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Das Kreuz inspiriert Künstler in jeder Zeit

Es war eines der ersten Orientierungszeichen der Menschen und ist als Symbol sehr viel älter als das Christentum. Südoldenburger und ihre Gedanken zu Kreuz und Christentum:

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Das Kreuz spielt heute vor allem als Zeichen von Tod und Sterben eine Rolle – Kreuze am Straßenrand und anderen Todesorten. Ein Kreuz hinter dem Namen eines Menschen heißt, er lebt nicht mehr. Riesengroße Kreuze in schwarz-rot-goldenes Tuch genäht tauchten im vergangenen Jahr bei Pegida-Märschen auf.

Das Kreuz als Symbol ist sehr viel älter als das Christentum. Es existiert bereits in der Vor- und Frühgeschichte. Es ist eines der ersten Orientierungszeichen, mit dem sich der Mensch auf kosmische Weise in der Welt zurechtzufinden versucht hat.

„Der auf seinen Beinen aufrecht stehende Mensch durchkreuzt den Horizont. Am Strand, in der Wüste, der Ebene, immer sieht sich der Mensch als einziges Wesen aufrecht auf einer ausgebreiteten Erde.“ (Peter B. Steiner). Wenn er dabei seine Arme ausstreckt, erinnert der Mensch an einen Baum, der in der Form des Kreuzes vom Stamm aus seine Äste ausbreitet. Tatsächlich ist der Baum ein universelles, mythologisches Symbol für Leben.

Das gleichschenklige Kreuz – das Griechische Kreuz – ist einer der frühesten Hinweise auf den kosmischen Ort des Menschen zwischen Himmel und Erde, Himmel und Hölle. Vom Mittelpunkt des Kreuzes aus erklärt sich der Mensch das Weltgefüge mit seinen vier Himmelsrichtungen.

In der Tradition altchristlicher Symbolik wird das Kreuz ein Heilszeichen, weil es angesichts der Auferstehung Christi vom Sieg des Lebens über den Tod zeugt. Erste Kreuze als Heilszeichen tauchen im 4. Jahrhundert an der Ostwand christlicher Wohnungen in Form kleiner griechischer Kreuze auf. Die Ausrichtung auf den Sonnenaufgang deutet auf die Hoffnung von der Wiederkehr Christi in die Welt. Berühmtestes Beispiel für den Zusammenhang von Baum und Kreuz als Symbol des Lebens in der frühen christlichen Kunst ist das Apsismosaik in San Clemente in Rom von 1127. Das Kreuz steht aufrecht in einem Sockel aus üppigen Akanthusblättern, die sich aus dem Stamm heraus über die ganze Apsis verbreiten und verzweigen. Die bunten Blumen und Vögel im Baum geben ein feierliches Bild der lebendigen Kirche. Bis heute wird in der Karfreitagsliturgie der Zusammenhang von Kreuz und Baum im Hymnus auf das heilige Kreuz besungen: „Treues Holz vor allen Bäumen/Einzig du an Ehren reich/Denn an Zweigen, Blüten, Früchten/Ist im Wald kein Baum dir gleich“.

Etwa ab dem 8. Jahrhundert entwickelt sich das Kreuz zum Kruzifix. Aus dem Symbol wird ein Bild. Kreuz und Kruzifix sind unbedingt zu unterscheiden. Das Kreuz mit dem kurzen Querbalken erinnert an das reale Passionskreuz Christi mit dem Kruzifixus, dem am Kreuz befestigten Leib. Diese Kreuzesform als Bild des Gekreuzigten bleibt bis ins 20. Jahrhundert zentraler Gegenstand christlicher Kunst und wird das lateinische Kreuz genannt. Kreuzigungen galten im Römischen Reich als die qualvollste Art des Tötens, ein Zeichen größter Schande. Gekreuzigt wurden Sklaven und Aufrührer, niemals ein „freier Römer“.

Frühe mittelalterliche Kruzifixe stellen jedoch nicht die grausame Wirklichkeit dieser Todesart dar. Christus ist nicht entblößt, sondern wie ein König in ein priesterliches Gewand gekleidet. Er hängt nicht eigentlich am Querbalken des Kreuzes, eher sind seine Arme wie zum Segen ausgebreitet.

Die Grausamkeit des Kreuzestods wird erst im Hoch- und Spätmittelalter Gegenstand christlicher Kunst. Zunehmend rückt die menschliche Seite der Passionsgeschichte in den Vordergrund. Christus der Schmerzensmann. Drastische Wunden machen die Leiderfahrung der Menschen durch Kriege, Hungersnöte, Seuchen im gequälten Menschensohn Gottes anschaulich.

Bekannt für seine erschütternde Darstellung ist der Isenheimer Altar von Matthias Grünewald (1515). Das Drama zwischen dem gottverlassenen Mensch und Gott könnte nicht eindringlicher sein. Dem Menschen im Zeitalter der Aufklärung sind solche Grausamkeiten unerträglich. Er möchte den unversehrten Leib sehen - Christus der schönste aller Menschen (Ps 45). Keine Wunde, keine Blutspur darf den göttlichen Leib des Gekreuzigten verunstalten [Guido Reni, Rom, 1638].

Das 20. Jahrhundert mit seinen „modernen“ Gewaltexzessen hat das Kruzifix mit dem Gemarterten im Expressionismus ins Bild gerückt (Kreuzigung von Lovis Corinth, 1922 oder Plötzenseer Totentanz von Alfred Hrdlicka, 1970). Am Ende des 20. Jahrhundert droht der christliche Glauben seine Bedeutung im Leben der Menschen und auch als Bildsprache im öffentlichen Raum zu verlieren. Umso bedeutsamer ist es, sich des Kreuzes als des zentralen Symbols der christlichen Leitkultur immer wieder zu vergewissern.

Fakten

  • Am 27. Juli: Konrad Niemeyer aus dem Saterland.
  • „Mut zum Kreuz!“ ist ein Projekt der Kardinal-von-Galen Stiftung Burg Dinklage, der OV und der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg.
  • Anlass für das Projekt sind der 70. Todestag des Seligen Clemens August Kardinal von Galen im März 2016 und die Rückschau auf den Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland vor 80 Jahren.
  • Der 1878 auf Burg Dinklage geborene Kardinal predigte gegen die Euthanasie-Morde der Nazis. Im Kreuzkampf protestierten 1936 Südoldenburger öffentlich und mit Erfolg gegen die von den Nazis angeordnete Entfernung der Kreuze aus katholischen Konfessionsschulen.
  • Ab dem 18. September findet eine Ausstellung auf Burg Dinklage statt.
  • Im November erscheint ein Buch zum Thema.
  • „Mut zum Kreuz!“ wird unterstützt von der LzO und der CEWE-Stiftung in Oldenburg.
  • Dr. Johanna Wördemann ist freie Autorin in Berlin. Sie war zuvor als Redakteurin und Lektorin beim Erzbistum Berlin und beim Morus-Verlag beschäftigt.

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