Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Gerd Weißers "Lebensgefühle": Ein Album aus Leidenschaft – und alle sollen es hören

Der Vechtaer schreibt seit fast 6 Jahrzehnten Songs. Jetzt hat er sein 2. Album aufgenommen, ein Ritt durch die Genres und Tonarten. Die Texte sind erstmals auf Deutsch. Er will verstanden werden.

Artikel teilen:
Foto: Chowanietz

Foto: Chowanietz

Immer wieder greift Gerd Weißer zu seiner Gitarre, wenn er von seiner Musik erzählt. Zum ersten Mal hat er Lieder mit deutschen Texten geschrieben. Das sei schwieriger als auf Englisch, sagt er. Die englische Sprache sei oft weicher, rhythmischer.

Vor allem die 1960er Jahre haben ihn musikalisch geprägt. Deutsche Musik, das war für seine Generation lange einfach Schlager. 14 Songs hat Gerd Weißer dennoch für sein Album "Lebensgefühle" geschrieben. Auf Deutsch. Jedes Stück hat der Vechtaer selbst eingespielt (Instrumente inklusive), aufgenommen und gemischt. "Ich fange an", heißt der erste Song. Schlager ist das nicht. Weißer spielt bei seinen Songs mit Stilrichtungen, sucht sich für seine Themen das passende Genre. Pompöser Swing, rockigere Töne, Pop, Country.

Gerd Weißer, aufgewachsen als Sohn schlesischer Eltern im kleinen Deckau bei Drebber (Landkreis Diepholz), macht schon sein Leben lang Musik. Mit 9 Jahren bekam er den ersten Geigenunterricht von seinem Großvater. In der Schulzeit in den 1960er schrieb er seinen ersten Song, natürlich beeinflusst von den Beatles. Später als Funker beim Bundesgrenzschutz – als Ersatz für den Dienst bei der Bundeswehr – vertrieb er sich in langen Nächten in der Wache die Zeit an der Gitarre, notierte Textzeilen, Akkorde und Noten, um ja nicht einzuschlafen. Er studierte Deutsch, Sport und natürlich Musik, wurde Lehrer. Bis zu seiner Pensionierung unterrichtete er an der Vechtaer Ludgerus-Schule.

Musik, immer, rigoros

Jetzt ist Weißer 71. "Lebensgefühle" ist sein 2. Album. Sein Erstlingswerk heißt "Music is Passion" (etwa: "Musik ist Leidenschaft"), erschienen 2017: Es ist eine Auswahl von Songs, die er seit 1965 geschrieben hat. Hunderte Blätter mit Noten und Texten waren es in all den Jahren geworden.

Die Stücke aufzunehmen, dazu war es zunächst nicht gekommen. Weißer hat 4 inzwischen erwachsene Kinder, ist verheiratet. Er spielt heute noch in 2 Bands, seiner "Tanzband" und der Dinklager Karnevalsband "Kölsch und Klüngel". Weißer stand jahrelang an fast jedem Wochenende am Keyboard auf der Bühne. "Wenn ich loslege, dann richtig", sagt er. Nicht umsonst singt er in seinem Song "Ich fange an" ausdrücklich „rigoros“.

Immer wieder die Frage: Warum Englisch?

Bei seiner ganz eigenen Musik macht er keine Kompromisse. "Melodisch, rhythmisch, harmonisch – und mit Aussage", so sollen seine Songs sein. Das ist Weißers Anspruch. Jede Note setzt er bewusst. Seine Kompositionen sind ein Ritt durch die Tonarten. Bei seinem Lied "Im Monat Mai" setzt er die Akkorde mit voller Absicht "absolut verschwenderisch". Schließlich explodiere auch in der realen Welt die Natur in diesem Monat förmlich. Dafür gibt es den passenden musikalischen Ausdruck.

Allerdings steht der Monat Mai im Song für seine Jugendzeit. Das Lied sei eine "Reminiszenz an die 1960er"-Jahre, in denen er zum ersten Mal verliebt war. Weißer spielt auf der Gitarre. Die Finger greifen gefühlt bei jeder Silbe einen anderen Akkord.

