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Farben machen die Cloppenburger Kunstherapeutin glücklich

Wenn ein Bild fertig ist, kommt oft ein wichtiger Moment, der Schüler und Lehrerin gleichermaßen glücklich mache: das Gefühl, sich selbst zu genügen und vor allem sich selbst zu lieben.

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Nimm dir Zeit für Meer: Das dekorative Bild könnte fast das Motto der Malwerkstatt sein, die Stefanie Taubenheim in Kneheim betreibt. Foto: Bernd Götting

Nimm dir Zeit für Meer: Das dekorative Bild könnte fast das Motto der Malwerkstatt sein, die Stefanie Taubenheim in Kneheim betreibt. Foto: Bernd Götting

„Es ist gar kein Talent erforderlich“. Mit diesem einfachen Statement erklärt die Cloppenburgerin Stefanie Taubenheim, welche Voraussetzungen zur Teilnahme an einem Malkurs oder einem Seminar in ihrer Malwerkstatt erfüllt sein müssen. Die handwerklich ausgebildete Raumausstattermeisterin hat ihre Malwerkstatt 2016 gegründet und dafür ein ideales Plätzchen gefunden. Auf dem idyllisch gelegenen Hof Ottenweß in Kneheim konnte sie das ehemalige Hofcafé nutzen. Die Räumlichkeiten sind großzügig, gemütlich gestaltet und lichtdurchflutet. Zur Wohlfühl-Atmosphäre trägt ein großer Kamin bei.

Je nach Corona-Lage, gibt es für die Teilnehmer der Malwerkstatt auch Kaffee und Kuchen. Der große Bauerngarten lädt zum Spazierengehen, Verweilen und Malen ein. Unter dem Motto „Atelier statt Alltag“ haben hier in den vergangenen Jahren viele Menschen Ruhe und Entspannung gefunden und erstmals Tuchfühlung mit der Malerei aufgenommen. Ob Action-Painting, kreative Weiterbildung oder Team-Building - Angebot und Akzeptanz waren stets groß. Corona setzte vielen Vorhaben ein Ende, und Stefanie Taubenheim vermisst die Events mit den vielen entspannten und kreativen Teilnehmern.

„Ich möchte die Menschen ermutigen, Schöpfer ihrer Gedanken und Taten zu sein. Schöpfer ihrer eigenen Kreativität und ihrer Bilder.“Stefanie Taubenheim, Künstlerin und Kunsttherapeutin

Doch neben Kunst und Handwerk hat sie noch eine andere Seite und möchte Mitmenschen damit durch die schwere Zeit der Pandemie bringen. Zu ihrem vielfältigen Lebenslauf gehört auch eine Ausbildung zur Kunsttherapeutin, die sie 2013 in Osnabrück begann. Die Künstlerin weiß um die Einsamkeit vieler Menschen, um die fehlenden sozialen und kulturellen Kontakte. „Das kann die Leute krank machen, aber die Malerei ist ideal für die Prävention geeignet“, weiß Stefanie Taubenheim. Der Weg, den die Künstlerin mit ihren Schülern oder Klienten geht, führt oft auf ein bislang unentdecktes Terrain, in Bereiche der Persönlichkeit, die vielen selbst nicht bekannt sind. „Ich möchte einfach zeigen, wie schön es sein kann, seine eigene Kreativität zu entdecken.“ Wenn dann ohne Wertung und ohne Stil gemalt werde, entstehe eine natürliche Leichtigkeit und eine Neugier auf das eigene Leben. Bei diesen Sätzen wird die Künstlerin beinahe leidenschaftlich: „Ich möchte die Menschen ermutigen, Schöpfer ihrer Gedanken und Taten zu sein. Schöpfer ihrer eigenen Kreativität und ihrer Bilder.“

Die Ergebnisse dieses freien Schaffens seien oft verblüffend. Bei früheren Kursen sei die gemeinsame Leinwand einer Firmenbelegschaft schon mal zum Spiegelbild der Stimmung in der Gruppe geworden. Und manch ein Mitarbeiter hat dabei auch schon seinen eigenen Lebenslauf gemalt. Noch interessanter sei das, was bei längeren Malkursen entstehe. Das lebende Beispiel ist ein Senior aus Wildeshausen, der sich anfangs gerade mal Strichmännchen zutraute und nach wenigen Monaten in der Lage war, gegenständlich zu zeichnen. Gebilde wie einen gebrochenen Ast oder eine Zwiebel kann er jetzt präzise darstellen. „Kunst schärft tatsächlich die Wahrnehmung“, bestätigt Taubenheim. Früher fast unbeachtet, werden Schattenwürfe, Farbverläufe und Lichtreflexe auf einmal genauer betrachtet und mit geschulter Hand und erlernten Techniken auf die Leinwand oder das Papier gebracht.

Mit den Bildern verändern sich auch die Menschen

Und so, wie dann nach und nach ein Bild entsteht, verändern sich auch oft die Menschen. Für einen Mann, der jahrzehntelang im Beruf funktioniert habe, für eine Frau nach vielen Jahren Familienphase, sei es ein großer Schritt, einfach mal mutig und intuitiv aus dem Bauch heraus Farben zu wählen und Bilder zu gestalten. Mit Farben, Spachtelmassen, Sand und verschiedenen Materialien experimentieren, um Kunstwerke zu gestalten. Nach und nach stelle sich dann heraus: Nicht das fertige Bild an sich ist das Wichtigste, sondern der Prozess in der Entstehung. Die Krisen, wenn es nicht sofort gelingt. Der Frust, wenn es im Vergleich mit anderen nicht mehr gut genug erscheint. Wenn man das alles hinter sich habe, komme der Moment, der Schüler und Lehrerin in der Malwerkstatt gleichermaßen glücklich mache: das Gefühl, sich selbst zu genügen und vor allem sich selbst zu lieben. Werke von Stefanie Taubenheim sind derzeit ausgestellt im Fenster des Hauses Lange Straße 56 in Cloppenburg

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