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Gegen "Raubzüge der Städter und berufsmäßigen Altertumshändler"

Die "Heimatblätter" gibt es seit 100 Jahren. Sie waren von Beginn an ein natürlicher Verbündeter für die Museen der Region.

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<strong>Ein hoher Gast im Museumsdorf:</strong> Bundespräsident Lübke hält hier am 15. Mai 1962 eine Rede. Das Zurborg-Foto erschien als Titelbild 3./4. Nummer der Heimatblätter des Jahres 1962.

Ein hoher Gast im Museumsdorf: Bundespräsident Lübke hält hier am 15. Mai 1962 eine Rede. Das Zurborg-Foto erschien als Titelbild 3./4. Nummer der Heimatblätter des Jahres 1962.

Wer mit Bedacht die gebundene Sammlung der Heimatblätter durchschaut, wird eine Vielzahl von Artikeln mit exzellenten Abbildungen zur Museumsszene der Region finden können. Das ist auch weiter nicht verwunderlich. Heimatblätter, Heimatbund, Heimatvereine und die aus ihren Initiativen hervorgegangenen Museen sind natürliche Verbündete. Wer in die Register der Heimatblätter schaut, wird beim Autorenverzeichnis nicht erstaunt sein, dass die Großzahl der Artikel von Personen stammt, die auch in die Arbeit von Heimat- und Bürgervereinen eingebunden sowie in den Leitungen der Museen vor Ort tätig waren und sind.

In der ersten Nummer der Heimatblätter vom 29. Juli 1920 wird schon auf der Titelseite der Bezug zur Museumslandschaft in den Blickpunkt des Lesers gerückt. In einem Geleitwort führt unter dem Kürzel A. H. August Hackmann aus, dass viele kunstvolle Gegenstände im Münsterland zu Spottpreisen verkauft und gegen "billige Schablonenware" ausgetauscht würden. Deshalb solle der Heimatbund, der 1919 gegründet worden war, die Hausgeräte und Kunstgegenstände "in einem Museum sachgemäß ordnen, um es vor Verschwendung und vor dem Untergang zu retten."

Wenn "Raubzüge der Städter ..." dringend eine Museumsgründung erfordern

In der Dezemberausgabe der Heimatblätter desselben Jahres verweist der Autor F. Nemeding unter der Überschrift "Heimatmuseum“ auf die Gründungsversammlung des Heimatbundes in Vechta, wo die Frage nach der Errichtung eines Museums erwogen worden sei, da ein Großteil des historischen Sammelgutes in das Oldenburger Museum, heute Museum für Natur und Mensch, abgegeben worden sei.

Zielsetzung, so wird ausdrücklich betont, sei es, so lange es "schön und zweckmäßig" sei, die Kunst- und Gebrauchsgegenstände vor Ort zu erhalten. Was aber aus diesem Gebrauch ausscheide, sollte gesammelt und bewahrt werden, um es in einem Museum zu präsentieren. Von einer Museumsgründung seitens des Heimatbundes müsse aber "einstweilen aus finanziellen Gründen" abgesehen werden. Die Notwendigkeit sei aber aufgrund der "Raubzüge der Städter und berufsmäßigen Altertumshändler" dringend gegeben.

strongZur Ausstellungseröffnungstrong Zug um Zug“ im Industriemuseum Lohne erschien dieses Foto als Titelbild der Ausgabe im Oktober 2015. Foto: Stadtmedienarchiv LohneBernard WarnkingZur Ausstellungseröffnung „Zug um Zug“ im Industriemuseum Lohne erschien dieses Foto als Titelbild der Ausgabe im Oktober 2015. Foto: Stadtmedienarchiv Lohne/Bernard Warnking

Der 5. März 1922 wird dann als Gründungsdatum für das "Heimatmuseum für das Oldenburger Münsterland" angegeben und die Heimatblätter feiern in einer Sondernummer vom 5. März 1932 den zehnjährigen Gründungstag. Dort wird auch der Gründungsprozess des "Heimatmuseums" beschrieben.

1921 war in Cloppenburg ein Museumsverein gegründet worden. Um die Kräfte in der Museumsidee nicht zu zersplittern, kam es am 5. März 1922 in der Generalversammlung des Heimatbundes im Schwichteler Bahnhofsgebäude zu einer Vereinbarung bezüglich der Zusammenarbeit mit dem Museumsverein und zum Beschluss, in Cloppenburg das "Heimatmuseum für das Oldenburger Münsterland“ zu errichten und dazu eine rechtskräftige Stiftung zu gründen.

