Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

„Für mich zählt nur die Menschlichkeit“

Heute: Faiza Kandil aus Quakenbrück. Südoldenburger und ihre Gedanken zu Kreuz und Christentum: Das ist der Stoff der Serie „Mut zum Kreuz“.

Artikel teilen:

Faiza Kandil, 46 Jahre alt, kam im Mai 1994 aus Ägypten nach Deutschland. Sie lebt in Quakenbrück. Durch eine zufällige Begegnung ergab sich ein enger Kontakt zu den Schwestern auf der Burg Dinklage. So spielt heute das Holzkreuz am Eingang zur Burgallee im Dinklager Burgwald eine große Rolle in ihrem Leben.

„Als ich noch in Ägypten lebte habe ich mich gewundert, dass Menschen an das Kreuz glauben. Es war für mich unverständlich. Mittlerweile habe ich ein ganz anderes Bild bekommen und fühle Respekt und Achtung vor diesem Zeichen.

Heute komme ich jeden Tag auf dem Weg zum Kloster und auf dem Rückweg nach Hause bei dem großen Holzkreuz an der Einfahrt zur Burgallee vorbei. Dann denke ich daran, dass man jeden Glauben achten muss und nicht nur der eigene Glaube in den Himmel führt. Im Kloster arbeite ich als Hauswirtschaftshelferin und helfe bei der Betreuung alter Schwestern.

Für mich zählt nur die Menschlichkeit, ganz unabhängig vom Glauben des anderen. Auch wir Moslems glauben an Jesus. Er ist für uns ein hoher Prophet.

Wir glauben, dass Maria ihn als Jungfrau geboren hat. Maria heißt bei uns Mariam. Es gibt im Koran eine lange Sure mit ihrem Namen; es ist die einzige Sure mit einem Frauennamen.

Für uns ist Jesus Gottes Wort. Er hat als Gottes Helfer Tote lebendig gemacht. Wir glauben, dass er nicht am Kreuz gestorben ist, sondern Gott ihn lebendig in den Himmel aufgenommen hat. Bei uns würde niemand Witze über Jesus und Maria machen, wir achten sie sehr. Es gibt für uns alle nur einen Gott. Bei uns heißt er Allah.

In Deutschland fühle ich mich sehr wohl, ich habe auch seit kurzem die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen. Deutschland gibt mir viel, vor allem Freiheit. Im Clemens-August-Werk gebe ich Arabisch-Kurse. Meine Kinder sind voll in die deutsche Gesellschaft integriert. Ich wurde immer geachtet, und ich achte die deutsche Kultur. Im Klostercafé, in dem ich arbeite, habe ich viele gute Begegnungen und Gespräche.

Viele, denen ich von meiner Arbeit erzähle, sind verwundert, dass ich als Muslimin in einem katholischen Kloster arbeite. Ich antworte dann, dass ich gerne da bin und viel Respekt und Vertrauen bei den Schwestern erfahre.

Ich setze mich gern ab und zu in die Scheunenkirche. Die Gebete der Schwestern bringen meine Seele in Ruhe. Das Kreuz am Beginn der Burgallee erinnert mich immer wieder daran, wie verbunden ich mich den Schwestern auf der Burg Dinklage fühle.“

Fakten

  • 14. September: Birte Tobias, JVA für Frauen, Vechta.
  • „Mut zum Kreuz!“ ist ein Projekt der Kardinal-von-Galen Stiftung Burg Dinklage, der OV und der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg.
  • Anlass für das Projekt sind der 70. Todestag des Seligen Clemens August Kardinal von Galen im März 2016 und die Rückschau auf den Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland vor 80 Jahren.
  • Der 1878 auf Burg Dinklage geborene Kardinal predigte gegen die Euthanasie-Morde der Nazis. Im Kreuzkampf protestierten 1936 Südoldenburger öffentlich und mit Erfolg gegen die von den Nazis angeordnete Entfernung der Kreuze aus katholischen Konfessionsschulen.
  • Am 18. September sind Interessierte ab 14 Uhr zur Ausstellungseröffnung auf Burg Dinklage eingeladen. Im November erscheint ein Buch.
  • „Mut zum Kreuz!“ wird unterstützt von der LzO und der CEWE-Gruppe in Oldenburg.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

„Für mich zählt nur die Menschlichkeit“ - OM online