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Der Herr über die Sammlung im Museumsdorf hat alles im Blick

Dr. Eike Lossin ist Sammlungsleiter im Museumsdorf Cloppenburg. Während der Corona-Pandemie erhält er vermehrt Anfragen von Bürgern: Sie wollen ihre Kellerfunde abgeben.

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Behält den Überblick: Dr. Eike Lossin bei der Überführung eines Steyr-Daimler-Puch-Lkw.  Fotos (3): Maren

Behält den Überblick: Dr. Eike Lossin bei der Überführung eines Steyr-Daimler-Puch-Lkw. Fotos (3): Maren

Im Moment ist das Museumsdorf für Besucher geschlossen. Aber was heißt das? Haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Dauerurlaub? „Nein, natürlich nicht“, sagt Susanne Kaiser, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Denn es fielen Arbeiten konzeptioneller Art an, also Planung von Ausstellungen und Veranstaltungen, Bereitstellung digitaler Angebote, Baumaßnahmen und Restau-
rierungsmaßnahmen, Pflege des Freigeländes und der Gärten oder auch Fütterung und Betreuung der im Dorf lebenden Tiere. Einen Einblick in die Aufgaben gewährt Dr. Eike Lossin, Volkskundler und Sammlungsleiter.

Auch wenn keine Besucher ins Museum dürfen, finden doch immer wieder Objekte oder ganze Schenkungen den Weg in die Sammlung des Museumsdorfs. Was gibt es aktuell aus den Magazinen zu berichten und welche Exponate sollen demnächst in Ausstellungen präsentiert werden? Welche Themen sind angedacht?
Sie haben vollkommen Recht, nahezu täglich erreichen mich E-Mails und Anrufe aus der Bevölkerung mit dem Anliegen, Dinge ans Museumsdorf abzugeben. Interessanterweise nahm die Anzahl solcher Anfragen im vergangenen Jahr und trotz Covid-19 nicht sonderlich ab. Vielmehr haben die Bürger während des Lockdowns offenbar angefangen, in ihren Wohnungen und Häusern groß aufzuräumen. Und da fand und findet sich offenbar einiges.

Manche dieser Anfragen oder Angebote muss ich zu meinem Bedauern ablehnen. Da wir bereits eine große Sammlung haben, müssen wir darauf achten, unsere Bestände nicht doppelt oder dreifach auszustatten. Wir haben auch Sammlungsteile, die als abgeschlossen gelten können, weswegen sich hier Neuzugänge ausschließen.

Angebot aus früheren Tagen: In seinem künftigen Tante-Emma-Laden präsentiert das Museumsdorf Produkte vergangener Jahrzehnte.Angebot aus früheren Tagen: In seinem künftigen Tante-Emma-Laden präsentiert das Museumsdorf Produkte vergangener Jahrzehnte.

Stattdessen kommen aber auch neue Sammlungsbereiche hinzu, wie zum Beispiel die Alltagskultur von den 1950ern bis in die späten 1980er Jahre mit einem ganz eigenen Objektuniversum massenhaft und maschinell hergestellter Dinge. Ein thematisch großes Feld, das wir mit drei Schlagworten – „Freizeit“, „Konsum“ und „Mobilität“ – eingegrenzt haben, um unter anderem Kriterien zur Aufnahme solcher Objekte in die Museumssammlung entwickeln zu können.

Gibt es während des Lockdowns Überraschendes?
Die derzeitige Schließung des Museumsdorfs beziehungsweise der Lockdown hat auf die Arbeiten in den Depots durchaus positive Effekte. Wie manche Bürger nutzen auch wir die Zeit, um zum Beispiel große bis mittelgroße Flächen in den Magazinen neu zu organisieren. So lagern wir derzeit unsere Textilsammlung um und überprüfen dabei die Bestände auf Vollständigkeit, Zustand oder etwaigen Befall durch Schädlinge.

Objekt des Monats März: Der DKW junior bereitet dem Team des ­Freilichtmuseumsdorfs derzeit besondere Freude.Objekt des Monats März: Der DKW junior bereitet dem Team des ­Freilichtmuseumsdorfs derzeit besondere Freude.

Eine große Freude war für uns alle, dass im Herbst 2020 die Übernahme einer wirklich exquisiten, privaten Treckersammlung aus dem Landkreis Aurich geklappt hat. Und nicht zu vergessen unser Gemischtwarenladen aus dem Landkreis Wittmund, der momentan in eine neu gestaltete Dauerausstellung integriert wird. Dafür konnten wir das erhaltene Inventar sichern und bauen es nun vor Ort in Cloppenburg wieder eins zu eins zusammen. Ich hoffe, dass es irgendwann wieder möglich sein wird, dass unsere Besucher, aber vor allem die Kinder, hier Bonbons aus dem Glas kaufen können. Und weil wir gerade bei den 1950ern und 60ern sind: Unser Objekt des Monats März macht uns derzeit großen Spaß: der DKW junior, den wir nach der ersten Besitzerin „Käthe“ getauft haben. Dieses Oldtimer-Schmuckstück, das wir aus Wiefelstede übernommen haben, ist ein Beispiel für die Zeit des Wirtschaftswunders. Mit ihm lassen sich Themen wie erste Urlaubsfahrten und dass man sich damals wieder etwas leisten konnte, wunderbar darstellen.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn das Museum wieder öffnen darf?
Ganz klar: auf unsere Besucherinnen und Besucher. Endlich wieder Alt und Jung, Familien, Gruppen und Schulklassen, Leute von überall her auf unserem Gelände zu hören und zu sehen. Wenn endlich wieder was los ist im Dorf. Und außerdem: wie unsere Gäste auf die Landdiskothek reagieren. Und auf angenehme Begegnungen mit Menschen, die mit ihren Objekten und all den Geschichten dahinter unsere Sammlung bereichern.

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