Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Der Herrgottschnitzer Ferdinand Starmann wird Maler

Hammer und Beitel zur Holzbearbeitung hat der 80-Jährige aus Altersgründen zur Seite gelegt. Heute greift er zu Pinsel und Ölfarben. Bei seinen Werken ist er  auf keinen bestimmten Stil festgelegt.

Artikel teilen:
Ein neues Betätigungsfeld: Ferdinand Starmann hat sich in seinem künstlerischen Schaffen auf die Malerei verlegt. Dabei ist er sowohl gegenständlich als auch abstrakt unterwegs.  Foto: Lammert

Ein neues Betätigungsfeld: Ferdinand Starmann hat sich in seinem künstlerischen Schaffen auf die Malerei verlegt. Dabei ist er sowohl gegenständlich als auch abstrakt unterwegs.  Foto: Lammert

Als der bekannte Neuenkirchener Bildhauer und Künstler Ferdinand Starmann vor einiger Zeit mitteilte, er trete nun in den Ruhestand, hat ihm das so recht niemand geglaubt. „Niemand“ ist damit gut gefahren.

Zwar hat der 80-Jährige Hammer und Beitel aus der Hand gelegt, aber er kann die Hände nicht von der Kunst lassen. "Ich habe für mich die Malerei als Ausgleich gefunden. Sie ist physisch nicht so anstrengend wie die Holzbearbeitung", sagt der Neuenkirchener, der mehr als 52 Jahre selbstständig gewesen ist und sich vor allem im Bereich der sakralen Kunst weit über die Grenzen des Oldenburger Münsterlandes einen exzellenten Ruf erarbeitet hat. Neben Holz hat er auch mit den Materialien Stein und Bronze gearbeitet.

Das Malen bereitet Starmann Freude

Nun hat er also das Schnitzwerkzeug mit dem Pinsel, das Holz mit Öl und Leinwand getauscht. "Ich habe in letzter Zeit einige neue Bilder gemalt", erzählt er. Das mache ihm Freude, bereite ihm Spaß.

Er ist davon überzeugt, dass es so auch anderen Menschen ergehen könnte. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie und des Lockdowns könnte die Malerei eine Sache für Menschen sein, die nach einer sinnvollen Beschäftigung suchen. "Sie können sich ausdrücken, außerdem schiebt das Malen die Ängste vor Corona weg", hat der auch als "Herrgottschnitzer" bekannte Starmann sozusagen am eigenen Leib festgestellt.

"Ich bin ein Naturfreund."Ferdinand Starmann, Künstler

Dabei beschränkt sich Ferdinand Starmann nicht auf eine Maltechnik. Er ist sowohl abstrakt als auch gegenständlich unterwegs. Da steht in seinem Atelier auf einer Staffelei etwa das Bild einer geöffneten Amaryllis-Blüte, die der Künstler in meist zarten Rot-, Grün- und Gelbtönen gehalten hat.

Dieses und andere Bilder mit Naturthemen versteht er als eine Mahnung an den Betrachter, die Natur zu erhalten, sich für deren Schutz einzusetzen. Das Motiv liegt nah, denn Ferdinand Starmann sagt über sich selbst: "Ich bin ein Naturfreund."

Auf einer anderen Staffelei im Atelier, in dem wie immer in der kalten Jahreszeit ein Feuer im Kamin prasselt, ist ein abstraktes Bild zu sehen, das ein Spiel mit Farben und Formen zeigt, die zum Teil ineinander verschlungen sind – beziehungsweise sich überlagern.

Auch dabei hat der Neuenkirchener aber eher zurückhaltende Farbtöne gewählt. "Bei den Farben mag ich es lieber, wenn sie ausgeglichener sind."

Starmann verwendet ausschließlich Ölfarben

Es könnte manchen überraschen, dass der Künstler auch auf Spuren der Surrealisten wandelt. Bei der abstrakten Malerei, sagt er dazu, entwickelten sich die Bilder nach und nach. Wenn er zu Beginn vor der Leinwand stehe, wisse er noch nicht, wie das Werk am Ende aussieht.

"Das Spiel zwischen Plastizität und Fläche ist spannend."Ferdinand Starmann, Künstler

Und: "Das Spiel zwischen Plastizität und Fläche ist spannend." Bei der gegenständlichen Malerei müsse sich der Maler dagegen an das halten, was er sehe und abbilden wolle.

Aber egal, ob abstrakt oder gegenständlich, Ferdinand Starmann verwendet ausschließlich Ölfarben. Denn die trocknen längst nicht so schnell wie Acrylfarben, bei denen deswegen das Gestalten von Übergängen problematischer sei. Immer wieder setzt er auch die Impasto-Technik mit dem plastischen Farbauftrag ein. Dabei drückt er Farbe direkt aus der Tube auf die Leinwand und bearbeitet sie mit einem kleinen Spachtel. So erreicht er eine reliefartige Abbildung.

Mit diesen und anderen Maltechniken befasste sich Ferdinand Starmann auch schon nebenberuflich, als er 8 Jahre lang in der Clemens-August-Klinik im Zuge der Therapie mit Patienten malte und schnitzte. Er habe festgestellt, dass sich viele Patienten über ihre Werke gefreut haben. Und daraus folgert er mit Blick auf das Malen: "Jeder sollte ruhig mal versuchen, das zu probieren."

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Der Herrgottschnitzer Ferdinand Starmann wird Maler - OM online