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Ein Stück Südoldenburg in Amerika: Dammer gründen Stadt namens "Minster"

Eine Sonderausstellung im Stadtmuseum Damme zeigt die besonderen Geschichten einiger Auswanderer aus dem 19. Jahrhundert aus dem Oldenburger Münsterland.

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Die St.-Augustine-Kirche in Minster, Ohio: Der katholische Glaube bleibt auch nach der Auswanderung ein großer Bestandteil im Leben der Dammer. Foto: Stadtmuseum Damme

Die St.-Augustine-Kirche in Minster, Ohio: Der katholische Glaube bleibt auch nach der Auswanderung ein großer Bestandteil im Leben der Dammer. Foto: Stadtmuseum Damme

Viele träumen davon, manche haben ihn bereits gewagt: den großen Traum vom Auswandern. Besseres Klima, berufliche Weiterentwicklung oder eine neue Sprache zu erlernen, sind die häufig genannten Gründe, warum einige Deutsche heutzutage oftmals das Weite suchen. Doch im 19. Jahrhundert hatten die Menschen noch ganz andere Beweggründe. Für sie war eine oftmals perspektivlose Zukunft der ausschlaggebende Grund, um ihre Heimat, das Oldenburger Münsterland, zu verlassen. Als 9. oder gar 12. Kind hatten sie kaum Aussichten auf einen Teil der Erbschaft. Für die Bauernkinder, Mägde und Knechte gab es nur bedingt Möglichkeiten, sich eine eigene Existenz aufzubauen. Doch in einem Land der "unbegrenzten Möglichkeiten" soll alles anders sein. Die Rede ist von Amerika.

31 Dammer wagten den Schritt ins Ungewisse

Auch in Südoldenburg und Damme hat sich das unbekannte Land bei den Heuerleuten schnell herumgesprochen. 1831 wagte der Dammer Franz-Joseph Stallo den großen Schritt. Er scharte eine Gruppe von rund 30 Leute um sich und organisierte als erster Pionier der Region die Überfahrt vom Bremerhaven nach Amerika, erzählt Wolfgang Friemerding. Er ist Leiter des Stadtmuseums und hat die Sonderausstellung "US-Auswanderung aus Damme im 19. Jahrhundert" konzipiert.

Kleinstadtflair: Die Postkarte, die um 1910 verschickt wurde, zeigt die 4th Street in Minster. Foto: Stadtmuseum DammeKleinstadtflair: Die Postkarte, die um 1910 verschickt wurde, zeigt die "4th Street" in Minster. Foto: Stadtmuseum Damme

Die 3- bis 4-wöchige Überfahrt war beschwerlich und oft von mangelnden hygienischen Zuständen geprägt. Stallo und seine Gefährten überstanden jedoch die Fahrt auf dem Segelschiff und erwarben in der Nähe von Cincinnati ein Stück Land. Sie gründeten den Ort "Stallotown", welcher später in "Minster" unbenannt wurde. Obwohl Franz-Joseph Stallo nur 2 Jahre nach seiner Ankunft an Cholera starb, ist die Stadt bis heute von den Dammer Einwohnern geprägt. Die Ortschaft ist überwiegend römisch-katholisch und es werden bis heute deutsche Feste gefeiert.

Die Auswandererzahlen aus dem Amt Damme, zu dem damals noch Holdorf und Neuenkirchen gezählt haben, belegen, wie viele Menschen sich damals nach einer besseren Zukunft gesehnt haben: Von 1828 bis 1839 sind in Damme rund 27,3 Prozent der Bevölkerung ausgewandert. In Holdorf waren es 36,7 und in Neuenkirchen sogar 38,4 Prozent. "Für die Auswanderer war dies oft keine leichte Situation. Sie mussten ihre Staatsbürgerschaft abgeben, all ihr Hab und Gut verkaufen und sich meist für immer von ihren Familien verabschieden", berichtet Friemerding.

Ein Dammer verhalf einem US-Präsidenten zum Sieg

Andere Dammer Bürger, wie beispielsweise Johann Bernhard Stallo, der Onkel von Franz-Joseph, hatten mehr Glück bei dem Versuch, sich ein neues Leben aufzubauen. Ihm gelang, was sich viele gewünscht haben: Er hat den Sprung in den Wohlstand geschafft. Nachdem er mit 16 Jahren Damme verlassen hatte, arbeitete er in Amerika zunächst als Lehrer. Später wurde er Rechtsanwalt und Richter. Bekannt wurde er jedoch, weil er den Wahlkampf des Abgeordneten Grover Cleveland organisierte, der 1885 zum 22. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde. Als Belohnung für seine Arbeit bekam er den Posten als Botschafter in Italien, obwohl er lieber den Posten in Berlin übernommen hätte, erzählt Friemerding.

Auch Agnes Pohlschneider aus Borringhausen kam als 7-Jährige mit ihrem Vater in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Sie heiratete später einen Zirkusdirektor und trat auch selbst in der Manege auf. Durch ihre waghalsigen Tricks wurde sie US-weit bekannt und präsentierte ihr Können sogar auf Touren durch Europa.

Ein Stück Heimat ist geblieben

Eines hatten die 3 Dammer gemeinsam: "Sie waren jung, ledig und mutig", erzählt Friemerding. Sie haben für ihren Traum, ein besseres Leben zu führen, alles aufgegeben. Doch ihre Lebensweise aus der Südoldenburger Heimat haben sie oftmals mitgenommen und an neuen Orten in der Welt etabliert.

Hat eine bedeutende Laufbahn hinter sich: Der berühmte Dammer Johann Bernhard Stallo, der später Botschafter in Italien wurde.   Foto: Wolfgang StelljesHat eine bedeutende Laufbahn hinter sich: Der berühmte Dammer Johann Bernhard Stallo, der später Botschafter in Italien wurde.   Foto: Wolfgang Stelljes

Fakten:

  • Die Sonderausstellung im Stadtmuseum Damme ist noch das komplette Jahr 2022 über zu sehen.
  • Das Museum hat mittwochs und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.
  • Der Eintritt beträgt 1 Euro pro Person.

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