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„Der Glauben ist frei“

Heute: Dennis S. derzeit JVA Männer, Vechta. 30 Südoldenburger und ihre Gedanken zu Kreuz und Christentum: Das ist der Stoff der Serie „Mut zum Kreuz“.

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Dennis S. verbüßt eine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt für Männer an der Willohstraße in Vechta. Das Stacheldraht umwickelte Kreuz in der Gefängniskirche sieht der 23- Jährige aus einem besonderen Blickwinkel.

„Ich bin seit 2014 in der JVA für Männer in Vechta. Hier habe ich wieder einen Bezug zum Glauben gefunden. Das Kreuz in der Gefängniskirche hat mir geholfen. Es ist einzigartig und fesselnd. Das Kreuz symbolisiert für mich einen gesellschaftlichen Zusammenhalt, und wenn man so will, auch die Erlösung. Früher wollte ich darüber nicht so richtig nachdenken. Dazu war ich zu faul und auch zu feige. Offenheit, Liebe, Ehrlichkeit – auch die Gruppengespräche in der Kirche, habe ich abgelehnt. Ich wollte keine Lebensumstellung.

Als Kind bin ich oft in die Kirche gegangen und fand das auch gar nicht schlecht. Dann wurde das irgendwann gezwungen und ich habe mehr mit meinen Freunden rumgehangen. Das Interesse am Glauben bröckelte. Nach der Konfirmation gab es eine große Erwartungshaltung, die ich nicht erfüllen wollte. Auch meine Oma stand nicht mehr so richtig dahinter.

Ich saß schon mal im Gefängnis, im Jugendvollzug in Hameln. Da bin ich auch in die Bibelgruppe gegangen, aber eher um aus dem Haftraum heraus zu kommen. Hier in Vechta versuche ich, ehrlich zu sein. Ehrlich mit mir. Ich denke, dass der Glauben mich weiter bringen muss, wenn so viele Menschen an Gott glauben, oder? Aber ich habe gemerkt, dass es bei einem selber anfängt. Ich vertraue mich ungern anderen Menschen an, aber dem Herrgott kann ich mich anvertrauen und muss nicht mehr lügen. Gott weiß alles.

Geholfen hat mir Pastor Helmuth Schomaker in vielen Gesprächen. Er hat gesagt, erzähl mir das, was du möchtest, und hat mich nicht gedrängt. Er hat mich nie abgewiesen.

Als ich zum ersten Mal in der Gefängniskirche war, habe ich mich gefragt, warum dort ein Kreuz umgeben von Stacheldraht hängt. Der Pastor hat mir erklärt, was das Kreuz symbolisiert. Und dass die blau-weißen Streifen der Häftlingskleidung der KZ-Insassen nachempfunden sind.

Zu dem Stacheldraht um das Kreuz habe ich mir meine eigenen Gedanken gemacht: Teilweise finden Menschen erst in schlechten Situationen zu Gott. Der Stacheldraht hält die Menschen ab, von drinnen nach draußen zu kommen, und umgekehrt. Aber das Kreuz lässt einen alle Zäune überwinden. Wenn man das Kreuz als Symbol für den Glauben sieht, dann ist das Kreuz frei – trotz des Stacheldrahts, der es umgibt. Der Glauben ist frei.“

Fakten

  • Am 13. August: Oliver Hölters aus Dinklage.
  • „Mut zum Kreuz!“ ist ein Projekt der Kardinal-von-Galen Stiftung Burg Dinklage, der OV und der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg.
  • Anlass für das Projekt sind der 70. Todestag des Seligen Clemens August Kardinal von Galen im März 2016 und die Rückschau auf den Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland vor 80 Jahren.
  • Der 1878 auf Burg Dinklage geborene Kardinal predigte gegen die Euthanasie-Morde der Nazis. Im Kreuzkampf protestierten 1936 Südoldenburger öffentlich und mit Erfolg gegen die von den Nazis angeordnete Entfernung der Kreuze aus katholischen Konfessionsschulen.
  • Ab dem 18. September findet eine Ausstellung auf Burg Dinklage statt.
  • Im November erscheint ein Buch zum Thema.
  • „Mut zum Kreuz!“ wird unterstützt von der LzO und der CEWE-Gruppe in Oldenburg.

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