zeiten, als der 2014 verstorbene Geschäftsführer Erwin Höffmann sie alle nach Bösel holte. Sie lieferten schöne Geschichten, etwa von Jürgen Drews und Gottlieb Wendehals.

Der spätere „König von Mallorca“ kam 1980 als Stargast zu den Euro-Musiktagen in die Gemeinde und hunderte hörten sein „Bett im Kornfeld“ und jeder, der wollte, sang es mit. Nach dem Auftritt gab sich Drews kontaktfreudig und stand mit den Gästen an der Kemperschen Biertheke, unter ihnen auch der eine oder andere aus dem kleinen Ortsteil Glaßdorf.

Cool die Daten und Telefonnummern ausgetauscht

Der Ballermann-König, der sich seit 50 Jahren am Schlagerhimmel hält, beklagte damals die schwierige Lage des Schlagergeschäfts, die ihn gar nach Bösel getrieben habe. Dem Mann konnte geholfen werden, denn nach dem vierten oder fünften Bier erinnerte man sich daran, dass das Glaßdorfer Dorffest vor der Tür stand, genannt „Glaßdorfer Cityfest“. Und so wurde der ganz in Leder gekleidete Drews kurzerhand und an Ort und Stelle für die Gestaltung des Gesangsprogramms des Festes verpflichtet, Motto „Ein Bett in Glaßdorfs Kornfeld“. Bei einem weiteren Bier tauschte man cool die Daten aus, nebst einer Telefonnummer des Managements.

Am nächsten Morgen klingelte bei einem verkaterten Glaßdorfer das Telefon. Man wolle die Verträge für das Cityfest schicken zwecks Unterschrift und Vorkasse, schlappe 12.000 Mark. Als der Manager erfuhr, dass die Bauerschaft Glaßdorf etwa 100 Gäste erwartete, wenn es gut läuft, und die Volkstanzgruppe wohl auch auftreten würde und die Musik wohl eher vom Tonband kommen würde, legte der Manager wutentbrannt auf.

Als Gottlieb Wendehals, alias Werner Böhm, 1987 seine „Polonäse Blankenese“ im Festzelt abziehen sollte, flogen für Festivalmanager Erwin Höffmann an diesem denkwürdigen Abend „die Löcher aus dem Käse“.

1986: Festivalmanager Erwin Höffmann im Gespräch mit Heino.  Foto: Pille1986: Festivalmanager Erwin Höffmann im Gespräch mit Heino.  Foto: Pille

Wendehals reiste sehr früh in Bösel an, wartete stundenlang in schwarz-weiß karierter Jacke und Gummihuhn auf seinen Auftritt. Als es so weit war, war er allerdings so betrunken, dass er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte.

Höffmann flößte ihm literweise schwarzen Kaffee und „Wasser ohne“ ein. Und tatsächlich: Gegen Mitternacht war er in der Lage, seine Polonäse durch das Festzelt zu starten. Der Blödelsong jedoch konnte nur Full-Playback sein, das tat dem Autritt aber keinen Abbruch.

Böhms letzte Karriere führte ihn als Kandidaten ins Reality-TV, vom Dschungelcamp bis ins Big-Brother-Haus. In diesem Jahr starb er auf Gran Canaria.Die Liste der Stars bei Euro ist lang: Mike Krüger, Hein Timm, Bernhard Brink, Wolfgang „Wolle“ Petry, Heino, Carlo von Thiedemann, Bernd Clüver, Hape Kerkeling, Klaus&Klaus, Peter Petrel, Mary Roos, und Stefan Mross. Das Naabtal-Duo sang sein „Patrona bavariae“ und die Wildecker Herzbuben „Herzilein“. Und zuletzt reiste auch Oliver Pocher ins Euro-Dorf und gab sich als DJ. Von der politischen Prominenz gar nicht zu reden. Unter vielen anderen gab sich Walter Leisler Kiep die Ehre, der später in mehreren der bedeutendsten Parteispendenskandale in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eine zentrale Rolle spielen sollte. Gerd Glup sorgte als Landwirtschaftsminister immer gerne für Nachschub und holte damals auch die Brüder Walter und Werner Remmers, beide Minister, nach Bösel.

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