1937: Sprache des Nationalsozialismus spiegelt sich wider

In vielen Ausgaben der Heimatblätter wird, vor allen bei Jubiläumsdaten, auf die Entwicklung der Sammlung für das Museum in den Fluren des Cloppenburger Realgymnasiums hingewiesen. Die offizielle Eröffnung des Museums erfolgte am 29. Juni 1926. Viele Ausgaben der Heimatblätter schmücken Abbildungen von Ausstellungsstücken.

Gewürdigt wird auch die enorme Leistung von Dr. Heinrich Ottenjann als Museumsgründer, für seine Idee des Museumsdorfes wird geworben und das Wachsen des Dorfes nach dem ersten Spatenstich am 20. August 1934 im unwirtlichen Gelände mit anschaulichem Bildmaterial illustriert.

Prominente Besuche und Förderer des Museums in der Zeit des Nationalsozialismus werden in den Heimatblättern vorgestellt. So wird in der Ausgabe vom 25. März 1937 das Museumsdorf in der Sprache der Zeit als "der stärkste Künder der Lebenskraft, des Lebenswillens und der Kultur eines mit dem Boden verbundenen in ihm zutiefst verwurzelten Volkstums" bezeichnet.

Nennenswerte Höhepunkte in der Berichterstattung

Als Höhepunkte in der Berichterstattung zum Museumsdorf stechen ohne Zweifel der Besuch von Bundespräsident Heinrich Lübke am 15. Mai 1962 heraus sowie die Wiedererrichtung des durch Kriegseinwirkungen zerstörten Quatmannshofes. Regelmäßig wurden die Jahresberichte des Museumsdorfes in den Heimatblättern veröffentlicht mit neuen Rekorden in den Besucherzahlen sowie Notizen zu den Ausstellungen und den „Dorferweiterungen“.

Mit der Gründung des Industriemuseums in Lohne 1988, des Stadtmuseums Damme 1992 und des Museums im Zeughaus in Vechta 1997 richtet sich die Berichterstattung der Heimatblätter verstärkt auf diese Einrichtungen im Landkreis Vechta. Bau- und Umbauphasen, Einweihungen und vor allem die Berichte über die Ausstellungsschwerpunkte sowie die Sonderausstellungen füllen anschaulich viele Seiten der Heimatblätter.

Vorurteil: Südoldenburg - die kulturelle Wüste

Somit sind die Heimatblätter für die Museen ein wichtiger Werbebote. Sie richten sich mit der Leserschaft der Beilage zur Oldenburgischen Volkszeitung an ein Publikum, das in der Regel für einen Museumsbesuch anzusprechen ist. Außerdem sind die Berichterstattungen eine wichtige Dokumentation für die Nachwelt.

Es gab Zeiten, in denen Südoldenburg und somit auch der Landkreis Vechta als kulturelle Wüste bezeichnet wurden. Man weiß mittlerweile, dass es einfacher ist, ein Atom zu spalten als ein Vorurteil. Schon dem vernichtenden Urteil von Johann Gottfried Hoche aus dem Jahr 1800 in "Reise durch Osnabrück und Niedermünster in das Saterland, Ostfriesland und Groningen" ist vehement widersprochen worden. Denn da hieß es: "Der ganze Strich des Landes von Quakenbrück aus über Vechta, Kloppenburg, Frisoyta […] gehört nicht nur zu den schlechtesten in Westphalen, sondern in ganz Deutschland. […] Die Schöpfung scheint hier noch unvollendet zu seyen."

Der Landkreis Vechta kann heute nicht nur mit Arbeitsplätzen und den guten Möglichkeiten des Erwerbs von Wohneigentum punkten, auch die Kinder- und Familienfreundlichkeit und das rege Vereinsleben gelten als große Vorteile, mit denen sich werben lässt. Und wer im Landkreis Vechta kulturelle Anregungen und Erlebnisse sucht, hat eine große Auswahl. Zu einer nicht unwesentlichen Bereicherung der Kulturlandschaft tragen die Sammlungen und Ausstellungen in der Region bei. Auf diese immer wieder aufmerksam zu machen, ist das große Verdienst der Heimatblätter.

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