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#GoingHome – Die Pandemie, die Natur und der Tod

Kolumne: Irgendwas mit # – Die Natur wartet seit Jahrhunderten auf uns. Es ist Zeit, wieder nach Hause zu gehen. Und aus dem Wunderwerk des ewigen Kreis zu lernen.

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Das Gefühl von Enge wächst, die eigenen vier Wände wirken wie eine Zelle – Ausgangszeit begrenzt. Ja, Corona fesselt uns. Noch immer. Das Virus schafft Leid, allgegenwärtig. Wir leben damit, müssen damit leben. Auskommen. Aushalten. Ausharren. Allein-Sein. Mit uns. Der Welt. Unseren Gedanken. Die inneren Monologe werden mehr. Intensiver als sonst. Das ständige Geschwätz des Verstandes war immer schon eine Reifeprüfung des Menschen. In Zeiten der Pandemie ist seine Wirkkraft um ein Vielfaches stärker. Beinahe omnipräsent. Und kaum wegzudenken.

Es liegt nach wie vor an uns, was wir aus der Situation machen. Vor uns flüchten oder uns selbst ansehen. Kontemplieren. In uns gehen. Aber wer will das schon? "Es gibt keinen Weg zum Bewusstsein zu gelangen ohne Schmerz. Doch die Menschen werden alles Erdenkliche tun, so absurd es auch sein mag, um sich selbst nicht ansehen zu müssen." Die wenigsten, wenn es nach dem Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung geht. Ist schließlich anstrengend.

Ja, es fällt uns schwer, still und allein in einem Raum zu sitzen. Seien wir ehrlich: Lieber flüchten wir. Lenken uns ab. Aber: Das muss nicht immer schlecht sein. Beispielsweise wenn wir in die Natur gehen, ins Grün. Eine Gelegenheit, um zu sich selbst zu finden. Achtsam zu sein. Dem Sosein des Moments zu lauschen. Ihn anzunehmen.

"Befreit sein vom Menschsein, in Gedanken verloren sein. Stattdessen herrscht Aufmerksamkeit. Für alles um und in uns."Max Meyer, Volontär

Vogelgezwitscher, rauschende Bäche, der Wind, der das Gras streichelt. Das kann unseren Verstand zum Schweigen bringen. Und gleichzeitig eine tiefe Dimension in uns eröffnen. Denn wenn wir durch Wälder gehen, die unberührt von Menschenhand sind, nehmen wir die Fülle des Lebens wahr. Beinahe transzendental.

Leben und Tod, wo man nur hinschaut. Umgestürzte Bäume, welkes Laub, Verrottung. Doch bei näherer Betrachtung wird klar: Der morsche Baumstamm und die modernden Blätter bringen nicht nur neues Leben hervor – sie sind voller Leben. Mikroorganismen sind am Werk. Moleküle ordnen sich neu. Nirgendwo Tod, sondern nur die Metamorphose von Lebensformen. Es scheint so, als sei der Tod nicht das Gegenteil vom Leben, sondern die Geburt. Leben ist nur stetiger Wandel. Konstante Veränderung.

Das war harte Kost. Schwer verdaulich. Und vielleicht auch nur das Äußerste, das uns ein Gang ins Grün bescheren kann. Das Gute: Der Weg in die Natur muss nicht gleich zur tiefsten Erkenntnis führen. Aber: Er kann uns aus dem Gefängnis der Gedanken befreien.

Es muss ja nicht gleich ein Trimm-Dich-Pfad-Sein

Zumindest für einen Moment, der sich ausdehnen lässt. Befreit sein vom Menschsein, in Gedanken verloren sein. Stattdessen herrscht Aufmerksamkeit. Für alles um und in uns. Wir müssen nur die Chance wahrnehmen. Die Natur wartet schon seit Jahrhunderten auf uns. Ihre Tore sind stets geöffnet. Wir müssen nur durch die Pforte gehen. Raus aus unserem Gedankengefängnis.

Probieren Sie es mal. Es muss ja nicht gleich der Trimm Dich Pfad sein. Oder eine durchgeplante Wanderung. Vielleicht haben Sie ja einen Garten. Dann folgen Sie am besten den Worten Tagores: "Narren hasten, Kluge warten, Weise gehen in den Garten." Und vertrauen Sie van Gogh: "Wenn man die Natur wahrhaft liebt, so findet man es überall schön."


Zur Person:

  • Max Meyer ist Volontär der OV.
  • Den Autor erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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