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Ein filmreifes Date

Kolumne: Das Leben als Ernstfall - Wenn man zu viele Filme guckt und sich gut Zitate merken kann, kann das kuriose Folgen haben. Kopfkino ab!

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Zu den Nebenwirkungen meines Daseins als Cineast zählt, dass mir Filmzitate nicht mehr aus dem Kopf gehen. Sie werden in einer Datenbank irgendwo im Gehirn abgespeichert – und entwickeln mitunter ein Eigenleben. Das fördert komische Dinge zutage – wie dieses Rendezvous. Kopfkino ab:

Dass es kein Tag wie jeder andere werden würde, spürt James sofort, als er aufwacht. Es liegt ein ganz besonderer Duft in der Luft. "Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen", sagt James. Nach dem Zähneputzen muss er jedoch beim Ausatmen in die eigene Hand feststellen: "Ihr Mundwasser ist zu schwach." Also nachspülen und ab zur Arbeit.

"Ich bin dein Vater"

Gerade, als er unterwegs überlegt, "Soll ich nach Hause telefonieren?", bekommt James einen Anruf auf seinem Smartphone. "Ich bin dein Vater", meldet sich eine verstellte Stimme. "Ich bin zu alt für diesen Scheiß", entgegnet James. "Warum denn so ernst?", fragt der Anrufer. Es ist sein Freund Felix, der sich einen Spaß mit James erlaubt hat. "Mensch, Alter", sagt Felix. "Carpe diem. Nutze den Tag!" Doch James hat längst ausgeschaltet. Ihm ist klar, das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man bekommt.

Das gilt auch für sein Date am Abend. Zum ersten Mal ist er mit Sally zum Essen verabredet. Als James das Restaurant betritt, ist Sally schon da. Als er sie begrüßt, "Hallo. Mein Name ist Bond, James Bond ...", unterbricht sie ihn: "Sei still, du hattest mich schon nach dem Hallo." Sally flirtet ungestüm drauflos. James ist leicht verunsichert. Geschüttelt, nicht gerührt nimmt er Platz, winkt den Kellner heran. Der bringt die Speisekarten und murmelt siegessicher: "Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann." Doch Pustekuchen. James lässt sich keinen teuren Rotwein von ihm aufschwatzen.

"Ich sehe tote Menschen", ruft Sally plötzlich und verdreht die Augen. Es ist schwer zu sagen, was sie da eigentlich zu sich nimmt."Florian Ferber

Sally hat sich schnell entschieden. "Ich will genau das, was sie hatte", sagt sie und deutet auf eine junge Frau am Nachbartisch. "Yippie-ya-yeah, Schweinebacke gibt es", jubelt James und ordert die Bestellung. "Was machst du genau?", will Sally wissen. "Ich schau Dir in die Augen, Kleines", antwortet James. "Nein, beruflich, meine ich", präzisiert Sally. "Ich bin der König der Welt", entgegnet James und lacht. "Nein, ich kümmere mich, wenn es heißt, ,Houston, wir haben ein Problem!’." "Ach, du fliegst ins All? Dann möge die Macht mit dir sein."

Eine unerwartete Wendung

Später nimmt der Abend eine unerwartete Wendung. Zunächst hat das Essen für beide ungeahnte Nebenwirkungen. "Ich sehe tote Menschen", ruft Sally plötzlich und verdreht die Augen. Es ist schwer zu sagen, was sie da eigentlich zu sich nimmt. "Es ist entweder ganz junger Käse oder alte Wurst", meint sie. Bei der Frau am Nachbartisch fließen bereits Tränen. "Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden", schluchzt sie. "Chantal, heul' leise", raunzt ihre Begleitung.

Doch für James und Sally kommt es noch dicker. Als sie das Restaurant verlassen, macht sich ein ungehobelter Klotz vor der Tür ungeniert an Sally ran. "Bei mir haben die 7 Raben drauf Platz", prahlt er mit seiner Potenz. James platzt der Kragen. "Du laberst mich an? Mein Baby gehört zu mir", stellt er klar. "Es kann nur einen geben. Also hasta la vista, Baby!", schreit James und stürzt sich auf den Nebenbuhler. Es folgt eine wilde Schlägerei, bis James seinen Gegner schließlich zu Boden streckt. "Nein! Doch! Oh!", ringt der um Worte, versichert aber, als er sich wieder aufgerappelt hat: "Ich komme wieder." James und Sally sind da bereits auf dem Heimweg. "Das war superkalifragilistischexpiallegetisch!", ist Sally begeistert. "Sorry, dass du meinetwegen nun ein blaues Auge hast." James nimmt sie in den Arm und sagt: "Liebe bedeutet, niemals um Verzeihung bitten zu müssen."

  • Info: Falls es Sie, liebe Leserinnen und Leser, interessiert, in dieser etwas anderen Kolumne sind insgesamt 31 Filmzitate eingebaut. Viel Spaß beim Suchen.

Zur Person:

  • Florian Ferber ist Redakteur der OV.
  • Den Autor erreichen Sie unter f.ferber@ov-online.de

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