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Der tollpatschige Student Anselmus im Zwiespalt zwischen Realität und Fantasie

Die Landesbühne Niedersachsen Nord führte jetzt "Der Goldne Topf" von E.T.A. Hoffmann im Metropol-Theater auf. Das Publikum reagierte verhalten auf die Inszenierung des "Märchens aus der neuen Zeit".

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Jan-Eric Meier spielt den tollpatschigen und veträumten Studenten Anselmus. Fotos: Heinzel

Jan-Eric Meier spielt den tollpatschigen und veträumten Studenten Anselmus. Fotos: Heinzel

Es geschah am Himmelfahrtstag um 15 Uhr in Dresden. Student Anselmus stieß mit einer hässlichen Marktfrau zusammen und verstreute ihre Äpfel. "Der falsche Tritt in den Apfelkorb hatte ihn um alles gebracht", schildert Jan-Eric Meier als Anselmus die Konsequenzen des Vorfalls. Er fungiert hier auch als Erzähler und markiert so den Übergang in die mythische Welt. Dort verliebt sich Anselmus in die Schlange Serpentina: "Ich muss sonst vergehen in Schmerz und heißer Sehnsucht."

Hier zeigt sich bereits die Dualität des Stückes. Anselmus wird sich als Wanderer zwischen den Welten für eine Frau entscheiden müssen, entweder für die reale Welt und Veronika – die Tochter eines Konrektors – oder für die mythische Welt und Serpentina.

So lautet extrem gekürzt der Inhalt von E.T.A. Hoffmanns (1776-1822) "Der Goldne Topf". Das 1814 erstmals erschienene "Märchen aus der neuen Zeit" wurde jetzt in der Bühnenfassung von Robert Teufel und Kerstin Car im Vechtaer Metropol-Theater aufgeführt. Das anderthalbstündige Stück der Landesbühne Niedersachsen Nord wurde von Teufel inszeniert und vom Publikum mit etwas verhaltenem Applaus aufgenommen.

Funke greift nicht auf das Publikum über

Jan-Eric Meier spielte den tollpatschigen und verträumten Studenten Anselmus. Andreas Möckel verkörperte den Archivarius Lindhorst und den Konrektor Paulmann. Mona Giorgia Müller schwebte als Serpentina über die Bühne. Jessica Trocha spielte Veronika,  die Tochter des Konrektors. Hannah Sieh und Philipp Buder schlüpften in die Rollen der Frau Rauerin und des Registrator Heerbrand. Für das Bühnen- & Kostümbild war Luisa Wandschneider verantwortlich. Es war eine stimmige Aufführung durch ein gut harmonierendes Ensemble. Aber so richtig schien der Funke nicht auf das Publikum überzugreifen.

Das Ensemble: (von links) Jessica Trocha (Veronika), Andreas Möckel (LindhorstPaulmann), Hannah Sieh (Rauerin), Mona Giorgia Müller (Serpentina), Jan-Eric Meier (Anselmus) und Philipp Buder (Heerbrand).Das Ensemble: (von links) Jessica Trocha (Veronika), Andreas Möckel (Lindhorst/Paulmann), Hannah Sieh (Rauerin), Mona Giorgia Müller (Serpentina), Jan-Eric Meier (Anselmus) und Philipp Buder (Heerbrand).

Unabhängig davon schaffte es das Bühnenbild durch seine Darstellung beide Welten zu verschmelzen und so als Spielfläche sowohl für die realistische Bürgerwelt als auch die Phantasiewelt zu dienen. "Realistische Strukturen" wurden soweit reduziert, dass der Betrachter sie noch erkennen konnte. Diese konnten aber gleichzeitig in einem anderen Zusammenhang anders wahrgenommen werden. Ein wirklich tolles Bühnenbild, welches sich auf das essentielle beschränkt, so abstrakt wie möglich ist und dadurch eine große Spielwiese eröffnet. "Wir wollten verhindern, dass man zu viel Text bebildert, weil es auch sehr stark darum geht, dass die Fantasie im Kopf entsteht", erzählt Bühnenbildnerin Luisa Wandschneider im Premiereninterview.

Serpentina schwebt durch die Handlung

Spielfläche und Fantasie nutzten die Schauspieler auch weidlich aus, um die Gegensätze dieser beiden Welten scharf herauszuarbeiten. So spricht sich Konrektor Paulmann (Andreas Möckel) gegen Träume aus, seine Tochter Veronika macht deutlich, dass sie ein "Material Girl" ist und singt den Song von Madonna. Serpentina dagegen hat etwas Ephemeres und Undefinierbares. Sie schwebt sozusagen durch die Handlung. Diese gewisse Entrücktheit verdeutlicht Mona Giorgia Müller elegant unauffällig auf der Bühne. Eine Schlange eben.

Letztlich entscheidet sich Anselmus – nach der Überwindung einiger Widerstände – für eine Leben mit Serpentina in der mythischen Welt auf Atlantis.

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