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Handlung entwickelte sich Seite für Seite

Die gebürtige Löningerin Simone Holthaus hat ein Jugendbuch geschrieben. Mit der Psyche junger Menschen kennt sie sich aus. Die Corona-Krise belaste diese jetzt besonders, sagt sie.

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Erstling in den Händen: Simone Holthaus hat einen Jugendroman geschrieben. Foto: Holthaus

Erstling in den Händen: Simone Holthaus hat einen Jugendroman geschrieben. Foto: Holthaus

Ihr Buch heißt „Lost Place - Jellas Geheimnis.“ Das klingt recht düster. Worum geht es denn?
Die Geschichte handelt von einem 16-jährigen Mädchen, das in der Nähe eines ehemaligen Bundeswehrstandorts aufwächst und dort ein familiäres Geheimnis aufdeckt. Es ist eine Mischung aus Thriller und Entwicklungsroman. Und ja, das Buch ist schon eher düster, denn es will auch zeigen, dass das Erwachsenwerden nicht immer leicht ist. Die, die es bisher gelesen haben, fanden die Handlung aber sehr spannend, auch weil die Perspektiven und Zeitebenen immer wieder wechseln.

Fiel Ihnen das Schreiben denn schwer?
Eigentlich nicht. Ich habe schon früher ganz gern geschrieben. 2018 konnte ich mit einer Kurzgeschichte sogar einen Wettbewerb gewinnen. Für größere Texte fehlten mir aber die Zeit und auch die Inspiration. Die kam, als ich einmal in Wentorf, wo ich lebe, unterwegs war. Die Umgebung dort ähnelt sehr stark derjenigen im Roman. Einen richtigen Plan hatte ich aber nicht. Die Handlung entwickelte sich Seite für Seite. Ich schrieb das Buch zunächst nur für mich selbst. Nicht einmal mein Mann wusste davon. Als ich es ihm dann zum Lesen gab, hat er mich überredet, es an einen Verlag zu schicken. Dass es dort dann sogar angenommen und schließlich gedruckt wurde, hat mich natürlich total gefreut.

Sie arbeiten hauptberuflich als Kinder- und Jugendpsychologin. Wie viel von Ihrer täglichen Arbeit ist in den Roman eingeflossen?
Ganz klar: In ein Buch fließen immer persönliche Erfahrungen und Erlebnisse ein. Das geschieht aber eher unbewusst, glaub ich. Mit den Fällen, mit denen ich während meiner Arbeit zu tun habe, hat Jellas Geheimnis deshalb auch nicht direkt etwas zu tun. Aber auch sie muss schwierige Dinge verarbeiten, etwa das Schicksal ihrer Mutter. Letztlich geht es für sie darum, eine Krise zu überwinden.

Stichwort Krise:  Die Menschheit ist schon fast ein Jahr im Krisenmodus. Bemerken Sie in Ihrer täglichen Arbeit, wie die Corona-Pandemie sich auf die Psyche junger Leute auswirkt?
Wirklich wissen werden wir es, wenn die Langzeitstudien nach Corona irgendwann ausgewertet sind. In der Klinik, in der ich arbeite, haben wir es vor allem mit schweren psychischen Krankheitsfällen zu tun. Anfangs hatte ich den Eindruck, dass Corona die Kinder und Jugendlichen durchaus entlastete, weil der Schuldruck wegfiel. Inzwischen hat sich das komplett gedreht. Der Wegfall vieler Alltagsstrukturen hat den Stress deutlich erhöht. Alles, was Spaß macht und damit entlasten würde, ist ja verboten. Für psychisch Kranke ist das eine echte Katas­trophe. Vor allem diejenigen, die vorbelastet sind, etwa unter einer Depression leiden, haben es sehr schwer. Für mich ist die Arbeit natürlich auch nicht leichter geworden. Teilweise konnte ich mich mit ihnen nur telefonisch austauschen.

Ihr Buch wirkt vor diesem Hintergrund durchaus vorausschauend...
Tatsächlich habe ich es zwischen 2017 und 2018 geschrieben, also weit vor Corona. Wenn das Buch aber Jugendlichen in dieser schwierigen Zeit als Mutmacher dient, würde mich das freuen.


Zur Person:

  • Simone Holthaus (46) ist gebürtige Löningerin. Nach dem Abitur studierte sie Sozialpsychologie und Psychologie in Hannover und Bremen.
  • Der Roman „Lost Place - Jellas Geheimnis“ ist im Verlag Papierfresserchen erschienen, hat 140 Seiten und ist online und über den Buchhandel erhältlich.

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