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"Im März" gibt Anna Reckzeh Corona ihre Stimme

Lange sträubte die Dinklagerin sich dagegen, einen Song zu schreiben. Doch die Pandemie beschäftigte die 18-Jährige zu sehr.

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Anna Reckzeh verarbeitete ihre Gefühle und Gedanken zur Corona-Pandemie in dem Song "Im März". Fotos: Peter W. Reckzeh

Anna Reckzeh verarbeitete ihre Gefühle und Gedanken zur Corona-Pandemie in dem Song "Im März". Fotos: Peter W. Reckzeh

Es war ein Donnerstag mit vielen Online-Seminaren. Da beschloss Anna Reckzeh aus Dinklage, dass sie es nun doch tun wird, tun muss: Sie wird der Corona-Krise einen Song widmen.

Anne Reckzeh (18) ist Studentin des Institutes für Musik in Osnabrück. Mit 13 trat die Dinklagerin bei "The Voice Kids" auf. Ihr Talent war von nun an nicht mehr nur im Freundes- und Familienkreis ein Thema. Viele hatten sie im Fernsehen gesehen, gehört und beeindruckend gefunden.

Corona und die Folgen trafen natürlich auch Anna Reckzeh - so wie jeden von uns. Aber nicht jeder kann das Getroffen-Sein in einem Lied ausdrücken. Doch genau das wollte die 18-Jährige zunächst nicht. Niemand, so ihre Überzeugung, wolle so ein Stück hören.

Doch an diesem Donnerstag änderte Anna Reckzeh ihre Einstellung. Sie merkte, dass "mich die Sache so beschäftigt, dass es einen Song brauchte, um das zu verarbeiten". Bereits während der Online-Schulung kam ihr eine Idee nach der anderen. Und so setzte sich die 18-Jährige noch am selben Abend ans Klavier und schrieb "Im März". Der Song ist jetzt auf YouTube verfügbar und wird es bald auch auf anderen Musikplattformen sein.

Distanz und Verantwortung dominieren alles

"Es ist eben nicht egal, wenn in China ein Sack Reis umfällt. Plötzlich geht alles schnell, trifft jeden Winkel dieser Welt." Mit dieser Zeile ging es los. Der Text musste weitergeschrieben werden und eine passende Melodie bekommen. 

"Mich hat die Sache so beschäftigt, dass es einen Song brauchte, um das zu verarbeiten."Anna Reckzeh

Die Distanz wurde dabei zum zentralen Thema. Distanz als Folge der Kontakt- und Verhaltensbeschränkungen während der Pandemie. Distanz plus Verantwortung. Denn gleichzeitig sind die Menschen füreinander da, sagt Reckzeh. Sie sind vorsichtiger als früher, tragen Masken, kommen sich nicht zu nah, um sich zu schützen. Das alles habe sie zeigen wollen. Entstanden ist "Im März" - ein ruhiger Song mit einem hoffnungsvollen Refrain.

18-Jährige arbeitet an ihrem ersten Album

Aktuell bereitet die Dinklagerin zudem den Release ihres ersten Albums vor. Voraussichtlich Ende August soll mit "Loosing our Speed" der erste Song ausgekoppelt werden. Der ist nach einem Auftritt bei der Kulturnacht in Osnabrück entstanden und handelt von einem Sommerabend mit Freunden.

Zwölf sehr unterschiedliche Lieder hatte die Studentin für ihr erstes Album ausgesucht. "Ich liebe die Vielfalt und möchte mich nicht auf eine Musikrichtung festlegen", sagt Anna Reckzeh. Daher finden sich lateinamerikanische Einflüsse - etwa bei dem Stück "Coqueiro nachuva".  Aber das Album ist auch jazzig, rockig und sicherlich etwas poppig. Vier Jahre hat die 18-Jährige daran im Tonstudio in ihrem Elternhaus gearbeitet. Ein langer Prozess, gibt sie zu. Aber Zufriedenheit brauche manchmal eben Zeit.

Aufgenommen hat sie die Lieder zusammen mit Peter Reckzeh (Bass) und Malik Schilling (Percussions) als Band "annamaltnicht". Ans Ende gehört noch eine hochgestellte drei. Die Potenz soll ausdrücken, aus wie vielen Mitgliedern die Band gerade besteht.

An einem Abend schrieb Anna Reckzeh Im März. An einem Abend schrieb Anna Reckzeh "Im März". 

Die Musikerin will ihren eigenen Weg gehen, ihren ganz eigenen Sound entwickeln. In Osnabrück studiert sie seit September 2019 Geige im Hauptfach und Jazzgesang im Nebenfach. "Das bereichert sich gegenseitig", meint sie über die Fächerkombination von Klassik und Jazz. Ihr Studium widmet sich wissenschaftlichen, pädagogischen und künstlerischen Themen. Unterrichten könne sie sich später als eines ihrer beruflichen Standbeine vorstellen, aber auch wissenschaftlich zu arbeiten würde sie reizen, sagt die 18-Jährige. Alles offen also. 

Neben der Veröffentlichung der ersten Singles hofft sie darauf, ihre Releasepartys organisieren zu können. Die würde Anna Reckzeh gerne in Dinklage, Osnabrück und Düsseldorf veranstalten. Und danach auf Deutschland-Tour gehen, kleine Konzerte in gemütlichen Locations geben. Wann? Bald. Hoffentlich.

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