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#HartesProblem

Kolumne: Irgendwas mit # - Erzeugt das Gehirn Bewusstsein? Vergeblich suchen Wissenschaftler nach einer Erklärung dieser Frage - vielleicht wegen einer falschen Grundannahme.

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Sie ist in der Neurowissenschaft eine der allesentscheidenden Fragen: Wieso ist sich ein materielles Gehirn der Welt bewusst? Eine harte Nuss, die Wissenschaftler seit Jahrhunderten zu knacken versuchen - bislang ohne Erfolg. Alle scheitern an einer Sache: Dem sogenannten harten Problem des Bewusstseins.

Was das ist? Von vorn. Gehen wir in der Geschichte etwas zurück, hat diese Frage viel Ähnlichkeit mit einem Problem, das sich die Naturphilosophen Gottfried Leibniz und Immanuel Kant bereits vorgeknüpft haben: Was ist physikalische Materie, also die Welt / das Universum in und aus sich selbst, hinter der mathematischen Struktur, wie sie die Physik beschreibt? Bislang gibt es darauf keine klare Antwort. Die physikalische Erkenntnis, dass sich Materie unter genauerer Betrachtung als leerer Raum (99,9… Prozent) erweist, sorgt für zusätzliche Verwirrung. Umso fragwürdiger ist da doch die These, dass Materie in Form des Organs Gehirn Bewusstsein erzeugt. Unbewusste Zellen werden angeblich zufällig bewusst.

Mit Sicherheit kann die Wissenschaft bis dato nur beobachten, dass eine Beziehung zwischen Gehirn und Bewusstsein besteht - Korrelation genannt. Ein Prinzip der Wissenschaft besagt, dass Korrelation nicht gleichbedeutend mit Kausalität ist. Will heißen: Zwei Phänomene, in diesem Fall Gehirn und Bewusstsein, beeinflussen offensichtlich einander. Dies bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass eines davon die Ursache des anderen ist. Der Zustand eines Radios beeinflusst die Qualität der Stimme des Radiosprechers und der Musik, dennoch produziert das Radio nicht die Klänge, es überträgt sie nur.

"Ich betrachte Bewusstsein als fundamental. Ich betrachte Materie als abgeleitet vom Bewusstsein. Wir können nicht über das Bewusstsein hinausgelangen. Alles, worüber wir sprechen, alles, was wir als existent betrachten, postuliert Bewusstsein."Max Planck, Begründer der Quantenphysik

Die Gehirnprozesse stehen im Zusammenhang mit subjektiven lebendigen Gefühlen und Erfahrungen wie farblichen Eindrücken visueller Natur, Wut, Hunger oder Liebe, die sich mit reinem Materialismus nicht befriedigend erklären lassen. Die hartgesottenen Materialisten sind sich sicher, dass dieses Problem mit mehr Forschung und Empirie zu lösen ist. Was aber, wenn in der Grundannahme ein Denkfehler liegt? Die Alternative: Materie erscheint im Bewusstsein, welches tatsächlich unabhängig vom Körper und Gehirn und das Substrat aller Dinge ist. Und nicht umgekehrt. Max Planck, Nobelpreisträger und Vater der Quantenphysik, deutete bereits darauf hin: "Ich betrachte Bewusstsein als fundamental. Ich betrachte Materie als abgeleitet vom Bewusstsein. Wir können nicht über das Bewusstsein hinausgelangen. Alles, worüber wir sprechen, alles, was wir als existent betrachten, postuliert Bewusstsein." Die Schlussfolgerung ziehen beispielsweise auch der Informatiker und Philosoph Bernardo Kastrup ("Why materialism is baloney"), der Kardiologe Pim van Lommel ("Endloses Bewusstsein") sowie der Biologe Rupert Sheldrake ("Der Wissenschaftswahn").

Ganz klar: Das Fazit, dass Bewusstsein der wirklich konkrete „Stoff“ der Realität ist, ist und bleibt radikal - und birgt Potenzial. Es stellt das gewohnte Bild der Wissenschaft auf den Kopf. Doch es mag sein, dass so die härtesten Probleme der Naturwissenschaft und der Philosophie auf einen Schlag gelöst wären. Durch einen Paradigmenwechsel, der hinsichtlich seines Folgenreichtums jenem entspräche, der die Wissenschaft auch vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild führte.

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