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Das Metropoltheater wird zum "Käfig voller Narren“

In der Komödie "La Cage aux Folles“ geht es schrill und bunt zu . 180 Besucher erleben einen unterhaltsamen Abend – mit der Botschaft: Toleranz und Liebe sind der Schlüssel zum Glück.

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Macht auch mit Maske eine schrille Figur: Lilo Wanders alias Zaza alias Albin. Foto: Simone Brauns-Bömermann

Macht auch mit Maske eine schrille Figur: Lilo Wanders alias Zaza alias Albin. Foto: Simone Brauns-Bömermann

Wenn Phallus-Büste gegen Madonna getauscht wird, kann das nicht bis zum Schluss gutgehen. Im Metropoltheater Vechta, das bestimmt schon viel Buntes auf der Bühne in seinen Anfangsjahren der wilden 1950/60er Jahre gesehen hat, wurde es am Montagabend schrill, bieder und wieder schrill.

Mit dem Bühnenstück "Ein Käfig voller Narren“, der Komödie von Schauspieler und Autor Jean Poiret, tauchte das klassische Theater seine roten Samtsessel in zartes Rosé, garniert mit Leopardendruck und viel Glitzer und Glamour. Auf der Bühne: Der Haushalt von Georges (ein hervorragender Gregor Eckert) und Albin (Lilo Wanders).

Berühmte Adaptionen des Stoffes

"La Cage aux Folles“ heißt gar nicht "Ein Käfig voller Narren“, sondern eigentlich aus dem Französischen übersetzt "Ein Käfig mit Närrinnen“. "La Cage aux Folles“ steht für den Erfolg des Theaterstücks von Poiret (1973), den Film von Edouard Molinario (1978), das Musical von Jerry Herman und Harvey Fierstein (1983) und den US- Film "The Birdcage – Ein Paradies für schrille Vögel“ von Mike Nichols (1996) mit Starbesetzung Robin Williams und Gene Hackman. Und um die Verwirrung zu komplettieren: Eigentlich hieß das Erfolgsstück ursprünglich "Männer sind doch bessere Frauen“.

Sie drohen aufzufliegen: Zaza (Lilo Wanders, rechts) ist der allabendliche Star im Nachtclub La Cage aux Folles“. Sie ist ein Er, heißt Albin und lebt homosexuell mit Georges (Gregor Eckert) seit über 20 Jahren zusammen. Foto: Simone Brauns-BömermannSie drohen aufzufliegen: Zaza (Lilo Wanders, rechts) ist der allabendliche Star im Nachtclub „La Cage aux Folles“. Sie ist ein Er, heißt Albin und lebt homosexuell mit Georges (Gregor Eckert) seit über 20 Jahren zusammen. Foto: Simone Brauns-Bömermann

Egal. Die kleinen Dialoge, die Georges mit seinen alternden "Damen“ Albin und Animierdame Mercedes (Andreas Werth) im Obergeschoss des "La Cage aux Folles“ führt, sind der rote Faden des Wohn-Leben-Arbeiten-Projekts über Gender-Grenzen hinweg. Die sind nicht für Lacher geeignet. Das sind eher die raumfüllenden Ulk-Nummern von Wanders und "Hausmädchen“ Jakob (Gurmit Bhogal): "Immer stehe ich hinter die Töpfe.“

Was passiert, wenn ein homosexuelles Paar (Georges und Albin) ihrer wie ein Kokon gehüteten pinken Welt mit Federboa und Seidenmorgenmantel einen Anstrich von Bürgerlichkeit mit Anzug- und Kostüm-Dresscode geben, das fand auf der Bühne für die 180 Besucher nach 3G-Reglement statt. Damit war das Theater ausverkauft.

"Im Bett bin ich die Frau."Nachtclubbesitzer Georges 

Das Verwirrspiel beginnt mit einem Nebensatz von Nachtclubbesitzer Georges: "Im Bett bin ich die Frau.“ Das Gehirn muss flexibel sein im Stück: Aussehen, Sein und Schein auf Spur bringen. Als Sohn Laurent (David Imper) als "Produkt eines Versehens“ der Liaison mit der echten Frau Simone (Annette Schneider) die erzkonservativen Schwiegereltern seiner Braut Muriel (Jana Engel) nach Hause einlädt, wird es kompliziert. "Wie macht man aus dem Salon eines schwulen Paares ein Herren-Raucher-Zimmer?“, ist das Synonym für die geplante Verwandlungskunst, damit die Hochzeit des Sohnes nicht platzt.

Der zentrale Satz ist "Buttere Deinen Toast wie ein Mann“, das fordert Georges von seiner Frau Albin als Probe für den Besuch der Spießer. Dass der Vater der Braut, Monsieur Dieulafoi (Hannes Ducke), Vorsitzender des Verbandes CSB (Christlich Sozialer Bauern) ist, dazu lacht das Vechtaer Publikum natürlich. Und klar: Die homosexuellen Gastgeber müssen im 3. Akt auffliegen, denn wenn es im Familienleben ernst wird, egal in welcher Konstellation, geht es um Authentizität.

Kult-Song "I Am What I Am" darf nicht fehlen

Der Kult-Song "I Am What I Am“ von Gloria Gayner, die Hymne des Drag-Queen-Milieus, benennt es mit "I Am What I Am, I Am My Own Special Creation“. Mehr muss nicht gesagt werden und Diskussionen über Identitäten, Gender und Patchworkfamilien fallen heute ein Stück leichter als 1973, als Poiret uraufführte. Wenn die Toleranz dann so bunt und schrill das festgefahrene Denken ankratzt, umso besser.

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