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„Ich habe meine Heimat neu finden müssen“

Hiltrud Taphorn kam 1991 in den Kreis zurück. 40 Porträts, 40 Gedanken zur Heimat, das ist die Idee der neuen täglichen OV-Serie Heimat.Los.

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Hiltrud Taphorn aus Vechta ist Lehrerin. Die 53-Jährige wuchs in Lohne auf. Hier ihre Gedanken zur Heimat:

„Der Begriff Heimat hat für mich keine regionale Bedeutung. Wichtiger ist das emotionale und soziale Grundgerüst, das ich in Lohne während meiner Kinder- und Jugendzeit vermittelt bekommen habe. Es bedeutet für mich bis heute Unbeschwertheit, Vertrautheit, Sicherheit, Geborgenheit. Das Ganze war eingebettet in ein System von Familie, Nachbarn und Freunden. Es hat mich stark gemacht. So stark, dass ich dachte, ich könnte die ganze Welt erobern.

Ich ging nach meiner Ausbildung als Augenoptikerin mit 21 Jahren fort. Nach Meppen, in die USA und nach Münster. Ich habe dort nie meine Heimat gefunden. Nach acht Jahren bin ich zurückgekehrt. Ich besuchte die Fachoberschule in Cloppenburg und parallel eine Abendschule. Dann begann ich das Lehramtsstudium in Vechta.

Bei meiner Rückkehr 1991 wollte ich auf meine Erfahrung der Unbeschwertheit und Vertrautheit zurückgreifen, nach der ich mich gesehnt hatte. Aber die Welt hatte sich hier weiterentwickelt. Als ich Mutter geworden war, da habe ich gemerkt, dass Vechta eine sehr kleinkarierte Stadt war. Die Alleinerziehenden, zu denen ich gehörte, blieben unter sich. Da es kaum flexible Betreuungsangebote für Kinder gab, musste ich Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen. Seit dem Jahr 2000 bin ich Grundschullehrerin in Lohne.

Ich habe meine Heimat neu finden müssen. Wichtig war dabei die Erinnerung. Wenn ich im Wald in Lohne bin, dann sehe ich mich dort als Kind mit anderen Kindern spielen. Ich weiß noch, wie wir da mit Fahrrädern den Berg runtergefahren sind. Da ist ein Bachlauf, über den wir eine Sprungschanze gebaut hatten. Und der Pattkeweg zur Josefstraße, wo wir wohnten, war von Nacktschnecken übersät. Das alles ist geblieben. Das hat mir die Rückkehr vereinfacht.

Ich gehe auch gerne in meine Heimatkirche St. Josef in Lohne. Ich weiß, auf welchen Bänken wir früher als Familie saßen.Meine vier Brüder, meine Schwester und meine Mutter. Meine Tochter macht dieselben Grunderfahrungen von Vertrautheit und Geborgenheit wie ich als Kind. Sie sagt heute schon, sie wolle nie fort aus Vechta.“

  • Das Projekt Heimat.Los der OV und der Katholischen Akademie Stapelfeld wird von den Volksbanken, den HGVs Vechta/Damme und der Firma Cewe unterstützt.

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