Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

„Er hat nie wieder ein Wort darüber verloren“

Heute: Franz-Josef Beckermann aus Cappeln. 30 Südoldenburger und ihre Gedanken zu Kreuz und Christentum: Das ist der Stoff der Serie „Mut zum Kreuz“.

Artikel teilen:

In der Ortsmitte Cappelns wird Franz-Josef Beckermann stets an den Kreuzkampf im November 1936 erinnert. Hier steht das große hölzerne Kreuz, das damals am Giebel des alten Pfarrhaus befestigt wurde, als Zeichen des Protestes. Viel wurde über diese Zeit in der Familie nicht geredet. Franz-Josef Beckermann erinnert sich nur an ein Gespräch mit seinem Vater auf einer langen Autofahrt.

„Heinrich Götting aus Bokel sympathisierte anfangs mit den neuen Machthabern. Als er aber das wahre Gesicht der Nationalsozialisten erkannte, veränderte das alles. Als der Kreuzerlass kam, protestierte Götting persönlich bei Julius Pauly, dem Minister für Kirchen und Schulen in Oldenburg. Erfolglos.

Gegen den Erlass formulierte er ein Flugblatt, das in unserem Betrieb vervielfältigt wurde. Um jeden Verdacht von der Familie Beckermann fernzuhalten, sind alle am Produktionstag mit der Kutsche nach Wißmühlen gefahren. Auffällig genug, so dass Ortsgruppenleiter Heinrich Stallmann sie gesehen hat.

In der Abwesenheit hat Heinrich Götting Ida Tapke, Sekretärin in der Firma Beckermann, den Text diktiert. Sie bediente auch die Vervielfältigungsmaschine, und so verließ Götting am 22. November mit Flugblättern die Firma und heftete sie an Bäume und Hauswände.

Am 25. November nahm Gauleiter Carl Röver den Kreuzerlass in Cloppenburg zurück, doch damit war die Sache für Heinrich Götting nicht beendet. Er wurde verhaftet, zunächst ins Untersuchungsgefängnis gebracht und später ins KZ Oranienburg. Auch unser Vater war ins Fadenkreuz der Geheimen Staatspolizei gekommen, weil Recherchen ergeben hatten, dass die Flugblätter in unserem Büro erstellt worden waren. Er und Ida Tapke wurden nach Oldenburg gebracht, wo sie mehrere Tage intensiv verhört wurden. Sie wurde mangels Beweisen freigesprochen, aber meine Mutter hatte mir berichtet, dass Ida Tapke nach ihrer Entlassung total verwirrt und ungewöhnlich schreckhaft gewesen sei.

Mein Vater hat uns schriftlich hinterlassen: „...und die schrecklichen Verhöre durch den damaligen Schweinehund Müller an jedem Morgen, vier Tage lang, werde ich nie vergessen“. Mehr hat er darüber nie gesprochen. Wie schrecklich und menschenverachtend diese Verhöre waren, dazu gibt es Berichte. Heinrich Götting wurde am 23. Mai 1937 aus dem Konzentrationslager entlassen. Seine Frau war bei der Geburt des zehnten Kindes gestorben und er sollte sich um seine Familie kümmern. Über die Zeit im KZ hat er nie ein Wort verloren.“

Fakten

  • Am 6. August: Das Kreuz und die Politik
  • „Mut zum Kreuz!“ ist ein Projekt der Kardinal-von-Galen Stiftung Burg Dinklage, der OV und der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg.
  • Anlass für das Projekt sind der 70. Todestag des Seligen Clemens August Kardinal von Galen im März 2016 und die Rückschau auf den Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland vor 80 Jahren.
  • Der 1878 auf Burg Dinklage geborene Kardinal predigte gegen die Euthanasie-Morde der Nazis. Im Kreuzkampf protestierten 1936 Südoldenburger öffentlich und mit Erfolg gegen die von den Nazis angeordnete Entfernung der Kreuze aus katholischen Konfessionsschulen.
  • Ab dem 18. September findet eine Ausstellung auf Burg Dinklage statt.
  • Im November erscheint ein Buch zum Thema.
  • „Mut zum Kreuz!“ wird unterstützt von der LzO und der CEWE-Gruppe in Oldenburg.

Zeit für ein Update! Mit der jüngsten Überarbeitung unserer App haben wir das Nachrichten-Erlebnis auf dem Smartphone weiter verbessert und ausgebaut. Jetzt im Google-Playstore und im  Apple App-Store updaten oder downloaden.

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

„Er hat nie wieder ein Wort darüber verloren“ - OM online