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"Feuer und Eis" spiegelt ihr Leben wider: Cloppenburgerin schreibt eigenes Buch

Anke Hinrichs aus Cloppenburg hat ihr erstes Buch herausgebracht: Es soll Nichtbehinderte eintauchen lassen in die Welt behinderter Menschen.

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Hat ihr erstes Buch geschrieben und herausgebracht: Anke Hinrichs möchte damit Nichtbehinderten die Möglichkeit geben, in die Welt der Behinderten einzutauchen. Foto: M. Kessens

Hat ihr erstes Buch geschrieben und herausgebracht: Anke Hinrichs möchte damit Nichtbehinderten die Möglichkeit geben, in die Welt der Behinderten einzutauchen. Foto: M. Kessens

Vor mir sitzt eine selbstbewusste strahlende Persönlichkeit, die gerade ein Buch „Feuer und Eis“ veröffentlicht hat. Ich bezeichne sie als Kämpferin und Stehaufmensch, doch dem widerspricht sie und bringt schon hin und wieder das Wort Resignation zur Sprache. Doch auch gleich danach kommen wieder Sätze wie „Ich mach mein eigenes Ding“.

Anke Hinrichs aus Cloppenburg, Jahrgang 1974, ist behindert. In einem Nebensatz im Buch erwähnt sie, „Wir haben bei der Geburt Pech gehabt.“ Selbstreflektierend ergänzt sie: „Wie komme ich dazu, mich über Vorurteile aufzuregen, die andere Menschen gegenüber uns haben, um selbst in die gleiche Falle zu tappen." Der Satz ist bei einer mehrtägigen Trekkingtour, die vom Schweizer Invalidenverband in Kooperation mit einer Strafanstalt organisiert wurde, gefallen. In diesem ungewöhnlichen Projekt haben Häftlinge ihre Schützlinge im Rollstuhl über Stock und Stein getragen und morgens und abends in den Hütten betreut.

Als verrückt erklärte die Umwelt Anke Hinrichs und viele fragten, wie sie mit Straffälligen (darunter Mörder) durch die Berge ziehen könne. Für die Buchautorin war es eine weitere interessante Lebenserfahrung. Und da sind wir mittendrin in ihrer Wohlfühloase, die Berge.

Behinderung wird mit den Jahren schlimmer

Ihre Behinderung nennt sich „Infantile Cerebralparese“ (ICB), die unter anderem mit Bewegungsstörungen einhergeht. Sie erlebt eine relativ unbeschwerte Kindheit und meisterte die Grundschule. Im Pubertätsalter wurde ihr die Behinderung immer bewusster. Trotz widriger Umstände (Ausgeschlossensein von der Klassengemeinschaft, Unsensibilität der Lehrerinnen und Lehrer) schafft sie ihr Abitur, studiert Diplompädagogik mit Abschluss und packt noch weitere Fortbildungen oben drauf: Sozialmanagement, Feldenkraistrainerin und nun Ausbildung zur Hundetrainerin.

„Auf Skiern habe ich mich immer am wohlsten und sichersten gefühlt“, sagt sie freudestrahlend. So war es eine Selbstverständlichkeit, dass sie sich im Deutschen Alpenverein engagiert. Sie nimmt an Bergtouren teil und leitete selbst Touren, und zwar nicht nur in den europäischen Alpen, sondern weltweit. In diesem Zusammenhang kommen Resignation und auch Wut bei ihr zum Vorschein. Der Alpenverein, in dem sie sich seit mehr als 20 Jahren engagiert, suchte eine ehrenamtliche Behindertenbeauftragte. Zwei Bewerbungen sind eingegangen, darunter eine Nichtbehinderte. „Raten Sie mal, wer die Stelle bekommen hat... Es hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen“, gibt sie zu und ergänzt „hier reden wieder Nichtbehinderte über Behinderte“.

Anke Hinrichs sieht sich als Vermittlerin zwischen Behinderten und Nichtbehinderten. Mit dem Buch möchte sie erreichen, dass Nichtbehinderte in die Welt der Behinderten eintauchen und sie verstehen. Aber sie versteht auch die Welt der Nichtbehinderten und ihre Unsicherheiten den Behinderten gegenüber. So fragte sie einmal ein „Fußgänger“, ob diese wohl mit Rollstuhlfahrenden gemeinsam Fußball gucken dürfen. „Es gibt viel zu tun“, resümiert Anke Hinrichs.

Buch stellt Kontraste im Leben der Autorin dar

Dieses Buch ist ein Beitrag zum entspannteren Umgang zwischen Nichtbehinderten und Behinderten. „Feuer und Eis“ stellt den Kontrast in Anke Hinrichs’ Leben da. Sie hat Schönes und Ermutigendes erlebt, aber auch Rückschläge hinnehmen müssen. Es ist ein positives, mutmachendes Buch. „Wenn man rumlamentiert, liest es keiner“, bemerkt die Autorin. Resigniert hat sie, was ihre berufliche Karriere angeht. Auf Bewerbungen, auch bei örtlichen Bildungseinrichtungen, wurde mit Ausflüchten reagiert, oder es wurde überhaupt nicht geantwortet. Das führte zur Resignation. „Mich hat alles weitergebracht, was ich mir selbst aufgebaut und erarbeitet habe“, verkündet sie stolz.

Eine wichtige Botschaft hat sie: „Man muss den Behinderten etwas zutrauen und ihnen nicht alles hinterhertragen. Ich wünsche mir mehr Subsidiarität.“ Das heißt, dass Menschen die notwendigen Hilfen erhalten, die ihren individuellen Bedürfnissen entsprechen.

Diese Erfahrung hat Anke Hinrichs selbst gemacht. Ihre Eltern, denen sie das Buch dankend gewidmet hat, haben sie immer wieder gefordert und gefördert. „Aus mir wäre etwas anderes geworden, wenn meine Eltern nicht so gehandelt hätten“, sagt die Cloppenburgerin. Nach 8 Jahren „Arbeit“ ist das Buch in einer Auflage von 300 Stück erschienen und kann beim Verlag am Turm (ISBN 978-3-945130-17-9) bestellt werden. Dass Anke Hinrichs das Miteinander ein großes Anliegen war und ist, beweist, dass das Buch in Eigenfinanzierung entstanden ist.

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