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"Fury" ließ im "Charts" die Puppen tanzen

Genau 30 Jahre ist es her, dass "Fury in the Slaughterhouse" Harkebrügge in einen Ausnahmezustand versetzte. Das "Charts" war Kult und setzte gesellschaftspolitische Trends.

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Volle Hütte: Die jungen Gäste „pilgerten“ aus der gesamten Region ins „Charts“ nach Harkebrügge.   Fotos: Passmann/M. Behrendt

Volle Hütte: Die jungen Gäste „pilgerten“ aus der gesamten Region ins „Charts“ nach Harkebrügge.   Fotos: Passmann/M. Behrendt

Lang, lang ist es her. Genauer gesagt im März 1978. Da eröffnete der mittlerweile verstorbene Wolfgang Schönenberg die Diskothek "Charts" an der Dorfstraße in Harkebrügge. In den Jahren danach tanzten die Puppen bis tief in die Nacht.

Vor allem am Freitagabend und samstags ging die Post ab. Wer richtig Party machen wollte, kam von weit her. Das Charts in Harkebrügge war in aller Munde. Die Kundschaft kam aus dem gesamten Weser-Ems-Gebiet, praktisch von der Nordsee bis Osnabrück. Fast 20 Jahre gab es im Herzen des Dorfes Livemusik und Pop vom Teller.

Wolfgang Schönenberg  vor seinem Charts: Der inzwischen verstorbene Disco-Betreiber setzte Trends.   Wolfgang Schönenberg vor seinem "Charts": Der inzwischen verstorbene Disco-Betreiber setzte Trends.   

Einer, der damals im Charts die Platten auflegte, war DJ Uwe Müller. "Die Disco war dem Zeitgeist ziemlich nahe. Sie gehörte zu den Läden, wo progressive Musik gespielt wurde." Und diese kam nicht nur vom Plattenteller, sondern auch von zahlreichen Musikern und Bands, die dort aufgetreten sind, weiß Uwe Müller noch genau.

"In Harkebrügge ging die Post ab und wir waren alle aus dem Häuschen."Heinz Frerichs aus Harkebrügge

Eine davon war die bekannte deutsche Rockband "Fury in the Slaughterhouse". Diese Auftritt ist nun genau 30 Jahre her. Besser gesagt am Samstag, 18. August 1990. Die Band aus Hannover brach damals mit ihren aktuellen Dauerbrennern "Time to wonder" und "Won‘t forget these days" alle Dämme. An diesem Wochenende, an dem auch die Band "Extrabreit" spielte, zog es rund 2000   Musikfreunde aus dem gesamten norddeutschen Raum nach Harkebrügge. Beim Konzert von "Fury" waren es allein 1200 Besucher.

Vorsorglich hatte damals Schönenberg ein Zelt angemietet. Es waren überwiegend junge Besucher, die nach Harkebrügge zum Charts stürmten. Aber auch andere Bands wie "City", "Jan Akkermann" oder "John Kirkbride" traten dort auf. Oder "Phillip Boa and the Voodooclub" (1991), "Madonna HipHop Massaker" (1996) und Heinz Rudolf Kunze (1982).

Das "Charts" war aber nicht nur die Summe aus guter Musik und netten Leuten. Es verkörperte auch eine Haltung. Die Disco übernahm gesellschaftspolitische Verantwortung. So hatte dort auch Schauspieler Ottlieb Fischer seinen Auftritt. An den Auftritt von "Fury in the Slaughterhouse" kann sich Heinz Frerichs aus Harkebrügge noch gut erinnern. "Die Gruppe brachte eine ganz andere Musikrichtung auf den Markt. Es war nicht das tägliche Einerlei, was man aus dem Radio hörte. In Harkebrügge ging die Post ab und wir waren alle aus dem Häuschen", sagt Frerichs. Man könne es auch als "Independent" bezeichnen.

An den Auftritt denkt ebenfalls Heinrich Block gern zurück. „Die Gruppe begeisterte damals das Publikum. Natürlich überwiegend junge Leute“, so Block. Er und auch Frerichs hätten noch gute Erinnerungen an die Gruppe "City" aus der damalige DDR. "Das Konzert musste um einen Tag verschoben werden, da es Grenzprobleme gab", so Frerichs. Auch der Transporter mit dem Equiment war nicht pünktlich in Harkebrügge. An "City" kann sich auch Christa Böker aus Harkebrügge erinnern. „Ich habe damals im Charts geputzt, um Taschengeld zu verdienen. So konnte ich miterleben, wie die Band auf der Bühne aufgebaut hat“, erzählt sie. Vier Jahre hat Andre Bl��mer aus Barßel im Charts gearbeitet. "Ich kann mich noch genau an die Band 'Fury in the Slaughterhouse' erinnern. Damals kannte die Band kaum jemand. Danach wurden die Musiker aber richtig berühmt", meint er.

Lockte 2000 Besucher ins Dorf: Die Band Extrabreit“ bei ihrem Auftritt in der Kult-Disco.   Lockte 2000 Besucher ins Dorf: Die Band „Extrabreit“ bei ihrem Auftritt in der Kult-Disco.   

Auch "Extrabreit" brachte die Menge zum Toben. „Nach dem Konzert hatten die Musiker gut einen im "Kahn", weiß Andrea Blömer noch.

1996 fand vorerst der letzte Abend im "Charts" statt. Nach einer Wiedereröffnung unter anderem Namen und einem anderen Pächter, wurde das "Charts" ab Juni 1997 wieder von Wolfgang Schönenberg und danach von einem anderen Betreiber geführt.

Bis letztendlich um das Jahr 1998 das Ende kam. Das Gebäude steht noch an der Dorfstraße. Eine Ruine. Für viele ist es schade, das Haus in so einem schlechten Zustand zu sehen. Irgendwie fühlen sich "Charts"-Stammgäste ja bis heute der Disco verbunden. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass in Sedelsberg in diesem Jahr eine "Remember Charts Harkebrügge"-Party gefeiert wurde, die sich viele nicht entgehen lassen wollten.


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