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Der Mann im Schatten

Kolumne: Auf ein Wort – Die Serie "The Crown" gibt uns ganz neue Einblicke. Auch in die etwas düsteren Kapitel der britischen Königsfamilie.

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Eigentlich hat er ein Leben im Schatten der Monarchin geführt. Immer 2 Schritte hinter der Königin, aber beileibe kein Leisetreter – so wird man den verstorbenen Prinz Philip in Erinnerung behalten.

Inzwischen ist die britische Königsfamilie nicht nur Thema von Biografien und Boulevardberichten. Ihr Leben ist in die Filmgeschichte eingegangen und füllt inzwischen mehrere Staffeln der Fernsehserie "The Crown". Eine Folge mit dem Namen "Mondstaub" beleuchtet eine geheime Seite im Leben des Duke of Edinburgh. Damit ist nicht etwa das Liebesleben gemeint. Die Serie zeigt, wie im Jahre 1969 die Welt den Atem bei der Mondlandung der Apollo 11 anhält.

Für Prinz Philip scheint es zu dieser Zeit kaum ein anderes Thema gegeben zu haben. Die Episode beleuchtet auch die Schattenseiten dieses Lebens an der Seite von Königin Elisabeth II. Wir werden Zeugen einer tiefen Sinnkrise: Angesichts dieser epochalen Leistung des Astronautenteams um Neil Armstrong fragt sich der Prinz: Was habe ich erreicht? Wo habe ich eine Spur hinterlassen, an die man sich erinnern wird? Das sind keine Luxusprobleme. Da muss einer damit leben, dass ihn die Rolle, die ihm das Leben zugespielt hat, nicht ganz ausfüllt.

Prinz Philips knorriger Humor war eine Lebenshilfe

Das führt den Mann im Schatten zeitweise in eine Krise. Aber es ist eindrucksvoll, wie er sich seinem Schatten gestellt hat. Dabei haben ihm Gespräche in einem Kreis von anderen Sinnsuchern geholfen.

Auf dem Gelände von Schloss Windsor hat der damalige Hausgeistliche ein Zentrum für ausgebrannte oder frustrierte Führungskräfte aus Kirche und Gesellschaft eröffnet. Am Anfang ist der Prinz skeptisch. Ein Mann wird doch an seinen Taten gemessen. Erst mit der Zeit wird Philip deutlich, dass es bei diesen Treffen nicht um eine Nabelschau geht, sondern um tiefere Lebensfragen: Woher kommen wir? Sind wir allein im Universum? Wo finden wir Orientierung? Es waren wissenschaftliche, aber auch religiöse Fragen, die in diesem Rahmen besprochen wurden. Daraus wurde eine Akademie, die es bis heute in St. George's House gibt.

Prinz Philip ist aus dem Schatten herausgetreten. Was hat ihm dabei geholfen? Er hat sich nicht auf seine Rolle reduzieren lassen. Er hat eine Offenheit für alles gezeigt, was den eigenen Horizont erweitert: Prinz Philip hinterlässt eine Bibliothek, die 13.000 Bände umfasst. Allein 600 Bücher beschäftigen sich mit dem Thema Religion. Und sein knorriger Humor war eine Lebenshilfe. Manche seiner bissigen Bemerkungen haben für diplomatische Verwicklungen gesorgt. Aber seine Fähigkeit zur Selbstironie wurde von den meisten seiner Landsleute geschätzt.

So hat er sich als Mann im Schatten manchmal mit den Worten vorgestellt: "In unserer Verfassung bin ich eigentlich gar nicht vorgesehen." Ein trauriges Schattendasein hat er dennoch nicht geführt.


Zur Person:

  • Pfarrer Dr. Marc Röbel ist Geistlicher Direktor der Katholischen Akademie in Stapelfeld.

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