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„Heimat ist aber auch mein Geburtsort“

Joan Tamar ist im Irak aufgewachsen. 40 Porträts, 40 Gedanken zur Heimat, das ist die Idee der OV-Serie Heimat.Los.

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Die 23-Jährige Joan Tamar aus Lutten erzählt, was Heimat für sie bedeutet:

„Ich bin im Irak aufgewachsen. Wir sind vor dem Krieg geflohen, ich war damals 17 Jahre alt. 2008 erreichten wir Deutschland. Schließlich fanden wir im Caritas-Wohnheim in Goldenstedt eine Unterkunft. Hier wohnten wir drei Jahre lang. Am Anfang war es sehr schwierig. Aber für uns war es das Wichtigste, in Sicherheit zu sein. Lange hatten wir Angst davor, wieder abgeschoben zu werden. Aber jetzt wissen wir, dass wir bleiben können. 2012 konnten wir ein Haus in Lutten mieten. Das war ein großes Glück für meine Familie.

Heimleiterin Annette Wilke hat sich damals sehr um uns gekümmert. Sie sorgte dafür, dass wir Kontakte knüpften. Mit meiner Mutter und meinen Geschwistern bin ich zum Deutschkurs gegangen. In der Schule fing ich in der neunten Klasse an, an der Realschule. Dort habe ich meinen Hauptschulabschluss geschafft. An der Berufsschule habe ich dann den Realschulabschluss gemacht. Jetzt bin ich auf dem Gymnasium. Es ist mein Ziel, das Abitur zu erreichen und meine Eltern stolz zu machen. Das wollen wir Geschwister alle.

Ich habe an der Schule viele Freunde gefunden, die mir sehr wichtig sind. Sie akzeptieren es auch, dass ich mich entschlossen habe, ein Kopftuch zu tragen. Niemand hat mich dazu gezwungen, meine Eltern haben mir sogar abgeraten. Aber mir ist es wichtig, weil es für mich zu meinem Glauben gehört. Die Mitschüler respektieren mich.

Das ist für mich das Entscheidende: Heimat bedeutet für mich, akzeptiert und respektiert zu werden, auch wenn man anders ist als die anderen oder vielleicht auch Fehler macht. Es ist der Ort, an dem man sich wohl fühlt und sicher ist. Heimat ist aber auch mein Geburtsort, meine Kindheitserinnerungen. Heimat sind auch meine Verwandten.

Manchmal, wenn ich mir die Frage stelle, ob ich meine Heimat in Vechta oder im Irak habe, kann ich mich nicht entscheiden. Die Kindheitserinnerungen sind dort, und hier sind meine Familie, meine Freunde und die Schule. Beides ist meine Heimat. Ich spüre aber, dass ich nicht meine Heimat verloren, sondern eine neue gewonnen habe. Meine alte Heimat im Irak werde ich im Herzen behalten.“

  • Das Projekt Heimat.Los der OV und der Katholischen Akademie Stapelfeld wird von den Volksbanken, den HGVs Vechta/Damme und der Firma Cewe unterstützt.

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