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„Es gibt immer nur Entweder-oder“

Heute: Clemens Evers aus Langförden. 30 Südoldenburger und ihre Gedanken zu Kreuz und Christentum: Das ist der Stoff der neuen Serie „Mut zum Kreuz“.

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Clemens Evers, 66 Jahre, ist Zimmermann und Betondesigner. Er wohnt in Langförden. Seit dem 15. Oktober 1993 hat er keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken, davor massiv. Aus Dankbarkeit für die Freiheit vom Alkohol hat er 2007 ein drei Meter hohes Kreuz aus Beton geschaffen.

„Das wichtigste an meinem Kreuz war mir der Durchblick. Jeden Morgen, wenn ich aus dem Haus gehe, schaue ich auf mein Kreuz und durch es hindurch. Wenn man sich etwas beugt, sieht man den Himmel und die Weite. Ein Bild für meine Freiheit vom Alkohol.

Und das seit dem 15. Oktober 1993. Seit dem Tag habe ich keinen Tropfen Alkohol mehr zu mir genommen. Davor waren meine Familie und ich am Ende. Wir hatten nichts mehr. Nicht mal mehr fünf Mark.

Ich lag drei Tage in der Ausnüchterungszelle, als ich kapiert habe, dass ich meine Frau und meine Familie weit mehr liebe als den Alkohol. Mit 15 kam ich in die Lehre als Zimmermann. Ab 16 durfte ich morgens um 9 Uhr auch das erste Bier trinken. Um 11 Uhr das zweite. Da war man wer. Drei Mal pro Woche Richtfest. Mit 43 habe ich eine Flasche Whiskey am Tag getrunken. Ich hatte immer drei Promille.

Zum Glück hatte meine Frau mich damals rausgeworfen. So habe ich mich in unsere Monteurswohnung eingeschlossen, den Schlüssel in die Ecke geknallt und den Entzug aus eigener Kraft geschafft. Das Kreuz ist für mich ein Zeichen der Dankbarkeit. Ein Bild der Auferstehung, weil’s mir durch die Öffnung den Himmel zeigt.

Ich freue mich heute, wenn ein Arzt anruft und sagt: „Clemens, kannst Du mal kommen? Ich hab hier jemanden sitzen.“ Manchmal gehe ich sofort hin. Ich kann Worte sagen, die der Doktor nicht sagen kann.

Ich verurteile niemanden, aber ich stelle ihm zum Beispiel fünf Flaschen Schnaps hin und sage: „Du musst Dich entscheiden: Willst Du Dein letztes Grundstück mit ein mal zwei Meter oder hörst Du auf zu saufen?“ Es gibt nur entweder oder.

Es freut mich, wenn ich solchen Leuten dann auch zur Freiheit verhelfen kann. Wenn andere Unternehmer mich holen und sagen: „Clemens, was soll ich tun? Mein Vorarbeiter, den ich schon 30 Jahre habe, der trinkt.“ Wenn ich solchen Leuten dann den Blick durch das Kreuz zeigen kann, das erfüllt mich zutiefst. Und mein Trinken war ein Kreuz – für meine Frau, meine Kinder.

Wenn ich hier in der Zeitung mein Betonkreuz zeige, dann bin ich stolz darauf, diesen Durchbruch geschafft zu haben.“

Fakten

  • Am 6. Juli: Wilfried Schöning aus Cloppenburg
  • „Mut zum Kreuz!“ ist ein Projekt der Kardinal-von-Galen Stiftung Burg Dinklage, der OV und der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg.
  • Anlass für das Projekt sind der 70. Todestag des Seligen Clemens August Kardinal von Galen im März 2016 und die Rückschau auf den Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland vor 80 Jahren.
  • Der 1878 auf Burg Dinklage geborene Kardinal predigte gegen die Euthanasie-Morde der Nazis. Im Kreuzkampf protestierten 1936 Südoldenburger öffentlich und mit Erfolg gegen die von den Nazis angeordnete Entfernung der Kreuze aus katholischen Konfessionsschulen.
  • Ab dem 18. September findet eine Ausstellung auf Burg Dinklage statt.
  • Im November erscheint ein Buch zum Thema.
  • „Mut zum Kreuz!“ wird unterstützt von der LzO und der CEWE-Stiftung in Oldenburg.

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