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Gewitterwolken über dem Moor

Der aus Vechta stammende Künstler August Kathe ist in der Galerie Luzie Uptmoor erstmals zu entdecken. "Ich muss raus und malen" lautet der Titel der Ausstellung.

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Baum und Künstler in weiter Einsamkeit: Sommerliche Moorempfindungen von August Kathe – wohl einfangen im Umfeld von Vechta. Foto: Ausstellung Galerie Luzie Uptmoor

Baum und Künstler in weiter Einsamkeit: Sommerliche Moorempfindungen von August Kathe – wohl einfangen im Umfeld von Vechta. Foto: Ausstellung Galerie Luzie Uptmoor

„Sommer im Moor“, so nannte August Kathe sein Gemälde, das möglicherweise im Umfeld von Vechta entstand. Eine einsame Birke gibt der kargen Landschaft mit den aufgeworfenen Torfhaufen etwas Struktur, Gewitterwolken scheinen den hellen Himmel langsam zu verdunkeln. Mit Öl auf Holz schuf der Maler gekonnt eine Stimmung, wie wir sie auch heute noch bei einem Spaziergang durch unwirtliche und dennoch faszinierende Moorwelten aufnehmen können.

„Ich muss raus und malen“, so hat die Galerie Luzie Uptmoor in Lohne ihre aktuelle Ausstellung betitelt, die das bislang eher weniger bekannte Schaffen des aus Vechta stammenden Lehrers und Künstlers Kathe beleuchtet. Und in der Tat: August Kathe hat draußen gearbeitet, nicht in einem Atelier. Sein Metier waren die weiten Landschaften des Oldenburger Münsterlandes. Daneben Szenen aus den kleinen Dörfern und Städten und Arbeiten, die auf Reisen entstanden. Und einige Porträts – zum Beispiel von Personen aus der Familie – und vereinzelte Stilleben.

Gemalt hat er wohl immer und überall

Familie, da sind wir bei Handwerkern und ursprünglich wohl eher kargen Verhältnissen in der Amtsstadt Vechta. Vater Bernard war Schuster und Küster von St. Georg, Großvater Johann Friedrich hatte sogar noch den altertümlich wirkenden Beruf des Haarflechters ausgeübt. Doch August Kathe, am 27. März 1900 als viertes von neun Kindern des Ehepaars Bernard Kathe und Bernardina Menke geboren, nutzte nach seiner Volksschulzeit die Chance, von 1914 bis 1920 das Vechtaer Lehrerseminar zu besuchen. Schon dort, so schreibt Ludger Kathe in einem Lebenslauf seines Vaters, entdeckte er die Leidenschaft für das Zeichnen und Malen.

Seine erste Stelle als Junglehrer trat er in Lohne an. Und hier lernte August Kathe die Putzmacherin Elisabeth Meyer (geboren 1896) kennen, die an der Peterstraße ein eigenes Geschäft führte. Sie heirateten 1923; acht Kinder stammen aus dieser Ehe. Wie damals üblich, wurde auch August Kathe als Lehrer mehrfach an andere Schulen versetzt. So kam er nach Rüschendorf, Thüle und – nach dem Zweiten Weltkrieg – nach Oythe.

Lebensgrundlage für den Lehrerhaushalt: Obst- und Gemüsegarten in Thüle mit den Kindern Elisabeth und Guido.
Ausstellung Galerie Luzie Uptmoor
Schmunzelt er? Der knorrige Baum auf dieser Federzeichnung scheint uns recht lebendig.
Ausstellung Galerie Luzie Uptmoor
Porträt August Kathe – gemalt vom Lohner Künstler Joseph Andreas Pausewang
Ausstellung Galerie Luzie Uptmoor
Auf dem Weg über die Weide: Ochsengespann mit Treiber, 1948 von August Kathe gemalt.
Ausstellung Galerie Luzie Uptmoor

„Ich muss raus“ – gemalt hat er wohl immer und überall. So entstand in Thüle ein interessantes Ölgemälde aus dem eigenen Obstgarten mit den Kindern Elisabeth und Guido. Sinnbild auch der Tatsache, dass damals die einfachen Volksschullehrer schlecht besoldet wurden. Ein eigener Garten und ein Zuverdienst – vielleicht auch über die Malerei – halfen dabei, die Familie zu ernähren.

Bekannt ist aus einer Thüler Zeit das Porträt des Friesoyther Originals und Stadtschreibers Theodor Wreesmann, den laut Ludger Kathe sein Vater nur mit der Begründung überreden konnte, das Bild sei für eine kirchliche Missionszeitung gedacht. Es erschien dann auch 1932 in einer Ausgabe der Zeitschrift „Stadt Gottes“.

Das „Ochsengespann“ trägt impressionistische Züge

In der Lohner Ausstellung zu sehen sind einige Federzeichnungen, die den genauen Blick – und auch die Fantasie – des Künstlers dokumentieren; der knorrige „Baum vor altem Gehöft“ scheint den Blick des Betrachters gelangweilt-amüsiert aufzunehmen. Hinzu kommen Aquarelle und vor allem Ölbilder. Künstlerisch inspiriert wurde er unter anderem durch eigene Reisen – 1924 zum Beispiel zur Wartburg nach Thüringen – oder seit den 30er Jahren auch durch den Oldenburger Landschaftsmaler Wilhelm Kempin, der einen ganz eigenen Malstil entwickelt hatte.

Das „Ochsengespann“ aus dem Jahr 1948, das Kathe wohl auch im Vechtaer Umfeld aufgriff, trägt so eindeutig impressionistische Züge. Mit locker leichtem Pinselstrich skizziert, bewegen sich die massiven Tiere mit ihrem Treiber über die grüne Weide auf den Betrachter zu. Man nimmt, kurz gesagt, August Kathe, der 1962 starb, ab, dass er mit seiner Kunst, mit der heimischen Region, ihrer Landschaft und ihren Menschen durch und durch verwachsen war. Das, in seine Gemälde übersetzt, ist wirklich sehenswert.

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