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Ein letztes Servus: Der St. Josefs-Chor verabschiedet sieben Sängerinnen und Sänger

Sie erinnern sich für OM-Online an große Auftritte und ergreifende Musik. Und sie verraten, warum der Dienstag ihr liebster Wochentag war.

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Stephan Christ spielt ein letztes Servus für (von links) Hedwig Nienaber, Agnes Thölke, Christa Deeken, Anita Rauert, Günther Gruber, Waltraud und Heinz Lawicka. Foto: Heuer

Stephan Christ spielt ein letztes Servus für (von links) Hedwig Nienaber, Agnes Thölke, Christa Deeken, Anita Rauert, Günther Gruber, Waltraud und Heinz Lawicka. Foto: Heuer

Einmal noch dem Mann am Klavier tief in die Augen blicken und an alte Zeiten denken. Einmal noch dieses Gefühl haben. Der Chor und das gemeinsame Singen hat jahrzehntelang ihr Leben begleitet. Irgendwann aber ist Schluss.

Sieben Sängerinnen und Sänger musste Christa Strop als Vorsitzende des St. Josef-Chores Cloppenburg jetzt verabschieden: „Ihr wart eine wichtige Säule in Euren Stimmen und für die ganze Chorgemeinschaft. Mit viel Wehmut respektieren wir Eure Entscheidung.“ Dirigent Stephan Christ spielte für sie ein letztes Servus.

Erinnerungen an große Konzerte und viele Proben

Die Cloppenburgerin Hedwig Nienaber war 1983 zum Chor gekommen. „Ich habe immer Freude an Musik gehabt“, sagt sie. Als Höhepunkte hat sie die Aufführung der Carmina Burana in der Markthalle und das Konzert „Winds and Voices“ in der Sporthalle an der Leharstraße 2007 in Erinnerung. Acht Chöre seien damals zusammen aufgetreten, 2 Jahre haben die Proben gedauert. „Musik ist einfach entscheidend“, ist sie überzeugt.

Das kann Agnes Thölke bestätigen. Mehrere Jahrzehnte hat die technische Lehrerin im Sopran mitgesungen. Über eine Clique in der Nachbarschaft war sie mit ihrem Mann Otto dazugekommen. Christa Deekens Mann hat zwar selbst nicht gesungen, dafür aber immer darauf gedrungen, dass sie die Proben regelmäßig besucht. „Entweder machst Du regelmäßig mit oder lässt es bleiben“, habe er gesagt, wenn sie keine Lust hatte, erzählt sie. Als Steuerberater liebte er die Ordnung. Christa hat ihm lange Jahre bei der Buchführung geholfen. 53 Jahre ist sie dem Chor treu geblieben, dazu kommen einige Jahre im Kinderchor im heimischen Bakum. „Wir waren eine musikalische Familie, ich habe immer gerne gesungen“, erinnert sie sich.

Günter Gruber war mit 90 das ältestes Chormitglied

Als Hausmeisterin war Anita Rauert 1973 mit ihrem Mann ins Pfarrheim St. Josef gezogen. Und es dauerte nicht lange, dass sie im Chor mitmachte, der zwei Stockwerke unter ihr probte. Chorerfahrung hatte sie damals nicht, aber es „war grundsätzlich immer gut“, lacht sie rückblickend. Ihr größtes Erlebnis? Der Auftritt beim Diözesantag 2005 in Eggerode. 4000 Sängerinnen und Sänger hätten im Beisein von Bischof Reinhard Lettmann die Missa breve 07 von Charles Gounod aufgeführt. Die dazugehörige CD hütet sie immer noch.

Mit fast 90 Jahren war Günther Gruber ältestes Chormitglied. Über 50 Jahren hat er im Bass gesungen. Viele der alten Lieder kann er noch auswendig. Als Kind hatte er in seiner Heimatstadt Bremerhaven im Kirchenchor gesungen. Nach dem Krieg lernte er Tischler, fuhr einige Jahre als Steward auf Auswanderschiffen nach Amerika und Kanada. 1966 landete er in Cloppenburg. Arbeit gab es hier genug und eine musikalische Heimat fand er im Kirchenchor. „Wir hatten eine tolle Zusammengehörigkeit“, schwärmt er. „Die Zeit war sehr interessant.“ Jetzt aber sei es in Ordnung, sich zu verabschieden.

Abschied nehmen auch die Lawickas

Das machen schweren Herzens auch Waltraud und Heinz Lawicka. Am 4. August 1967 haben sie geheiratet, vier Wochen später, am 3. September 1967, sind sie in den Chor eingetreten. Waltraud im Alt, Heinz im Bass. Mit knapp 55 Jahren Mitgliedschaft sind sie die dienstältesten Chormitglieder. Ließ ihnen der Chor die Zeit, gingen sie arbeiten. Er als Schriftsetzer bei der Münsterländischen Tageszeitung, sie dort als Vertriebsleiterin.

Höhepunkt ihres Chorlebens war 2005 eine Romreise zur Seligsprechung des Kardinal von Galen. Als einzige Clopppenburger sind sie zu den Proben nach Münster gefahren. 140 Köpfe zählte ihr Chor schließlich beim Auftritt im Petersdom. „Gänsehaut pur“, sagt Waltraud. Auch toll: 1979 ein Auftritt bei der Tagung der deutschen Bischofskonferenz in Stapelfeld. „Morgens um 7 Uhr haben wir dort mit Herman Olberding gesungen.“ Der charismatische langjährige Chorleiter war für sie bis 2022 der erste von acht Dirigenten. „Es war eine schöne Zeit. Der Dienstag war immer unser Abend. Nach dem Singen war man immer gut drauf“, schwärmt Waltraud Lawicka.

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