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„Heimat, das ist für mich auch der Stoppelmarkt“

Ludger Espelage betreibt einen Hof in Vechta. 40 Porträts, 40 Gedanken zur Heimat, das ist die Idee der neuen täglichen OV-Serie Heimat.Los.

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Ludger Espelage aus Vechta ist Landwirt. Der 57-Jährige versucht auf seinem Hof, Kindern eine regionale Identität zu vermitteln:

„Als Kinder hatten wir einen sehr engen Begriff von Heimat. Heute habe ich mehr von der Welt gesehen; und wenn ich zurück nach Vechta komme, fühle ich jedes Mal: Hier ist meine Heimat. Hier ist meine Familie, der Hof, die Nachbarschaft. Weil vieles vertraut ist. Ich kenne die Leute.

Heimat, das ist für mich auch der Stoppelmarkt. Dort treffe ich Leute, die ich aus dem Studium oder vom Abitur her kenne – und viele Berufskollegen. Man trifft einfach alle.

Auch mit den Gerüchen von Heu und Futter verbinde ich etwas Positives. Vielen, die auf unseren Hof kommen, geht es genauso. Sie sagen: „Es riecht hier wie früher bei uns zu Hause.“ Damals hatten viele einen Hof. Für die meisten ist das heute fremd.

Deshalb ist unser Anliegen, vor allem Kindern eine regionale Identität zu vermitteln. Wir betreiben konventionelle Landwirtschaft und sind ein außerschulischer Lernstandort für regionales Lernen. Bei uns sehen Kinder und Erwachsene, woher das Essen kommt. Dass viel dahinter steckt, bis eine Kuh Milch gibt oder ein Schwein schlachtreif ist. Dass man viel Futter braucht.

Oft werden die Produkte als Massenware deklariert. Aber jedes Tier ist ein Individuum, das gepflegt werden muss. Ich kenne die Namen aller unserer Kühe. Wir merken, dass Kinder jedes Mal viele Eindrücke sammeln. Sie arbeiten gerne mit, füttern Kühe und melken. Einige haben vorher noch nie ein Tier angefasst. Die Kinder lernen mit allen Sinnen und behalten es so besser.

Jeder hat schon etwas Negatives über Massentierhaltung gehört. Aber wenn die Leute hier waren, sehen sie, dass es anders ist. Natürlich sind Probleme da. Als Landwirte müssen wir daran arbeiten, dass Böden auch in 100 Jahren noch fruchtbar sind. Wir müssen unsere Heimat erhalten. Die Landwirtschaft muss sich mehr öffnen und zeigen, was sie macht. Denn der Verbraucher ist kritischer geworden.

Wenn die Leute sehen, dass vieles mit der Landwirtschaft zusammenhängt, zum Beispiel viele Arbeitsplätze, verstehen sie ihre Heimat besser. Sie können sich besser mit ihr identifizieren.“

  • Morgen erzählt Renate Berger aus Bohmte, was sie über die Heimat denkt.Das Projekt Heimat.Los der OV und der Katholischen Akademie Stapelfeld wird von den Volksbanken, den HGVs Vechta/Damme und der Firma Cewe unterstützt.

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