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Feidman begeistert Publikum in Cloppenburger St.-Josef-Kirche

Der Musiker verkündete mit seiner Klarinette die Friedensbotschaft. Begleitet wurde der 86-Jährige vom Rastrelli Cello Quartett.

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Überzeugten: Giora Feidman (rechts) und das Rastrelli Cello Quartett begeisterten ihr Publikum. Foto: Heuer

Überzeugten: Giora Feidman (rechts) und das Rastrelli Cello Quartett begeisterten ihr Publikum. Foto: Heuer

Der berühmte Musiker hat sein Versprechen tatsächlich gehalten: Im November 2019 hatte er in der voll besetzten St.-Josef-Kirche seinem begeisterten Publikum versprochen, in zwei Jahren anlässlich seiner Geburtstagstournee wiederzukommen. Trotz seiner 86 Jahre schaffte es Feidman auch diesmal mühelos, das Publikum in seinen Bann zu ziehen.

Aufgrund der Corona-Abstandsregeln trat er zweimal nacheinander auf. Begleitet wurde er bei seinem Programm „Friendship-Tour“ vom Rastrelli Cello Quartett.

Das Alter mache ihm zu schaffen, gestand Feidman mit leicht gequältem Lächeln, nachdem er langsamen Schrittes seinen Platz erreicht hatte. Die Bandscheibe quäle ihn sehr. Seine Musik hat darunter nicht gelitten.

1936 in Buenes Aires als Sohn jüdischer Einwanderer aus Bessarabien geboren, gilt Feidman als berühmtester Klezmer-Klarinettist der Welt. Mit 21 Jahren übersiedelte er nach Israel, 18 Jahre spielte er im Israel Philharmonic Orchestra. Zu Beginn der 1970er Jahre ging er als Solist nach New York und eroberte in den Folgejahren die Bühnen der Welt. Seit vielen Jahren lebt er in Hamburg. Seit er auf der Bühne steht, engagiert er sich als Vermittler zwischen Kulturen und Religionen – vor allem zwischen Israelis und Palästinensern. Diese Botschaft prägte auch sein aktuelles Programm, darunter Titel wie „Prayer for a Friend“, „Hope“, „Respect“, „Power of Love“, „Happiness“ oder „Friendship“ des iranischen Komponisten Majid Montazer. Mit leisen und fast zärtlich gespielten Tönen schafften es Feidman und die vier Cellisten von Beginn an, das Publikum in der voll besetzen Kirche in einen Zustand absoluter Ruhe und Konzentration zu versetzen.

Seit 2002 spielt das Quartett in dieser Formation zusammen

„Das ist das beste Cello-Quartett auf der Welt“, versicherte Feidman. Die vier russischen Musiker – drei von ihnen stammen aus St. Petersburg, der vierte aus Weißrussland – spielen seit 2002 in dieser Formation. Ihr Name ist eine Hommage an den Architekten und Baumeister Bartolomeo Francesco Rastrelli, der viele Barock-Bauwerke in St. Petersburg errichtet hat. Das Quartett ist weltweit auf Bühnen zu Hause. Seit Jahren begleitet es auch Feidman auf Konzertreisen.

Über welche Virtuosität Feidman trotz seiner körperlichen Einschränkungen noch verfügte, zeigte er im zweiten Teil des Konzerts mit Tangomusik von Astor Piazolla. Hier waren sie wieder – die kräftigen, lauten und schnellen Töne. Das Publikum reagierte mit stürmischem Applaus. Alle riss es förmlich von den Stühlen. Sein Doktor habe ihm täglich Bettruhe ab 20 Uhr verordnet. „Hoffentlich ist er jetzt nicht in der Kirche dabei,“ scherzte Feidman, der die Stimmung und den Applaus sichtlich genoss.

Doch es wäre für Giora Feidman untypisch, würde er sein Publikum ohne eine deutliche Friedensbotschaft entlassen. „Wir leben in einer wunderbaren Welt, die wir erhalten müssen“, mahnte er. Daher verstehe er es nicht, dass so viele Bomben existierten. Und dass Politiker immer sagen würden, die Bomben seien nötig, um den Frieden zu erhalten. Musikalisch setzte er daher den Schlussakkord mit dem Titel „What a wonderful world“ des amerikanischen Komponisten Bob Thile. Das Publikum dankte erneut mit stehenden Ovationen und großem Respekt vor diesem charismatischen Künstler.

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