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Helga Hürkamp zählt zu den besten Geschichtenerzählerinnen

Die 81-Jährige aus Kroge schreibt auf Plattdeutsch. Bei einem Wettbewerb des NDR hat sie es jetzt bis in die Endrunde geschafft. Und das ist nicht der erste Erfolg der Naturliebhaberin.

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Helga Hürkamp findet in der Natur die Ruhe, die sie für ihre Geschichten braucht. Foto: Heinzel

Helga Hürkamp findet in der Natur die Ruhe, die sie für ihre Geschichten braucht. Foto: Heinzel

Helga Hürkamps Erzählung „Up'n frisken Bult an“ zählt zu den besten 25 Geschichten des diesjährigen Plattdeutschen Schreibwettbewerbs "Vertell doch mal“. Im Januar hatte sie ihr Werk beim Veranstalter des Contests, dem NDR, eingereicht. 1.500 Beiträge gab es insgesamt.

Nun ist die 81-Jährige aus Kroge zur Preisverleihung in das Hamburger Ohnesorg-Theater am 4. Juni eingeladen. Pünktlich zu dieser Gala werden die ausgewählten Geschichten als Buch erscheinen. Zudem werden aus diesem Pool der besten Geschichten des 33. Plattdeutschen Schreibwettbewerbs 7 Werke zusätzlich prämiert.

In der Kurzgeschichte geht es um die Suche nach den eigenen Schwächen

In der Kurzgeschichte von Helga Hürkamp geht es um eine alleinstehende Frau, die etwas Neues wagen möchte. Sie startet das Abenteuer "Partnersuche" zu stürzen. Aber wie findet frau den Richtigen?

Die Eigenschaften ihrer Charaktere überspitzt die Krogerin hier und da gerne einmal. Die Erkenntnis für alle? „Ich kann Fehler nicht nur bei den Anderen suchen“, sagt die Schriftstellerin. „Wir betrachten uns selbst oft viel zu wenig selbstkritisch. Man sollte sich daher öfter mal einen Spiegel vorhalten.“

Mit Plattdeutsch lässt sich alles auf den Punkt bringen

Helga Hürkamp ist bereits mehrfach ausgezeichnet worden. 2-mal errang sie den 1. Preis beim Borsla-Wettbewerb der Vereinigung für niederdeutsche Sprache und Literatur in Bösel. Er wird in diesem Jahr zum 25. Mal verliehen; die Krogerin wird sich bewerben. Und: 2-mal siegte sie beim Plattfoss Osnabrück.

„Plattdeutsch ist eine direkte Sprache“, meint die Krogerin. Sie ist mit der plattdeutschen Sprache groß geworden und schätzt die Reichhaltigkeit an Verben. Man könne Dinge wunderbar abgestuft erzählen. Ihre Erzählungen schreibt sie in der Schreibweise nach Sass. „Se is mi de Levste, is Klang un Klöör“, meint sie über Plattdeutsch.

Helga Hürkamp ist in vielen Anthologien, Jahrbüchern und Kalendern mit ihren Beiträgen präsent. Foto: HeinzelHelga Hürkamp ist in vielen Anthologien, Jahrbüchern und Kalendern mit ihren Beiträgen präsent. Foto: Heinzel

Hürkamps Arbeitsweise hat sich in den Jahrzehnten ihres Schreibens nicht geändert. Sie brauche Ruhe um ihre Ideen und Gedanken entwickeln und sammeln zu können, sagt die 81-Jährige. Das gelinge ihr besonders gut bei Ausflügen in die Natur, etwa an den Dümmer See. Dort setze sie sich auf eine Bank und denke nach. Stift und Zettel habe sie immer dabei. „Ich schreibe, was ich mir ausdenke und es muss eine glaubwürdige Aussage haben“, so Helga Hürkamp.

Als Heimatdichterin sieht sich die 81-Jährige allerdings nicht. Sie schreibe über aktuelle und zeitgemäße Themen, weniger über die Heimat. Dabei widme Sie sich ganz gerne auch kritischen Themen. Es gehe ihr darum, zum Nachdenken anzuregen und mit anderen ins Gespräch zu kommen. „Ich weiß ja auch nicht die richtige Lösung, aber der Leser kann sich mit meinen Themen auseinandersetzen.“

„De plattdeutsche Sproke is kien olle Büx, de man blots bi't Messfäuhern antreckt, se wunnerwarkt fein und prick in 't Sönndogskleed!“Helga Hürkamp

Helga Hürkamp liest auch gern. In der Landwirtschaft groß geworden, holte sie damals ihre Bücher aus der Leihbücherei in Steinfeld. Sie ist neugierig. Und: Sie interessiert sich stark für die Natur.

Helga Hürkamp kommen sofort Ingeborg Bachmann, Hilde Domin und Waltraud Bruhn in den Sinn, wenn sie darüber spricht, was sie gerne liest. „Es muss mir etwas geben“, sagt Helga Hürkamp bestimmt. Bereits am Schreibstil des Autors erkenne sie, ob sie mit dem Buch etwas anfangen könne oder nicht. Dabei liest sie natürlich gerne auf Plattdeutsch, denn die „plattdeutsche Sproke is kien olle Büx, de man blots bi't Messfäuhern antreckt, se wunnerwarkt fein und prick in 't Sönndogskleed!“.

Das erste Gedicht heißt 'Mohnblumen'

„Anfangs hatte ich nicht den Mut meine Werke vorzutragen“, erzählt die Autorin. Sie schrieb zuerst nur für sich. Das änderte sich, als Maria Hartmann die Krogerin in einen Schreibkreis des Spiekers Oldenburg mitnahm. Dort trug sie dann ihr allererstes Gedicht 'Mohnblumen' vor.

Das Feedback war gut. Hürkamp lernte dazu; hörte Vorträge, führte Gespräche. „Ich schreibe erst einmal für mich und dann möchte ich den Menschen auch etwas mitteilen.“ Ihre wichtigste und allererste Kritikerin ist Tochter Anna Maria.

Helga Hürkamp ist in mehreren Schreibkreisen aktiv und hat dort viel gelernt. Foto: HeinzelHelga Hürkamp ist in mehreren Schreibkreisen aktiv und hat dort viel gelernt. Foto: Heinzel

Noch heute ist Helga Hürkamp in mehreren Schreibkreisen aktiv, darunter der Schreibkreis Weser-Ems und der in Stapelfeld. Der Austausch mit anderen Autoren und die dort organisierten Schreibwerkstätten bedeuten ihr viel. „Da komme ich immer reich beschenkt nach Hause.“ Die passionierte Schreiberin, belohnt sich für ein gelungenes Werk, indem sie damit an einem Wettbewerb teilnimmt. „Ich schätze die Auszeichnung. Das Preisgeld ist für mich aber nur zweitrangig.“

Vielleicht wird ihr Werk am 4. Juni ja noch extra prämiert oder sie kann erneut beim Borsla-Preis reüssieren. Helga Hürkamp blickt dem Ganzen entspannt entgegen und sagt nur: „Afftäuven war dat Glück noch für mi prost wollt.“

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