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Hausstand entführt zur Reise in der "Zeitkapsel"

Im nächsten Teil der Serie "Hausgeschichten im Museumsdorf" geht es um das Kolonat Meyer aus Firrel. Die Anlage wurde 1903 gebaut und immer wieder von der Familie erweitert.

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Mehrere Gebäude: Das Kolonat Meyer wird auch die Zeitkapsel genannt. Foto: Hermes

Mehrere Gebäude: Das Kolonat Meyer wird auch die Zeitkapsel genannt. Foto: Hermes

Die Gardinen hängen noch vor den Fenstern, man könnte meinen, dass das Haupthaus vom Kolonat Meyer auch heute noch bewohnt ist. Viele Möbel und Dokumente sind original erhalten. "Es wird daher auch die Zeitkapsel genannt", erklärt Maren Böhm vom Museumsdorf. Den Weg ins Freilichtmuseum hat das Gebäude 2011 hinter sich gebracht.

Wübbe Meenke Meyer (1873 bis 1960) gründete 1903 die Hofstelle in der ostfriesischen Moorkolonie Firrel im Landkreis Leer. Das Moor war zu diesem Zeitpunkt schon kultiviert, dadurch gab es schon nutzbare, landwirtschaftliche Flächen. "Der Torfabstich war nur noch einen Nebensache", so Böhm. Die bewirtschaftete Fläche belief sich auf 11,5 Hektar. Auf dem Hof wurden Rinder gehalten, die Familie hatte  fünf bis acht Ochsen und Kühe, sie fungierten unter anderem als Zugtiere.

Ein Pferd wurde erst später gekauft

Erst 1944 wurde ein Pferd gekauft, um die Feldarbeit effizienter zu machen. Die Mechanisierung der Landwirtschaft spielte hier keine Rolle, die Familie setzte bis zum Ende auf Tiere. Der Hof wurde nie modernisiert, Grund dafür war fehlendes Geld. Ein Versuch, sich finanziell zu verbessern, war der Verkauf von Eiern. "Weil die Anzahl der Hühner zu gering war, reichte es aber nicht zu einem lukrativen Geschäft", erklärt Böhm.

Auch heute noch genutzt: Im Garten werden heimische Sorten angebaut. Foto: HermesAuch heute noch genutzt: Im Garten werden heimische Sorten angebaut. Foto: Hermes

Die Familie hatte acht Kinder, sieben Mädchen und einen Sohn, der den Hof ursprünglich erben sollte. Doch er wurde im zweiten Weltkrieg eingezogen und starb 1945 in russischer Gefangenschaft. Ab 1940 bewohnte die Tochter Mena mit ihrem Mann Diedrich Janssen die Küche, wo sie gemeinsam im Schrankbett schliefen. Der Vater, der mit Janssen den Hof bewirtschaftete, bewohnte die Stube.

Vorgarten diente zur Versorgung der Familie

Besonders auffällig bei dem Gulfhaus ist der Garten, der heute von Clemens Meyer und Mitgliedern des Caritasvereins-Altenoythe gepflegt wird. Hier werden regionale Gemüse- und Obstsorten angebaut, um diese zu erhalten. 

Angelegt wurde der Vorgarten in den 50er-Jahren, in dem unter anderem auch Rosen, Georginen, Veilchen und Vergißmeinnicht standen. Hauptnutzen war jedoch die Versorgung der Familie. Neben Obstbäumen gehörten Kartoffeln sowie vor allem Busch-und Stangenbohnen zu den Hauptgemüse-Sorten.

Die geernteten Bohnen wurden auf Fäden aufgezogen und im Haus getrocknet, auf diese Weise bevorratete man sich für die Winterzeit. Zur frostfreien Lagerung der Kartoffelernte gab es einen eigenen Keller im Gulfteil des Hauses. Zudem wurde im kleinen „Milchkeller" auch etwas „Eingemachtes" in Weckgläser portioniert und haltbar gemacht. 

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