Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Dammer Domfestspiele handeln vom Kampf um Kreuze und die Freiheit

Der zwischendurch bei der Premiere am Donnerstag fallende Regen störte die Zuschauer nicht. Gebannt verfolgten sie das Stück "Vom Jungen, der Hitlers Pläne durchkreuzte".

Artikel teilen:
Das Kollegium tagt: In die Lehrerinnen- und Lehrerrollen schlüpften bei der Premiere am Donnerstag (von links): Jessica Ewald, Antonette Hausfeld, Lena Völkerding, Beate Klöker, Günter Hausfeld, Nena Welzel, Dorothe Schulte, Uli Finkemeyer, Steffen Theile und Frank Westerhaus. Foto: Lammert

Das Kollegium tagt: In die Lehrerinnen- und Lehrerrollen schlüpften bei der Premiere am Donnerstag (von links): Jessica Ewald, Antonette Hausfeld, Lena Völkerding, Beate Klöker, Günter Hausfeld, Nena Welzel, Dorothe Schulte, Uli Finkemeyer, Steffen Theile und Frank Westerhaus. Foto: Lammert

Der Kreuzkampf im Oktober und November 1936 im Oldenburger Münsterland zur Zeit des Nationalsozialismus, als sich die Bevölkerung erfolgreich dagegen wehrte, dass der Nazi-Befehl umgesetzt wurde, die Kreuze aus den Klassenzimmern zu verbannen: Das ist schwere Kost bei einem Theaterstück. Bernd Kessens hat sich trotzdem an den Stoff gewagt und für die 3. Dammer Domfestspiele des Vereins Theater Dammer Berge das Stück "Vom Jungen, der Hitlers Pläne durchkreuzte" geschrieben.

Er führt auch Regie, sowohl bei der Premiere am vergangenen Donnerstag auf der Bühne vor dem St.-Viktor-Dom, als auch bei den Vorstellungen an diesem Samstag und Sonntag sowie von Donnerstag bis Sonntag nächster Woche, jeweils ab 19.30 Uhr. Für alle Vorstellungen, bis auf die an diesem Samstag, gibt es noch Karten in der Buchhandlung Im Alten Rathaus.

Chor glänzt vor allem zu Beginn des zweiten Teils

Dass die Premiere am Donnerstag teilweise etwas verregnet war, störte im Publikum niemanden. Zu bewegend, zu fesselnd war das Geschehen auf der Bühne mit einem Mix aus Schauspielszenen, Filmen, Liedern und den Auftritten des Chores, der aus Mitgliedern des Kirchenchores Osterfeine und des St.-Viktor-Chores besteht und der unter Leitung Dr. Gabriel Isenbergs vor allem zu Beginn des zweiten Teils nach der Pause mit einem monumentalen Gesang tief beeindruckt. Wobei die Filme und die von Saskia Volbers und Johannes Schneppat gesungenen Lieder geschickt zwischen den Szenen überleiten.

Immer wieder sehen die Zuschauer während der mehr als 2-stündigen Vorstellung auch Verknüpfungen zwischen dem Damals sowie dem Hier und Jetzt und damit die Warnung vor der Rückkehr einer Diktatur in Deutschland. Etwa wenn der Satz fällt: "Die Nazis sind keine Alternative für Deutschland."

"Wir leben in einer Diktatur, da muss man schweigen."Lehrerin Klara Spille

"Es ist ein großes Theater mit einem Fingerzeig zu Zivilcourage und Religionsfreiheit", sagt Bernd Kessens, nachdem am Donnerstag der letzte Vorhang symbolisch gefallen ist. Zivilcourage und Religionsfreiheit, weil es in dem Stück insbesondere die beiden Jugendlichen Julius (Fietje Koch) und Paul (Paul Möller) sind, die ganz offen für das Kreuz als Zeichen der Glaubensfreiheit und des Widerstandes eintreten.

Und letztlich ist es ihr Tun, das auch die Religionslehrerin und gläubige Katholikin Klara Spille (abwechselnd bei den Vorführungen gespielt von Jessica Ewald und Viktoria Themann) mitreißt, die zunächst das Eintreten für das Kreuz in der breiten Öffentlichkeit aus Furcht vor nationalsozialistischen Repressionen ablehnt.

So sagt die Lehrerin: "Wir leben in einer Diktatur, da muss man schweigen." Dennoch hilft sie, eher unfreiwillig, ein Kreuz öffentlich auf dem Marktplatz aufzurichten.

Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert
Foto: Lammert

Eine Liebe scheitert letztlich am Nationalsozialismus

Eingewoben hat Bernd Kessens den Kampf um das Kreuz, bei dem Nazis den Schüler Paul sogar krankenhausreif schlagen, in zwei Liebesgeschichten. Zunächst ist Klara Spille mit dem 100-prozentigen Nazi und Lehrer Albert Höcker (Frank Westerhaus, alternativ Klaus Kalkhoff) liiert, bis sie sich von ihm lossagt: "Du bist das Ergebnis einer verkorksten politischen Erziehung." Sie verliebt sich in ihren Kollegen Günter Gunter (Günter Hausfeld), ein liberaler Lehrer, der das Publikum mit seiner Hitler-Parodie begeistert.

Zudem wird der Zuschauer Zeuge der Intrigen der Nazi-Lehrer im Lehrerkollegium, denen es sogar gelingt, die ungeliebte Schulrektorin absetzen zu lassen. Und in einem ihrer Dialoge wird klar, warum die Kreuze aus den Klassenzimmern verschwinden sollen: "Die Religion der Katholiken ist die größte Gefahr. Ohne Kreuze gibt es keinen Widerstand mehr."

"Der Mensch darf nie den moralischen Kompass verlieren."Lehrer Günter Gunter

Lehrer Gunter gibt den Zuschauern etwas mit auf den Weg, was die sicherlich wichtigste Lehre aus dem Stück ist: "Der Mensch darf nie den moralischen Kompass verlieren."

Wohl auch deswegen sprach Zuschauer Stephan Möller von einem beeindruckenden Theaterstück, das er erstmal sacken lassen müsse. Ausdrücklich lobte er die Leistung aller Schauspieler und der anderen Akteure. Er werde sich das Stück zumindest noch ein zweites Mal ansehen, um auch die beiden anderen Hauptdarsteller zu erleben.

Verpassen Sie nichts von der Landtagswahl in Niedersachsen am Sonntag. Wer regiert in den nächsten 5 Jahren? Wer zieht in den Landtag in Hannover ein?  Alle Ergebnisse aus allen Wahlkreisen und den Städten und Gemeinden im OM finden Sie auf unserer Themenseite, inklusive Liveticker. 

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Dammer Domfestspiele handeln vom Kampf um Kreuze und die Freiheit - OM online