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Der "Grandseigneur" des Talks begeistert Visbek

Hubertus Meyer-Burckhardt las nicht nur aus seinem Buch "Diese ganze Scheiße mit der Zeit", sondern erzählte jüdische Witze, rezitierte Gedichte, gab Bon Mots und Aphorismen zum Besten.

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Hubertus Meyer-Burckhardt ergänzte seine Lesung teilweise durch charmantes Parlieren. Foto: Heinzel

Hubertus Meyer-Burckhardt ergänzte seine Lesung teilweise durch charmantes Parlieren. Foto: Heinzel

"Die Griechen sind genial. Sie könnten Kölner sein", sagte Hubertus Meyer-Burckhardt selber, "Anti-Aging sei genauso intelligent, wie eine Katzenklappe auf dem U-Boot", stammt von Ulla Meineke, "Das Glück ist das Talent für das Schicksal" von Novalis. Dies sind nur 3 von vielen möglichen Zitaten aus der Open-Air-Lesung von Hubertus Meyer-Burckhardt in Visbek. Es war ein lockerer, manchmal flapsiger, meist humorvoller Abend, der aber auch durchaus seine ernsten und nachdenklichen Momente besaß.

Der 65-Jährige offenbarte Biografisches, Philosophisches und seinen Sinn für Humor und Zitate. Es war eine wunderbare Mischung aus Passagen seines Buches "Diese ganze Scheiße mit der Zeit", Anekdoten, Witzen und Aphorismen. Gefühlt war es ein Abend mit einem gebildeten und weltgewandten Freund, der einen auf eine kleine Entdeckungsreise mitnimmt. Als Wegstationen kamen unter anderem die Krebsdiagnose des gebürtigen Kasselers und die Benennung seiner beiden Karzinome als "Kafka" und "Shaw", seine Schulzeit sowie seine Gedanken über die Zeit mit der Erwähnung von Chronos und Kairos vor.

Hubertus Meyer-Burckhardt nannte Visbek einen schmucken Ort, der Bürgerstolz ausstrahle

Doch am Anfang des Abends stand die Schilderung der ersten Eindrücke Meyer-Burckhardts bezüglich des Veranstaltungsortes Visbek. Er informiere sich vor einer Lesung immer über den Ort, an dem er auftreten werde. Zum einen interessiere es ihn ganz persönlich, und zum anderen empfinde er es als ein Gebot der Höflichkeit gegenüber den Besuchern. Hubertus Meyer-Burckhardt bezeichnete Visbek als einen schmucken Ort, dem man einen gewissen Bürgerstolz anmerke. Er gratulierte einem anwesenden Geburtstagskind und erzählte diesem und dem Rest der Anwesenden einen jüdischen Witz, gefolgt von der Rezitation von Tucholskys "Das Ideal". Damit setzte Hubertus Meyer-Burckhardt den Ton für den Abend.

Der Autor las mit vollem Körpereinsatz, sprich Stimmmodulation, Gestik und Mimik unterstützten den Vortrag der ausgesuchten Passagen aus seinem Buch. Dabei konnte er sich manch zusätzlichen Kommentar nicht verkneifen. Als er das Thema "Zeit" ansprach, kam er auf das Zitat "Der sinnstiftende Horizont der Zeit ist der Tod" von Martin Heidegger zu sprechen: "Ein typischer Heidegger. Danach müssen Sie einen Schnaps trinken." Was er aber nicht tat. Er schilderte auch eine Begegnung mit Uisenma Borchu, die renommierte Regisseurin war als Kind von der Mongolei nach Deutschland übergesiedelt und Hubertus Meyer-Burckhardt fragte sie, was sie im Hinblick auf die Zeit in der deutschen Sprache am erstaunlichsten finde. Sie antwortete: die Formulierung "Ich habe keine Zeit", denn dafür gebe es im Mongolischen keine Übersetzung.

Hubertus Meyer-Burckhardt sorgte für mehr als einen Lacher während seiner Open-Air-Lesung in Visbek. Foto: HeinzelHubertus Meyer-Burckhardt sorgte für mehr als einen Lacher während seiner Open-Air-Lesung in Visbek. Foto: Heinzel

Biografisches teilte er den Besuchern ebenfalls mit. So habe er einmal eine Beziehung um ein halbes Jahr verlängert, obwohl sie eigentlich schon beendet war, weil er sich gedacht habe: "So einen Schwiegervater kriegste nie wieder." Ebenfalls erfuhren die Anwesenden, das Rainer Maria Rilke sein "dichterischer Hero" sei, der gesagt hatte: "Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest." Zwischendurch streute Meyer-Burckhardt noch seine Beobachtungen zu den Unterschieden zwischen Katholiken und Protestanten oder auch ein weiteres Gedicht wie Erich Kästners "Sachliche Romanze" ein.

"Ich möchte mir keine Städte ohne Buchhandlungen vorstellen müssen."Hubertus Meyer-Burckhardt

Die Open-Air-Lesung wurde nie langweilig, Meyer-Burckhardt verstand es, einen Spannungsbogen zu erzeugen und zu halten, an dessen Ende der Besucher noch mehr wollte. "Ich möchte mir keine Städte ohne Buchhandlungen vorstellen müssen", wies er bereits während der Lesung auf den Büchertisch hin. Hier signierte er nach seinem Vortrag noch fleißig Bücher.

Sein am Anfang des Abends gegebenes Versprechen hatte er gehalten. Hubertus Meyer-Burckhardt hatte gesagt: "Am Ende werden Sie lächeln." Nun, so war es dann auch.

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