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Felix Leibrock schreibt Roman über plötzliche Erblindung

Vor 40 Jahren wäre er beinahe erblindet. Damals quälten ihn viele existenzielle Fragen. In seinem neuesten Roman gibt er Antworten und möchte Mut machen.

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Felix Leibrocks Buch hat auf Bredemeyers Hof Deutschland-Premiere. Foto: 

Felix Leibrocks Buch hat auf Bredemeyers Hof Deutschland-Premiere. Foto: 

Felix Leibrock ist Anfang 20, als er beinahe sein Sehvermögen verliert. Der Student ist auf eine Spenderhornhaut angewiesen. Die Situation zehrte an seinen Nerven. "Das war damals ziemlich dramatisch für mich", sagt der gebürtige Neunkirchner (Saar), "ich war komplett vereinsamt mit der Situation", fährt der heute 60-Jährige fort. Das Ganze zog sich über Wochen hin. Das Einzige, was ihn aufrecht gehalten hat, war die Hoffnung. Zwei riskante Operationen retteten schließlich sein Augenlicht.

Seine damalige Lebenskrise Anfang der 1980er Jahre verarbeitete der heutige Geschäftsführer des evangelischen Bildungswerkes in München in seinem neuesten Buch "Wenn der Sommer kommt, tanzen die Träume. Eine Erzählung für Hoffende". Der Autor bezeichnet es als "Mutmacherbuch". Am 28. August ab 19.30 Uhr wird Leibrock auf Bredemeyers Hof in Goldenstedt daraus lesen. Es ist eine Deutschlandpremiere.

Lesung am 17. April fiel der Pandemie zum Opfer

Ursprünglich sollte der ehemalige Antiquariatsbuchhändler bereits am 17. April dort lesen, allerdings aus seinem Buch "Nur im Dunkeln leuchten die Sterne". Hier schildert er die harte Realität der Obdachlosigkeit. Ein Schicksal, das er ebenfalls am eigenen Leib erfahren musste. Doch die Corona-Krise warf alle Pläne über den Haufen. Die Veranstalter, die Anna-und-Heinz-von-Döllen-Stiftung, Elisabeth Vatterodt und die Katholische Öffentliche Bücherei Goldenstedt (Borromäusbücherei), hielten an dem Event fest, und da schlug Felix Leibrock vor, die Deutschlandpremiere seines neuen Buches in Goldenstedt stattfinden zu lassen. Und so wird es nun gemacht.

"Ich möchte Veranstaltungen an besonderen Orten machen", sagt Elisabeth Vatterodt. Und Bredemeyers Hof ist solch ein Ort. Das historische Industriedenkmal ist ein Komplex aus Wassermühle, einem zweigeschossigem Speicher mit angeschlossenem Backhaus, einer Scheune sowie einer Wagenremise.

Voller Höhen und Tiefen: Felix Leibrock hat viel erlebt in seinem Leben. Seine Erfahrungen mit Obdachlosigkeit und einer drohenden Erblindung hat er in zwei Romanen verarbeitet. Foto: privatVoller Höhen und Tiefen: Felix Leibrock hat viel erlebt in seinem Leben. Seine Erfahrungen mit Obdachlosigkeit und einer drohenden Erblindung hat er in zwei Romanen verarbeitet. Foto: privat

Inhaltlich geht es in "Wenn der Sommer kommt, tanzen die Träume" um die 18-jährige Selma. Die lebenslustige Abiturientin prallt mit ihrem Wagen gegen einen Baum. Als sie im Krankenhaus aufwacht, ist ihr Sehnerv durchtrennt und Selma blind. Nur mühsam findet und erkämpft sie sich langsam den Weg zurück ins Leben. Selma hat nach der ersten Schockstarre, der Verzweiflung und dem Frust einige Schlüsselerlebnisse, die ihr wieder Mut machen. Durch Gespräche mit Bewohnern eines Altenheims findet sie Antworten auf Fragen die sie quälen. Warum ich? Was macht ein Leben für einen Sinn, wenn ich so stark eingeschränkt bin? Was trägt mich durch so eine Krise? Alles Fragen mit denen sich Felix Leibrock ebenfalls auseinandersetzen musste, als ihm der Verlust des Augenlichts drohte.

Autor sprach mit Menschen, die ihr Augenlicht verloren haben

Rückblickend sagt der evangelische Pfarrer, ein Buch wie sein aktuelles hätte ihm sicher geholfen, denn es ist ein "Mutmacherbuch". Doch nicht nur seine eigenen Erfahrungen flossen in das Projekt, der Weimarer hat zudem ausführlich recherchiert. Er sprach mit Menschen, die teilweise von Geburt an blind waren oder erst im Laufe ihres Lebens erblindeten. Gerade für Letztere sei schlimm, dass die Bilder im Kopf langsam, aber kontinuierlich verblassen.

Felix Leibrock war außerdem als Pfarrer zehn Jahre lang für den Gottesdienst in einem Blindenheim zuständig. In dieser Zeit hat er durch seine Seelsorgertätigkeit viele blinde Menschen und ihre Geschichte kennengelernt. Etwa ein Jahr benötigte Leibrock, um "Wenn der Sommer kommt, tanzen die Träume" zu schreiben. Dabei brauche er für die Nachforschungen mehr Zeit als für das Schreiben, das ginge eigentlich immer recht schnell.

"Ich versuche, den Abend interaktiv zu gestalten."Felix Leibrock

"Ich versuche, den Abend interaktiv zu gestalten", meint der Autor und möchte die Hintergründe zur Entstehung und Recherche des Buches erzählen. Er würde gerne mit den Besuchern einen Dialog führen. Das klassische Lesen wird es zwar auch geben, aber es wird nicht so viel Raum einnehmen. Der Autor freut sich jedenfalls auf seine etwas andere Lesung am 28. August. "An Goethes Geburtstag", wie er sagt, reise er aus der Goethestadt Weimar in den Norden des Landkreises Vechta.

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