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Die Wurzeln prägen den Menschen

Alfons Welzel fühlt sich in Vechta heimisch 40 Porträts, 40 Gedanken zur Heimat, das ist die Idee der OV-Serie Heimat.Los.

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Ich stamme aus Schlesien, um 1800 haben die ersten Welzels eine Fleischerei gegründet, die weitervererbt wurde. Wir wohnten in Baitzen. Zu Kriegsende war ich zehn Jahre alt, alles zog panisch in den Westen. Wir waren fünf, die sich absetzten: Vater, Mutter, Großmutter, mein Bruder und ich. Wir kamen nach Rechterfeld und wurden auf drei Familien aufgeteilt.

Ich habe Bäcker in Wildeshausen gelernt, später übernahm mein Vater die Fleischerei Löhr in Vechta. Dort gab es auch eine Tochter. Nach dem Stoppelmarkt stand fest: „Dat ward wat.“ Ich habe später die Meisterprüfung gemacht und 1963 den Betrieb übernommen. 1991 haben wir unser Geschäft geschlossen. Man musste hier erst einmal heimisch werden, wir sind nicht unbedingt mit Freuden aufgenommen worden. Ich habe erst einmal Plattdeutsch gelernt, das war wichtig. Ich spreche es besser als Schlesisch.

Heimat, das ist eine schwierige Sache. Wenn es eben geht, fahre ich jedes Jahr in die alte Heimat. Mein Elternhaus ist heute viel schöner als es damals war. Als ich zum ersten Mal nach Polen fuhr, wurde ich gefragt: „Was wollt ihr eigentlich hier?“ Ich erklärte, dass wir nur das alte Haus ansehen wollten. Danach hatten die Polen keine Berührungsängste mehr. Heute sagt mein Freund Marek: „Du weißt, wo dein Zimmer ist.“

Die alte Heimat prägt, auch wenn man dort nur zehn Jahre gelebt hat. Im Winter sind wir mit Schlitten und Skiern gefahren, mit unserem Panjepferd Iwan haben wir für meinen Vater die Waren ausgeliefert. Im Laden habe ich auch oft mithelfen dürfen. Von meinem Bruder habe ich viel gelernt, auch weil meine Mutter immer im Laden war. Allerdings musste ich immer seine Klamotten tragen, die von meiner Großmutter aufgetrennt und auf meine Größe zusammengenäht wurden.

Der Zusammenhalt im Dorf war sehr gut, das ist aber in Rechterfeld und Vechta genau so. Heimat ist auch hier. Einmal im Monat treffe ich mich noch mit einer Gruppe, um Schlesisch zu sprechen. Aber es werden immer weniger.

  • Das Projekt Heimat.Los der Oldenburgischen Volkszeitung und der Katholischen Akademie Stapelfeld wird von den Volksbanken, den HGVs Vechta/Damme und der Firma Cewe unterstützt.

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