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„Das Kreuz ist ein Störfaktor im positiven Sinn“

Heute: Dr. Robert Berges aus Cloppenburg. Südoldenburger und ihre Gedanken zu Kreuz und Christentum: Das ist der Stoff der Serie „Mut zum Kreuz“.

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Bis 1996 schmückte ein Kreuz des 1907 in Cloppenburg geborenen und 1968 in Berlin verstorbenen Künstlers Paul Dierkes die Augustinus-Kirche in Cloppenburg. Dann verschwand die abstrakte Kunst des bekannten Bildhauers auf einem Dachboden. Ein neuer Pfarrer und Teile der Kirchengemeinde rieben sich zu sehr an diesem Kreuz. Dr. Robert Berges sorgte dafür, dass es in der neuen Mensa des Clemens-August-Gymnasiums aufgehängt wurde.

„Du sollst Dir kein Bildnis machen, heißt es in der Bibel. Für mich geht es dabei um die Darstellung des Unvorstellbaren. Hat deshalb die abstrakte Kunst eine größere Berechtigung gegenüber der gegenständlichen? Ich bin davon überzeugt, dass beide Gestaltungsbemühungen legitim sind, weil beide Kunstrichtungen glaubensorientiert sind und die Darstellung des Unvorstellbaren anstreben.

Ich habe Verständnis dafür, dass Menschen nach Gegenständlichem und Erkennbarem suchen. Wenn Gläubige auf ungewohnte Darstellungen stoßen, die ihre Aufnahmebereitschaft herausfordern, reagieren sie wegen ihrer verstandesgemäßen Begrenztheit mit Abwehr. Für mich haben Gegenständlichkeit und Abstraktes gleichermaßen ihre Berechtigung. Abstrakt meint aber nicht Inhaltslosigkeit. Bilder sind schließlich nicht dazu da, sie zu konsumieren, sondern mit ihnen zu kommunizieren.

Eine solche Darstellung, die mich zum Kommunizieren herausfordert, ist das Kreuz von Paul Dierkes, an dem ich sehr hänge. An Kreuzen, die wir tausendmal gesehen haben, gehen wir gedankenlos vorbei. Dieses aber sorgt für Irritation, für Nachdenklichkeit und auch für Ablehnung. Es ist ein Störfaktor im positiven Sinn.

Die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi, dieses ,Geheimnis des Glaubens', ist für uns Christen im Gottesdienst eine stetige Herausforderung, Anlass für gläubiges Staunen über das Unvorstellbare, ein Weckruf zur Suche nach Gott. Das Dierkes-Kreuz unterstützt mich bei der Suche und fordert mich dazu auf. Wer glaubt, Gott gefunden zu haben, hat ihn bereits verloren. Wir müssen die Sensibilität bewahren, ewig nach ihm zu suchen.

Als ich meine Idee, das Dierkes-Kreuz in der neuen Mensa aufzuhängen, dem damaligen Landrat Hans Eveslage vortrug, war er Feuer und Flamme. Nach dem Einverständnis der Kirche wurde das Kreuz restauriert und auf neues Holz gesetzt. Nun hat es im Neubau des Clemens-August-Gymnasiums einen würdigen Platz erhalten. Dort soll es Schüler zum Nachdenken über das Unvorstellbare anregen und auch irritieren.“

Fakten

  • 1. Oktober: Gregor Osterloh aus Vechta.
  • „Mut zum Kreuz!“ ist ein Projekt der Kardinal-von-GalenStiftung Burg Dinklage, der OV und der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg.
  • Anlass für das Projekt sind der 70. Todestag des Seligen Clemens August Kardinal von Galen im März 2016 und die Rückschau auf den Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland vor 80 Jahren.
  • Der 1878 auf Burg Dinklage geborene Kardinal predigte gegen die Euthanasie-Morde der Nazis. Im Kreuzkampf protestierten 1936 Südoldenburger öffentlich und mit Erfolg gegen die von den Nazis angeordnete Entfernung der Kreuze aus katholischen Konfessionsschulen.
  • Seit dem 18. September findet eine Ausstellung auf Burg Dinklage statt.
  • Im November erscheint ein Buch zum Thema.
  • „Mut zum Kreuz!“ wird unterstützt von der LzO und der CEWE-Gruppe in Oldenburg.

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