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Cloppenburgerin Hedwig Lunze malt abstrakt und wird dabei konkret

Kaffee und Tee? Das sind für Hedwig Lunze nicht nur Getränke. Die Cloppenburgerin arbeitet damit auf der Leinwand. Seit 11 Jahren lässt sie ihre Energie und Emotionen in ihre Kunstwerke einfließen.

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Meeresblick: Hedwig Lunze malt seit elf Jahren und stellt derzeit zahlreiche Bilder im leer stehenden Werkzeughandel Deeken an der Eschstraße in Cloppenburg aus. Foto: Bernd Götting

Meeresblick: Hedwig Lunze malt seit elf Jahren und stellt derzeit zahlreiche Bilder im leer stehenden Werkzeughandel Deeken an der Eschstraße in Cloppenburg aus. Foto: Bernd Götting

Wer abstrakt malt, lässt Bilder ohne Beziehung zu Gegenständen oder Objekten entstehen. Diese offizielle Lehrmeinung trifft auch für die Cloppenburger Künstlerin Hedwig Lunze zu. Ihr täglich Brot verdient sie im Büro der Physio-Praxis ihres Mannes Frank. Ein Job, der täglich ihr Können und ihre Aufmerksamkeit fordert, aber ihr kreatives Potenzial keineswegs erschöpft.

Schon als Kind galt die gebürtige Markhauserin als aufgeschlossen. Ihr Vater nannte sie damals auf Plattdeutsch eine „Dusendkünstlerin“ und lobte damit indirekt die vielseitige Begabung der Tochter. Auch als erwachsene Frau hat sie sich diese Kreativität bewahrt und jahrelang Teddybären und bespielbare Marionetten nach eigenen Entwürfen und aus hochwertigen Materialien hergestellt. Dabei arbeitete sie auch nie isoliert, sondern tauschte sich gern mit anderen Hobbykünstlern aus.

Lunze malt bevorzugt mit Acrylfarben und Pigmenten auf Leinen

Als sie 2009 zur Malerei fand, suchte sie ebenfalls den Kontakt zu anderen Künstlern und arbeitete lange in einer kleinen, toleranten und inspirierenden Gruppe in Oldenburg mit. Vorher hatte sie an sich schon eine wichtige Beobachtung gemacht: Sie konnte sich bei der Betrachtung in Bildern verlieren, bemerkte Details, die anderen entgangen waren, und verblüffte ihr Umfeld mit Wahrnehmungen, die selbst schaffende Künstler erstaunten. Sie hatte den richtigen Blick, und so war der Weg zu Pinsel und Leinwand ein leichter für sie.

Seit 11 Jahren malt sie bevorzugt mit Acrylfarben und Pigmenten auf Leinen und bindet dabei Materialien wie Kaffee und Tee, Vogelsand, Marmormehl oder Wellpappen ein, um ihren Werken mehr Struktur und Leben zu geben. Spachtelmasse und Fragmente von alltäglichen Gegenständen wie Gewebe oder Fasern tun ein Übriges, um am Ende ein Bild entstehen zu lassen, das je nach Lichteinfall völlig unterschiedliche Wirkungen haben kann. Und eben diese Wirkung auf das Publikum ist es, was die Werke von Hedwig Lunze so auffällig macht. Sie malt durchaus abstrakt, und wird doch sehr konkret.

Gefühle uns Emotionen sind die Grundlage für ihre Arbeit

Der Ausdruck in den Bildern kann beim Betrachter Stimmungen erzeugen, ihn mit auf eine Entdeckungsreise nehmen oder auch mit voller Wucht treffen. Ein Strand- und Seemotiv, das auf Wangerooge entstand, lockt mit den für Sand, Meer und Himmel bekannten Farben und weckt durchaus Sehnsüchte nach Urlaub, Ruhe und Weite. Ein wesentlich kleineres Bild hingegen hat dramatische Farbtöne im Bereich Schwarz, Rot und Orange und sorgt sogleich für Stirnrunzeln, Skepsis und ein Gefühl der Erweckung.

"Manchmal provoziere ich die Leinwand, und sie mich auch."Hedwig Lunze

Hedwig Lunze verwundert das keineswegs, schließlich sind Gefühle einer der wichtigsten „Rohstoffe“ für ihre bislang 70 Bilder, die sie in mehreren Ausstellungen gezeigt hat. Die Malerei ist für sie mittlerweile so etwas geworden wie ein physischer Potenzialausgleich. Ihre Energieüberschüsse, gleich, ob negativ oder positiv, fließen auf die Leinwand. Dafür hat sie sich vor einiger Zeit eigens ein Atelier eingerichtet, in dem sie handwerklich und experimentell arbeiten kann. „Da steht und liegt alles so 'rum, wie ich es brauche, und das stört niemanden“, sagt sie freimütig. Hier nimmt sie regelmäßig den Zweikampf mit der Leinwand auf, der sie so einiges zumutet.

Oft habe sie am Anfang nur eine Vorstellung von der Farbrichtung, weniger von der Gestaltung. „Manchmal provoziere ich die Leinwand schon ganz heftig, und sie mich auch“, beschreibt sie ihre Arbeitsweise und meint damit den Einsatz von Material und Werkzeug. Nach dem Motto „Alles kann, nichts muss“ könne es auch schon mal 3 Jahre dauern, bis sie mit einem Bild zufrieden sei und es anderen Leute gezeigt werde.

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