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„Ich wusste nicht, wohin ich gehöre“

Justyna Brand stammt gebürtig aus Polen. 40 Porträts, 40 Gedanken zur Heimat, das ist die Idee der neuen täglich OV-Serie Heimat.Los.

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Justyna Brand aus Goldenstedt ist Landwirtin. Die 34 Jahre alte Jungjägerin glaubt, dass viel Eigeninitiative nötig ist, um sich heimisch zu fühlen:

„Als Kind auf einem Hof groß werden: Etwas Schöneres gibt es nicht. Das durfte ich selber als Kind erfahren und kann diese Erfahrung heute an meine drei Jungs weitergeben. Hier in Goldenstedt habe ich meine Familie, meine Pferde, einen landwirtschaftlichen Betrieb.

Erstmals in meinem Leben kann ich sagen: Hier bin ich zuhause, hier fühle ich mich heimisch. Das war nicht immer so. 1989, noch bevor die Mauer fiel, bin ich mit meinen Eltern von Polen nach Deutschland gekommen.Wir hatten in der Nähe von Danzig einen Hof. Damals war es für mich der schönste Ort der Welt. Aber wirtschaftlich war es keine einfache Zeit in Polen. Wir mussten dort den landwirtschaftlichen Betrieb aufgeben und landeten mit drei Koffern in einem Auffanglager in Berlin. Meine kleine Schwester, erst ein halbes Jahr alt, musste zurückbleiben bei der Tante. Ihr war die Ausreise verweigert worden. Zum Glück fiel kurz darauf die Mauer. So konnten wir sie nachholen.

Die Zeit in Berlin war geprägt von zahlreichen Umzügen und Schulwechseln. Wir sind nie richtig sesshaft geworden. Ja, ich fühlte mich heimatlos. In Polen hieß es: Das sind die Deutschen. In Deutschland hieß es: Die Polen sind da. Ich wusste nicht, wohin ich gehöre. Erst 1994 bekam ich die deutsche Staatsbürgerschaft. 1995 zogen wir nach Goldenstedt. Hier beendete ich die Schule, machte eine Ausbildung und lernte meinen Ehemann kennen.

Manchmal sind es Zufälle, die das Leben beeinflussen. Oder ist es doch Schicksal? Ich habe auch während der Zeit in Berlin nie aufgehört, von einem Leben auf dem Land zu träumen. Und ich hatte immer den Willen und den Ehrgeiz, mich zu integrieren. Ich lernte Deutsch, habe mir später sogar Plattdeutsch selbst beigebracht und jetzt auch einen Jagdschein gemacht.

Mir war klar, dass ich die Initiative ergreifen muss, wenn ich hier dazugehören will. Dabei leugne ich meine Wurzeln und meine Identität nicht. Der Weg war steinig, aber es hat sich gelohnt.“

  • Das Projekt Heimat.Los der OV und der Katholischen Akademie Stapelfeld wird von den Volksbanken, den HGVs Vechta/Damme und der Firma Cewe unterstützt.

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