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„Das Kreuz gibt mir Halt“

Heute: Thomas Niehaus aus Vechta. Südoldenburger und ihre Gedanken zu Kreuz und Christentum: Das ist der Stoff der Serie „Mut zum Kreuz“.

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Thomas Niehaus wurde 1964 in Barßel als einziger Sohn einer Gastronomenfamilie geboren. Er kam 1985 nach Vechta. Wegen einer psychischen Erkrankung ist er Rentner. Er sammelt Kreuze und Heiligenfiguren. Sie sind für ihn eine Verbindung zu Verstorbenen.

„Ich habe nur ein großes Zimmer zum Leben. Das steht voll von Kreuzen und Heiligenfiguren. Die haben alle eine Bedeutung für mich. Viele sind Geschenke. Zum Beispiel ein Kreuz von einem Pfarrer aus Israel mit drei Steinen aus dem Saal, in dem das letzte Abendmahl gehalten wurde. Der Pfarrer war lange mein Brieffreund.

Am wichtigsten ist für mich aber die Kreuzigungsgruppe. Die ist etwas Besonderes. Das Kreuz gibt mir Halt. Es ist für mich ein Symbol, dass am Ende alles gut wird, dass ich die Menschen wieder sehe, die ich verloren habe. Daran glaube ich ganz fest.

Mein Leben war ein ziemliches Auf und Ab. Mein Vater ist früh gestorben, im Jahr 1976. Ich war elf Jahre alt. Meine Mutter und ich wussten, dass er nicht lange leben würde: Er war ziemlich krank seit dem Krieg. Er hatte einen Stecksplitter im Kopf und nur ein Auge.

Erziehung, das lief bei uns nebenbei. Wir hatten ein Hotel mit einer Gastwirtschaft in Barßel. Da gab es immer Arbeit. Und ich hatte immer Kindermädchen, die sich um mich gekümmert haben. Und als mein Vater einige Jahre tot war, hat meine Mutter mich auf ein Internat geschickt, in Thuinen im Emsland. Das ist ein Franziskanerinnenkloster mit Schule.

Ich bin sehr religiös erzogen worden. Ich glaube heute, wenn man keine Religion hat, dann kann man gar nicht richtig leben. Mich hat mein Glaube immer aufgefangen, wenn es mir schlecht ging. 1985 sind meine Mutter und ich nach Vechta gezogen. Auf unserem Haus waren zu viele Hypotheken. Mein Vater ist zu früh gestorben. Er hatte wohl gedacht, er könnte mehr abzahlen. Wir haben alles verkauft. Ich habe dann einige Jahre im Andreaswerk gearbeitet, bis das mit meiner Mutter passiert ist.

Ich habe sie irgendwann morgens gefunden. Sie lag vor dem Kühlschrank in der Küche. Sie hatte einen Schlaganfall. Im Krankenhaus ist mir dann gesagt worden, sie könnten nichts für sie tun. Sie muss in ein Pflegeheim. Gestorben ist sie an einer Lungenentzündung – banalerweise.

Ich bin dann in ein tiefes Loch gefallen. Depressionen. Ich werde von einem Arzt behandelt. Mir geht es jetzt wieder gut. Das ist wichtig, dass ich gute Freunde habe, meine Ersatzfamilie. Ich habe mein Kreuz zu tragen. Aber ich finde, ohne Kreuz ist man eigentlich niemand.“

Fakten

  • 27. August: Ingrid Maaß aus Neuenkirchen-Vörden.
  • „Mut zum Kreuz!“ ist ein Projekt der Kardinal-von-Galen Stiftung Burg Dinklage, der OV und der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg.
  • Anlass für das Projekt sind der 70. Todestag des Seligen Clemens August Kardinal von Galen im März 2016 und die Rückschau auf den Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland vor 80 Jahren.
  • Der 1878 auf Burg Dinklage geborene Kardinal predigte gegen die Euthanasie-Morde der Nazis. Im Kreuzkampf protestierten 1936 Südoldenburger öffentlich und mit Erfolg gegen die von den Nazis angeordnete Entfernung der Kreuze aus katholischen Konfessionsschulen.
  • Ab dem 18. September findet eine Ausstellung auf Burg Dinklage statt.
  • Im November erscheint ein Buch zum Thema.
  • „Mut zum Kreuz!“ wird unterstützt von der LzO und der CEWE-Gruppe in Oldenburg.

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