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Ihre Gedichte erzeugen mentale Bilder

Der Hausstetterin Julia Meisinger wurde das Kreativ-Gen quasi in die Wiege gelegt. Sie schreibt bereits seit der Grundschule. Nun hat sie ihren ersten Kurzprosa-Band "Sturmgewidmet" veröffentlicht.

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Buchpremiere: Die 19-jährige Schülerin Julia Meisinger aus Hausstette hat vor 2 Wochen ihren ersten Kurzprosa-Band „Sturmgewidmet“ veröffentlicht. Fotomontage: M. Meyer/von Hammerstein

Buchpremiere: Die 19-jährige Schülerin Julia Meisinger aus Hausstette hat vor 2 Wochen ihren ersten Kurzprosa-Band „Sturmgewidmet“ veröffentlicht. Fotomontage: M. Meyer/von Hammerstein

Das Schreiben liegt Julia Meisinger im Blut. Schon im Grundschulalter verfasste die Schülerin kleine Novellen. Jetzt hat die 19-Jährige im Geest-Verlag Langförden ihren ersten eignen Kurzprosa-Band „Sturmgewidmet“ veröffentlicht.

"Ich liebe Geschichten", sagt sie mit strahlenden Augen. Vor allem mit Geschichten mit Herz. Das wird bereits im ersten Kapitel ihrer Gedicht-Sammlung klar. Darin formuliert die angehende Abiturientin emotional, nachdenklich, teils philosophisch.

Das Interesse an Prosa und Gedichten hat vor allem die Schreibwerkstatt des Gymnasium Antonianum in Vechta geweckt. Dort lernte  die Hausstetterin sich lyrisch frei zu entfalten. Das Formulieren fällt ihr nicht schwer. "Meist ist es ein Geistesblitz oder Impuls und dann fließt es so aus mir heraus", erklärt sie.

Prägnant, ausdrucksstark, metaphorisch

Das Ergebnis kann sich sehen lesen: Der metaphorische Schreibstil der 19-Jährigen fesselt den Leser im Handumdrehen. Mit kurzen prägnanten Zeilen trägt die Autorin (ihre) innerste(n) Gefühle vor. Und das nicht nur in verschriftlichter Form: Julia Meisinger malt auch. Sowohl in der Schule im Kunst-Leistungskurs, als auch in ihrer Freizeit. Alle Bilder, die in ihrem Buch zu sehen sind, hat sie extra für ihr Buch angefertigt.

Der Fokus liegt dabei auf zwischenmenschlichen Beziehungen. Im ersten Kapitel versucht sie, mit Buchstaben eine Euphoriewelle zu beschreiben. Sie zeigt auf, wie hoch Glücksgefühle einen schweben lassen können. Dass ihre Sprache sehr bildhaft ist, wird bereits am Titel des ersten Passus klar: In "Im Netz des Gewitters, von Blitzen gekrönt" schreibt sie über das Verlangen nach Leidenschaft, Langeweile, ein musisches Geschenk und wie Liebe durch den Magen gehen kann.

So klingen direkt zu Beginn auch persönliche Vorlieben der Kunstschaffenden an. Meisinger spielt in ihrer Freizeit gerne Gitarre und hat auch das Kochen für sich entdeckt. Doch das ist nicht ihre einzige Quelle der Inspiration.

"Für mich ist es wichtig, dass sich der Leser seinen Teil selbst denkt."Julia Meisinger, Schülerin und Autorin

Sie widmet sich auch der Liebe. Sich selbst bezeichnet die Schülerin als "hoffnungslose Romantikerin". Das wird im zweiten Kapitel ihres ersten Buches schnell deutlich. Illustriert mit einem Gemälde 2 sich küssender Menschen, eingetunkt in ein helles Blau mit rote Nuancen, beschreibt sie, wie lebensverändernd die Begegnung mit einem unbekannten Menschen sein kann. Ob der Impuls für die Zeilen aus eigener Erfahrung kam, will die Verfasserin nicht verraten. "Für mich ist es wichtig, dass sich der Leser seinen Teil selbst denkt", sagt sie.

Abseits der schönen Dinge des Lebens beleuchtet die Autorin auch "krassere Geschichten", wie sie selbst sagt. Im Text "Verdurstende Schiffswracks zwischen splitternden Welten" schlägt die Hausstetterin eher düstere Töne an. Sie thematisiert, wie es sich anfühlen kann, im Leben an einem Scheideweg zu stehen. "Wer hoch steht, kann auch tief fallen", ist das Motto. Verzweiflung, Schmerz, einen Schritt vorm Abgrund, aber noch die Kurve kriegen.

Die kurzen Schriftsätze sind auf vielerlei Art und Weise zu interpretieren – und das bewusst. Denn: Die Hausstetterin will dem Leser Spielraum lassen.

Widmungen gelten Freunden und der Familie

Für ihre Texte reicht oft ein kleiner Impuls in Form eines Gedichts, Bildes oder Zitats aus.

"Ich möchte Leute in meinem Alter ansprechen."Julia Meisinger, liest gern Fantasy-Bücher

Das Schreiben kurzer Texte fällt ihr meist leichter, sagt sie. Das liege auch daran, dass sie ihre Texte öfter überarbeitet. Bei ihr gilt die Devise: 150-prozentig oder gar nicht. Dass Schreiben und auch Lesen ihre Lebenselixiere sind, offenbart sich in ihrer akribischen Arbeitsweise. Das könne auch damit zusammenhängen, dass die vielen Gedichte und Aphorismen zum Großteil ihren Freunden und der Familie gewidmet sind, verrät Julia Meisinger.

"Ich möchte Leute in meinem Alter ansprechen", sagt die Hausstetterin. Daher widmet sie sich in ihrem ersten Band auch politischen und gesellschaftlichen Themen. So hat sie im Kapitel "Rebellion" auch Proteste wie "Black Lives Matter" oder die "Fridays for Future"-Bewegungen problematisiert.

Fantasy-Genre dient als Quelle der Inspiration

Maßgeblichen Einfluss auf ihren Schreibstil hat allerdings das Fantasy-Genre. "Die vielschichtigen, ausgetüftelten Charaktere inspirieren mich auch auf der Beziehungsebene", erklärt die 19-Jährige. Zu ihren Lieblings-Fantasy-Autoren zählt neben Sarah J. Maas auch "Herr der Ringe"-Erfinder J. R. Tolkien.

Gewiss ist: Das erste Buch wird nicht das Letzte bleiben. "Eigentlich möchte ich gerne auch noch mal einen Roman schreiben", gibt die 19-Jährige zu. Dafür brauche es aber Zeit. Deshalb will sie erstmal ihr Abitur hinter sich bringen. Was danach kommt, weiß Meisinger noch nicht. Ein Studium in "Englischer Literatur" kann sie sich vorstellen, sagt sie. "Mir ist wichtig, dass es was Aktives und Dynamisches hat", sagt sie - so wie die Gedichte in ihrem ersten eigenen Buch.


Info:

  • Das Buch "Sturmgewidmet" ist beim Geest Verlag Langförden zu kaufen.
  • Die Kosten liegen bei 11 Euro.
  • Die ISBN Nummer lautet: 9787-3-86685-805-3

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