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Der Großteil der Theaterplätze muss leer bleiben

In der Kulturstelle der Stadt Vechta laufen die Planungen für die Spielzeit 2020/21. Sie wird anders als alle vorherigen. Grund sind die Abstands- und Hygieneregeln.

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Bitte Platz nehmen: Herbert Fischer und seine Kollegin Carolin Feye wollen trotz der Pandemie ein ansprechendes Programm für Kulturfreunde im Metropol-Theater auf die Beine stellen. Foto: Heinzel

Bitte Platz nehmen: Herbert Fischer und seine Kollegin Carolin Feye wollen trotz der Pandemie ein ansprechendes Programm für Kulturfreunde im Metropol-Theater auf die Beine stellen. Foto: Heinzel

Die Corona-Krise ist wie ein Tsunami über die Kultur- und Veranstaltungsbranche hinweggefegt. Ein Ende der Pandemie ist nicht in Sicht. Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels. In der Stadt Vechta laufen die Planungen für die ersten Veranstaltungen im Metropol-Theater. Am 14. September steht mit "Mein Freund Harvey" eine etwas absurde Komödie fürs Herz von Mary Chase auf dem Programm.

Noch blickt Herbert Fischer auf die verwaisten Reihen in dem Theater. Seit dem Shutdown im März hat es keine Vorstellung gegeben. Für das Kulturwesen in der Vechta ist 2020 "das schlimmste Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg", meint der Leiter der Stabsstelle Presse/Öffentlichkeitsarbeit, Kultur und Marktwesen. Seit Wochen kämpfen er und seine Mitarbeiter mit den Auswirkungen der Krise.

"Das Theater in Vechta ist eine feste Institution, wir lieben unser Theater. Wir sind der Überzeugung, dass wir es nicht der Corona-Krise opfern dürfen."Carolin Feye und Herbert Fischer, Stabstelle Presse/Öffentlichkeitsarbeit, Kultur und Marktwesen

Immer wieder wird an die Kulturvertreter eine Frage herangetragen: Wird es eine Theatersaison 2020/21 in Vechta geben? Die Antwort ist ein klares Ja. "Wir haben uns für die Kultur entschieden", sagen Fischer und seine Kollegin Carolin Feye. "Das Theater in Vechta ist eine feste Institution, wir lieben unser Theater. Wir sind der Überzeugung, dass wir es nicht der Corona-Krise opfern dürfen."

Simon Ahlborn und Johanna Kröner in dem Stück Gefährliche Liebschaften aus der Spielzeit 201819. Simon Ahlborn wird in der kommenden Theatersaison unter anderem in Iphigenie auf Tauris zu sehen sein. Foto: HeinzelSimon Ahlborn und Johanna Kröner in dem Stück „Gefährliche Liebschaften" aus der Spielzeit 2018/19. Simon Ahlborn wird in der kommenden Theatersaison unter anderem in "Iphigenie auf Tauris" zu sehen sein. Foto: Heinzel

Allerdings wird die bevorstehende Saison anders sein als alle vorherigen Spielzeiten. Das spiegelt sich schon im Kartenverkauf wider. Von den 270 Sitzplätzen im Metropol-Theater bleiben unter Berücksichtigung aller Abstands- und Hygieneregeln nur noch 80 Plätze übrig. Diese werden als "Pärchensitze" angeboten. "Wir haben festgestellt, dass die meisten unserer Theaterbesucher zu zweit kommen", berichtet Fischer.

Publikum darf sich auf viele Klassiker freuen

Das Publikum darf sich auf sechs Aufführungen der Landesbühne Niedersachsen Nord freuen, die schon seit Jahren einen festen Platz im Kulturkalender der Kreisstadt hat. Nach dem Auftakt mit "Mein Freund Harvey“ folgen Johann Wolfgang von Goethes „Iphigenie auf Tauris" (9. November), Agatha Christies "Zeugin der Anklage" (7. Dezember), David Greigs "Eine Sommernacht" (25. Januar), Bertold Brechts "Der kaukasische Kreidekreis" (15. Februar) und das Broadway-Musical "Hairspray" (17. Mai).

Die Landesbühne Niedersachsen Nord hat schon frühzeitig signalisiert, dass sie wieder gerne in Vechta auftritt, sofern es die Umstände der Pandemie zulassen. "Wir wollen spielen", erklärte Intendant Olaf Strieb Anfang Juni gegenüber der Redaktion. "Und wir möchten ihr diese Möglichkeit bieten", ergänzt Fischer. Aktuell sei allerdings noch offen, wie mit den möglichen Aufführungen von Tourneetheatern verfahren wird.

Fest steht bereits jetzt, dass sämtliche Vorstellungen um 20.30 Uhr beginnen und die Spieldauer 90 Minuten beträgt. Es wird durchgängig, also ohne Pause, gespielt. Sollte die Nachfrage nach Karten das Angebot übersteigen, könnte am selben Tag eine weitere Vorführung um 18 Uhr angeboten werden. Letztlich werden die Besucher über den Ticketkauf darüber entscheiden, ob es die Zusatzvorstellungen gibt.

Besucher müssen Mund-Nase-Schutz tragen

"Zwischen beiden Vorstellungen bleibt genügend Zeit, das Theater hygienisch wieder aufzubereiten", erklären die Verwaltungsvertreter. Die Schutzmaßnahmen sehen unter anderem vor, dass alle Kontaktflächen desinfiziert und das Theater gelüftet und gesaugt wird. Während der Aufführung ist ein Mund-Nase-Schutz zu tragen. Der Ausschank von Getränken ist gestattet. Am Theaterabend müssen die Besucher ihre Kontaktdaten hinterlassen. Trotz all dieser Änderungen und Maßnahmen ist es das Ziel, eine möglichst normale Atmosphäre zu schaffen. Den erhöhten Personalaufwand stemmen die Mitarbeiter des Kulturbereiches selbst.

Die Verwaltung weist darauf hin, dass es keine neuen Abonnements und keine Karten an der Abendkasse geben wird. So habe jeder Theaterbesucher die gleichen Chancen und würde auch gleich behandelt. Bereits bestehende Abonnements können in der darauffolgenden Saison fortgeführt werden. Die Karten können im Vorfeld bei den bekannten Vorverkaufsstellen erworben werden.

Neben den bereits vereinbarten Aufführungen im Metropol-Theater arbeiten Fischer und sein Team bereits mit Hochdruck an weiteren Veranstaltungen. Dabei heißt es Daumen drücken, denn nach der Absage der Toten Hosen könnte es im Sommer 2021 ein "hochkarätiges Open-Air-Konzert" auf dem Stoppelmarkt geben. Doch hier gilt es noch die letzten Gespräche zu führen, bevor der Act verkündet werden kann.

"Wir kommen mit einem kulturellen Wumms aus der Pandemie-Zeit zurück!"Herbert Fischer

Eine feste Zusage für das nächste Jahr liegt von Schauspielerin Desireé Nick vor. Sie wird anlässlich des Weltfrauentages am 8. März 2021 in Vechta gastieren. Die für dieses Jahr geplanten Auftritte von Tom Gaebel und Gregor Meyle finden am 4. und 6. Juni 2021 in der Justizvollzugsanstalt für Frauen statt. Einen weitere Veranstaltung an diesem Ort werde die Stadt zeitnah bekannt geben, erklärt Fischer. Er versichert: "Wir kommen mit einem kulturellen Wumms aus der Pandemie-Zeit zurück!"

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