Gerd Weißer wäre gerne selbst auf die Idee gekommen, auch mal deutsche Texte zu schreiben. Aber nach der Veröffentlichung seines ersten Albums habe er sich vor allem bei kleinen Wohnzimmerkonzerten immer wieder fragen lassen müssen, warum er englische Texte schreibe. Die verstehe man doch nur so ungefähr. Umgekehrt gebe es immer mehr Sängerinnen und Sänger, die auf deutsche Texte setzen. Ohne Schlager zu produzieren.

Weißer dachte nach. Er probierte es mit Zeilen auf Deutsch. Er merkte: Seine Muttersprache ist zwar sperriger, aber so ist auch der passendere Ausdruck für tiefe Gefühle leichter zu finden.

Tausende Stunden: Gerd Weißer hat seine Songs selbst komponiert, eingespielt und gemischt. Ich lerne immer dazu, sagt er. Foto: Chowanietz"Tausende Stunden": Gerd Weißer hat seine Songs selbst komponiert, eingespielt und gemischt. "Ich lerne immer dazu", sagt er. Foto: Chowanietz

Die Texte sind wie auch beim ersten Album meist biografisch. Die ersten Zeilen von "Glücksgefühle" etwa kamen dem 71-Jährigen in den Kopf, als er mit seinen Enkeln zum Spielplatz ging. Ohnehin entstehen Text und Musik zumeist gleichzeitig. Eine Botschaft einfach in eine fertige Melodie zu pressen, das wäre nicht sein Stil, sagt Weißer.

Ganz kompromisslos Musik machen will er aber doch nicht. Natürlich hat er seinen Bandkollegen von "Kölsch und Klüngel" ein paar Songs vorab geschickt und sich ihre Meinung eingeholt. Seine Frau Bernadette habe mit ihm leidenschaftlich über die Texte diskutiert. Eine große Frage: "Kann zu viel Glück schmerzlich sein?" Gerd Weißer ist überzeugt: "Ja." Seine Frau sah das anders.

Die Sache mit dem "ß"

Bis schließlich alle Aufnahmen saßen, hat Weißer alle Stücke hunderte Mal gespielt. Er hat etliche Stunden in das Mischen investiert – und viel dabei gelernt. Deshalb habe er gleich auch die Songs von "Music is Passion" noch einmal neu arrangiert und komplett neu aufgenommen. Das Gesamtpaket hat Weißer inzwischen bei gleich mehreren Online-Streaming-Diensten hochgeladen: Spotify, Youtube oder auch bei Apple Music – immer unter dem Namen "Gerhard M Weisser". Technisch funktionierte die Veröffentlichung mit dem "ß" im Namen einfach nicht. Auch eine CD gibt es.

Natürlich freut sich der Musiker, wenn viele Menschen seine Lieder zu Hause hören, bestenfalls zu ihr tanzen. Viel lieber würde er ihnen die Songs selber vorspielen, irgendwann bestimmt mit seiner Band – wenn das denn wieder möglich ist. Mit seinem ersten Album hatte er schließlich auch auf der Bühne des Vechtaer Gulfhaus’ Premiere gefeiert: das war im November 2017.

Bis dahin bietet Weißer weiter Wohnzimmerkonzerte an. Im kleinen Kreis. Im Zweifel nur er mit den Gastgebern. Gratis. Er wolle daran nichts verdienen, sagt er. Ihm gehe es um den Spaß, um eine gute Zeit für sich und andere. "Wenn dann einer mal eine CD kauft, habe ich dann vielleicht auch das Sprit-Geld raus." Aber das sei nicht das Ziel. Auch nicht berühmt zu werden. "Um Himmels Willen." Das sei eine "Horrorvorstellung", sagt er. "Ich will einfach nur Musik machen."

Der OM online Podcast. Thema  der neuen Ausgabe sind Kunstrasenplätze im Oldenburger Münsterland. Welche Halme sind die besten, wie steht es um Ökologie und Nachhaltigkeit? Und was haben geschredderte Olivenkerne mit dem Thema zu tun?  Jetzt reinhören! 

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Gerd Weißers "Lebensgefühle": Ein Album aus Leidenschaft – und alle sollen es hören - OM online