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Der "Diplom-Metallgestalter" aus dem Oldenburger Münsterland

Gästebuch: Was will uns der Künstler wohl damit sagen, fragen sich verzweifelt die Besucher des Gerichts sowie die Spaziergänger im Cloppenburger Stadtpark.

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Den Spatzendreck kann man versuchen wegzukratzen. Es geht wohl auch wischend mit einer ätzenden Flüssigkeit. Man muss natürlich nah genug herankommen. Dafür übersteigt man möglichst breitbeinig eine 50 Zentimeter breite Hecke, unmittelbar unter dem Direktoren-Fenster.

Nun kann man die Fläche bearbeiten. Die alles verätzende Flüssigkeit macht dem Untergrund nichts aus. Der rostbraune Stahl hält jeden Vogelschiss aus, trocknet und konserviert ihn. Er heißt Corten-Stahl, ist wetterfest und wird laut Eigenwerbung schon seit vielen Jahrzehnten wegen seiner besonderen Ästhetik, seiner natürlichen Rostfärbung von Künstlern für ihre Skulpturen und Kunstwerke genutzt. Vielleicht auch von Meister Gockel, dem Künstler mit dem Riesenrad in Lastrup. Auf jeden Fall aber von Alfred Bullermann, dem Metaller mit der schrägen Mütze, dem Schmied mit dem festen Händedruck, dem feinen Kerl aus Friesoythe.

Alfred Bullermann ist auch ein Künstler, stammt aus Cloppenburg (woher sonst?) und lebt und arbeitet in Friesoythe. Zahllose Werke hat er geschaffen, vom Gingko-Blatt bis zum Lampenputzerlicht im Kolumnisten-Garten, unzählige Preise errungen, vielfach geehrt. Für Friesoythe, die ohne ihn nicht „Eisenstadt“ hieße, ist er ein wahrer Glücksfall. Kein Künstler hat das Oldenburger Münsterland so sehr geprägt wie der „Diplom-Metallgestalter“, so seine etwas sperrige Berufsbezeichnung.

Die besondere Ästhetik lässt sich vor dem Cloppenburger Amtsgericht nicht finden

Das mit der „besonderen Ästhetik“ des Corten-Stahls mag ja für Mies van der Rohe und sein Hochhaus in Chicago gelten. Für die Stümpfe vor dem Cloppenburger Amtsgericht kann man das definitiv nicht behaupten. Vor dem Hauptgebäude ragt aus dem Boden wie nach einer Amputation der leicht gebogene Stumpf aus wetterfestem Roststahl in die Höhe und wiederholt sich nochmal wenige Meter weiter vor dem Nebengebäude. Dazwischen liegt ein Rost-Bogen im Gebüsch, nur mit Mühe findbar. Soll wohl die Verbindung symbolisieren.

Wenn man genug eingetrockneten Dreck beseitigt hat, werden auf der Schnittfläche des amputierten Gliedmaßes Buchstaben erkennbar. Nicht sämtliche natürlich. Aber es ist wohl kurz die Geschichte des Amtsgerichts und des Amtshauses. Das Gründungsjahr 1909 ist immerhin noch zu erkennen. Aber nur, wenn man über die breite Hecke kraxelt. Sonst Fernglas mitbringen.

„Das soll jetzt was sein“, lästerte stets Angelika, wenn etwas gewollt und nicht so ganz gekonnt erschien. Es kann einem ja nicht alles gelingen, verehrter Roststahl-Meistro. Knapp vorbei ist aber auch daneben, selbst wenn man sich bemüht hat. Was will uns der Künstler wohl damit sagen, fragen sich verzweifelt die Besucher des Gerichts sowie die Spaziergänger im Stadtpark.

Für den Vogeldreck kann der Künstler nichts, aber für die Reinigung

Manche schütteln ob der unverständlichen Kunst mehr den Kopf als über das gerade über sie ergangene Urteil. Kommt Kunst von Können? Für den Vogeldreck kann der Künstler nichts. Der Spatz entleert sich auf dem höchsten Stumpf. Aber für die Reinigung kann man was. Hat ja auch mit Ästhetik zu tun. Vielleicht können der Künstler Alfred Bullermann und der Amtsgerichtsdirektor Thomas Cloppenburg, beide aus Friesoythe, sich gemeinsam auf dem hansestädtisch kurzen Dienstweg der Sache annehmen.

Im eigenen Interesse als Künstler oder als Hausherr. Und zu unser aller Freude und Genugtuung. Wenn man schon ein Kunstwerk nicht versteht, so soll es doch wenigstens sauber sein und rein.


Zur Person:

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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