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Im Strudel zwischen Freud' und Leid

Kolumne: Batke dichtet - Am 3. Samstag im Januar ist "Tag des deutschen Schlagers". Doch wer ist eigentlich der Branchenprimus?

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Um es gleich am Anfang klarzustellen: "Wir lassen uns das Singen nicht verbieten!" Hat wer gesungen? Genau, Tina York, und die Experten wissen, dass sie die jüngere Schwester von Mary Roos ist. "Ein bisschen Schindererassasa und Bums-Faldera . . . ein Schlager heißt doch nur ein bisschen Freud" - so eine Passage aus dem Stimmungslied von 1974. Textliches Niveau hin oder her: Dieser Titel eroberte Platz eins der legendären "ZDF-Hitparade" und war der größte Karriereerfolg für Frau York, die eigentlich Monika Schwab heißt.

Warum ich das alles erzähle? Weil der 16. Januar 2021 der „Tag des deutschen Schlagers“ ist. Ein Festtag, zelebriert seit 2009, ins Leben gerufen vom "Kultur- und Gesellschaftsverein Schlagerfreunde Essen 1996 e.V.". Gefeiert wird immer am 3. Samstag des Januars - in Erinnerung an die Erstausstrahlung der "ZDF-Hitparade", die am dritten Samstag des Januars 1969 (18. Januar) von Dieter Thomas Heck präsentiert wurde.

"Es lassen sich ideologische Debatten darüber führen, wer denn nun Deutschlands größter Schlagerstar ist oder war."Alfons Batke

Es gibt nicht wenige, die mit dem Schlager nichts anfangen können. Sie blicken mit einer gewissen intellektuellen Herablassung auf ein Genre, das auch im Duden nicht besonders gut wegkommt. Dort wird der Schlager als "leicht eingängiges, meist anspruchsloses Lied" definiert. Trotzdem lässt sich das Volk, um bei Tina York zu bleiben, das (Mit-)Singen nicht verbieten, auch wenn die gegenwärtige Pandemie-Situation eine "Polonäse Blankenese" im Wendehalsschen Sinn schon wegen der Abstandsregel nicht zeitgemäß erscheinen lässt. Auch das mit dem „Atemlos durch die Nacht“ ist derzeit eher weniger angesagt - wo willste hin?

Es lassen sich ideologische Debatten darüber führen, wer denn nun Deutschlands größter Schlagerstar ist oder war. Udo Jürgens ("Griechischer Wein", "Ich war noch niemals in New York") vielleicht, obwohl der ja eigentlich aus Österreich stammt und ihn seine Fans nicht unbedingt in der Schlagerecke verortet wissen möchten? Oder der in Rumänien geborene Peter Maffay ("Und es war Sommer", "Du"), den seine Anhänger ebenso wenig beim Schlager wissen wollen wie Jürgens? Einfacher ist es da schon in der Einordnung bei Roland Kaiser, Wolfgang Petry oder Andrea Berg, denen kein Zacken aus der Krone bricht, wenn man sie als "Schlagerkaiser", "Schlagerkönig" oder "Schlagerkönigin" bezeichnet.

Doch wer ist der wahre Primus der Branche? Kein Michael Holm, kein Roy Black, nicht einmal Heintje. Es ist ein Österreicher, der Seemannslieder sang - Freddy Quinn. Von 1956 bis 1966 war der heute 89-Jährige, der in Hamburg-Poppenbüttel lebt, der absolute Dominator deutscher Hitparaden. "Heimweh (Dort, wo die Blumen blüh'n)" ist die am meisten verkaufte deutschsprachige Single aller Zeiten mit mehr als 2 Millionen Exemplaren, auch "Junge komm' bald wieder" sprengte die 2-Millionen-Schallmauer.

Ob ich einen persönlichen Schlager-Favoriten habe, wollen Sie wissen? Momentan ist es einer mit eher sentimentalem Charakter. Ich lebe in Lohne und immer, wenn ich an der frischen Kahlstelle vorbeikomme, wo sie ein vormals lebendiges Gehölz für einen Parkplatz und einen Supermarkt exekutiert haben, kommt mir Alexandras Hit aus 1968 in den Sinn. Dann lasse ich mir das Singen nicht verbieten und intoniere leise: "Mein Freund, der Baum, ist tot. Er fiel im frühen Morgenrot".

Zur Person

  • Zur Person: Alfons Batke (64) ist Journalist und lebt in Lohne.
  • Den Autor erreichen Sie unter info@ov-online.de

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