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#Glück

Kolumne: Irgendwas mit # - Kann man Glück etwa kaufen? Manche Produkte versprechen das, aber unser Volontär Philipp Ebert hat da so seine Zweifel.

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Gute Nachrichten: Glück können Sie jetzt kaufen! Wie, Sie glauben mir nicht? Dann bitte ich Sie, einkaufen zu gehen: Beim Getränkehandel, im Supermarkt, vielleicht gar im Weinhandel sollten Sie fündig werden: Dort verspricht ein Etikett: "Literweise Glück". Es gibt ihn als trockenen Grauburgunder und als Silvaner, als halbtrockenen Müller-Thurgau und als lieblichen Kerner. Und das sind nur die Weißen, das Segment Rot und Rosé gibt es auch noch.

Ich gebe zu, ich verstehe nichts von Wein; deshalb habe ich mich für Sie, werte Leser, in Unkosten und physische Gefahr gebracht und habe eine Flasche Silvaner erstanden. Früher schmeckte mir die Traube (wenn auch aus anderem Hause) gut, aber ob das an der Güte des Gesöffs lag oder nur an unserem damals wenig ausgebildeten Geschmack - wer weiß...

Jedenfalls schätze ich ostdeutsche Weine, etwa aus der Saale-Unstrut-Region oder Sekt aus Sachsen. Aber ich schweife ab, mache überdies Werbung für ein Getränk, was zwar gesellschaftlich und kultisch höchste Weihen genießt, zugleich aber in hohen Mengen genommen der Volksgesundheit überaus abträglich sein kann. Also, zurück zum Thema: Der Wein, ob er nun gut ist oder nicht, verspricht: Glück. Und zwar dadurch, dass Sie ihn kaufen und dann trinken.

Auch wenn Sie - bildlich gesprochen - lieber trocken bleiben, kann Ihnen geholfen werden: In einem Supermarkt mit einem gut sortierten Bio-Regal können Sie eine Milch kaufen, die sich mit dem Namen "Heimatglück" schmückt. Nun mag der auf seiner Scholle verwurzelte Südoldenburger nicht ohne Recht fragen, ob er Milch von einer im Hinterbremischen gelegenen Molkerei noch als heimatlich bezeichnen muss, aber das lassen wir an dieser Stelle. Fakt ist jedenfalls, dass auch dieses Produkt Ihnen verspricht, dass Glück käuflich ist. Und zwar zufällig in Form ebenjenes Tetrapaks.

Regelmäßig greife ich zu dieser Milch (aber aus anderen Gründen) und jedes Mal ärgere ich mich, dass sich die zuständige Werbeagentur vermutlich ins Fäustchen lacht, weil der Werbespruch (scheinbar!) verfängt.

"Grundsätzlich liegt mir ja die Annahme näher, dass man durch Glauben Glück finden kann – aber strahlende Atomchristen sind mir dann auch wieder fremd."Philipp Ebert, Volontär

Klar, Werbung will verkaufen. Aber mir scheint auch, es ist ein Signum unserer ultra-konsumistischen Zeit, dass durch den Verbrauch von Alltagsgütern das Erleben von Glück versprochen wird. Anderseits ist es vielleicht auch nicht so weit entfernt von dem Verhalten jener Menschen, die meinen durch drogeninduzierten Rausch das Glück zu finden - dabei scheinen sie doch nur die kurzfristige Ekstase mit dem wahren Glück zu verwechseln!

Grundsätzlich liegt mir ja die Annahme näher, dass man durch Glauben Glück finden kann – aber strahlende Atomchristen sind mir dann auch wieder fremd. Dafür bin ich zu bodenständig und zu skeptisch.

Nun könnten wir anfangen, die antike und neuzeitliche Philosophie zum Thema Glück auszurollen oder auf die sprachlichen Unterschiede hinzuweisen, die es im Englischen gibt zwischen "happy", also glückselig, und "lucky", also "Glück gehabt".

Für mich genügt es heute aber, festzustellen: Ich glaube nicht, dass man Glück kaufen kann. Wenn Sie von mir noch weitergehende Überlegungen erwartet haben, muss ich leider sagen: Pech gehabt.

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