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Frei von Hektik und unheimlich kontemplativ

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Fernsehtechnisch war Olympia wegen der Zeitverschiebung ja eher suboptimal. Es hat aber doch gereicht, um eine neue Lieblingssportart zu entdecken.

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Seit Sonntag sind sie also vorbei, die Olympischen Winterspiele in China. Für die arbeitende Bevölkerung ist so ein Austragungsort im fernen Osten ja eher suboptimal, kollidieren die Live-Übertragungen doch unauflösbar mit dem nächtlichen Schönheitsschlaf und der täglichen Arbeitszeit. Und es versteht sich natürlich von selbst, dass niemand im Büro nebenbei einen Livestream laufen lässt, um Abfahrern, Biathletinnen, Bobfahrern, Eisschnelläuferinnen, Kombinierern oder Skispringerinnen bei deren Arbeit zuzuschauen. Großes Indianer-Ehrenwort. (Der Frage, ob man überhaupt noch Indianer-Ehrenwort sagen darf oder wie das inzwischen korrekt heißt, wenden wir uns bei passender Gelegenheit zu.)

Wegen der Zeitverschiebung blieb dem Olympia- und Wintersport-Interessenten also nur das Wochenende, um sich einen Eindruck vom Stand und von der Vielfalt der inzwischen existierenden sportlichen Betätigung im Winter zu verschaffen. Und ich gestehe gerne, dass ich mir diese Gelegenheiten – wie auch manch abendliche Zusammenfassung – nicht habe entgehen lassen. Erstaunlicherweise habe ich dabei Sportarten entdeckt, bei denen ich ohne Probleme über Stunden hinweg hätte zuschauen können. Und das waren nicht etwa nur die Wintersport-Klassiker wie Biathlon, Skispringen und Bobfahren oder die Freestyler, die im Slopestyle über Rails und Kicker gerast und dabei mal eben einen Triple Cork 1620 hingelegt haben – was immer das auch heißen mag.

"Von der Idee, es selbst mal mit Curling zu versuchen, bin ich dann doch wieder abgerückt."Heiner Stix

Ganz oben in meinen Olympia-Entdeckungen rangiert – tataa – Curling. Das ist der Sport, bei dem Menschen plattgedrückte Kugeln (sogenannte Steine) mit Griff über eine 45,7 Meter lange und 5 Meter breite Eisbahn schubsen und dabei versuchen, so nah wie möglich ans Zentrum eines Kreises mit 3,66 Metern Durchmesser zu kommen. Gleichzeitig wollen sie die gegnerische Mannschaft genau daran hindern. Ist schon wegen der taktischen Besonderheiten spannender als es klingt, vor allem aber ist es frei von Hektik und unheimlich kontemplativ.

Zumindest beim Zuschauen. Von der Idee, es selbst mal mit Curling zu versuchen, bin ich nach einigen erläuternden Hinweisen der Kommentatoren dann doch wieder abgerückt. Zum Curling gehört es nämlich auch, mit besenähnlichen Geräten das Eis vor dem Stein wie wild zu schrubben, um dessen Geschwindigkeit zu kontrollieren. Bis zu 30 Kilo Druck muss man dabei ausüben, und das geht auf die Dauer unheimlich auf die Arme und die Schultern. Nix für mich.

Deshalb suche ich jetzt einen Spartensender im Fernsehen, der rund um die Uhr die nationalen Curling-Ligen aus aller Welt überträgt. Bis ich den gefunden habe, bleibe ich beim Snooker. Da geht es ähnlich spannend zu. Vor allem aber genauso kontemplativ.


Zur Person:

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