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Cloppenburger Museumsdirektorin geht, weil Geld für ihre Zukunftsideen fehlt

Die von Land und Bund zugesagten 6 Millionen Euro reichen gerade mal, um die Substanz der über 50 Gebäude im Museumsdorf zu retten. Dr. Julia Schulte to Bühne genügt das nicht.

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Zieht Schlussstrich ohne Groll: Dr. Julia Schulte to Bühne, die Direktorin des Cloppenburger Museusmdorfs. Foto: Kreke

Zieht Schlussstrich ohne Groll: Dr. Julia Schulte to Bühne, die Direktorin des Cloppenburger Museusmdorfs. Foto: Kreke

Die Direktorin des Cloppenburger Museumsdorfes, Dr. Julia Schulte to Bühne, hat gekündigt, weil sie keine Chance mehr sieht, ihre Pläne zum Ausbau des Freilichtmuseums umzusetzen. Die von Land und Bund bewilligten 6 Millionen Euro reichten gerade aus, um die teils marode Substanz der über 50 Gebäude zu sanieren, erklärte die 52-jährige Wissenschaftlerin im Gespräch mit OM online. 

Für die Zukunftsvision fehlen 14 Millionen Euro

Um die Geschichte der 50er, 60er und 70er Jahre in einer neuen "Dorfstraße" zu erzählen, seien jedoch weitere 14 Millionen Euro notwendig, so Schulte to Bühne. Sie wird Ende September Cloppenburg verlassen. Wie die in Bremen lebende Wissenschaftlerin erklärte, war diese Summe auch beantragt worden, um neben der Diskothek "Sonnenstein" alte Dorfläden, kleine Handwerksbetriebe und einen historischen Bootskiosk aus Oldenburg aufzubauen.

Angesichts der hohen finanziellen Belastungen der öffentlichen Haushalte durch die Folgen der Corona-Krise sei es unrealistisch geworden, dass diese Summe in den nächsten Jahren noch bewilligt werde, ist die Direktorin überzeugt. "Für die Weiterentwicklung bräuchten wir mindestens 10 Millionen Euro", sagte Schulte to Bühne, die im April 2018 ihr Amt angetreten hatte. In dieser Situation habe sie sich entscheiden müssen. "Ich will noch etwas umsetzen", betonte die 52-Jährige.

„Ich gehe erhobenen Hauptes und ohne Groll.“Dr. Julia Schulte to Bühne

Als gescheitert sieht sie ihr Engagement jedoch nicht. "Was ich hier erreichen konnte, habe ich erreicht", sagt die Direktorin: "Ich gehe erhobenen Hauptes und ohne Groll."

Den letzten Anstoß zu ihrer Entscheidung gab der Brand eines Außen-Depots in Varrelbusch. Dabei gingen  alte Ladeneinrichtungen, der Kiosk des Bootsverleihs und eine Oldtimer-Sammlung in Flammen auf – alles Ausstattungsgegenstände, die in der geplanten "Dorfstraße" am Museumseingang eine tragende Rolle gespielt hätten. Der ideelle Schaden ist größer als die bezifferten 70.000 Euro. Dieser Schlag habe "das Fass zum Überlaufen gebracht", sagte Schulte to Bühne, die seit Jahren den Bau eines neuen und sicheren Zentral-Depots gefordert hat. Auch dieses Projekt war in den beantragten 20 Millionen Euro enthalten.

Gerüchteküche ist Chefin egal: "Krönchen richten"

Keine Rolle für ihre Entscheidung hat die im Sommer brodelnde Gerüchteküche in Cloppenburg gespielt. Aller Trash enpuppte sich als freie Erfindung – etwa, dass sie die Gartenpartie trotz mehr als 20.000 Besuchern abschaffen wolle oder eine Einschränkung der Gastronomie im "Dorfkrug" plane. Auf die Frage, ob dies der Auslöser zur Kündigung war, lacht die Wissenschaftlerin: "Eindeutig nein. Das war nicht schön und das braucht man nicht. Aber: Krönchen richten und weiter!" 

Wie es weiter geht, ist zumindest für die Direktorin noch offen. "Ich mache jetzt erst einmal Urlaub", sagte sie. Danach habe sie mehrere Optionen. Auch ein Wechsel in die Wirtschaft stehe im Raum: "Ich lasse das auf mich zukommen." Ihre Stelle in Cloppenburg soll rasch ausgeschrieben werden. Bis zur Neubesetzung übernimmt ihr Stellvertreter Dr. Michael Schimek, der Chef der bauhistorischen Abteilung,  die Leitung.

„Wir bedauern diese Entscheidung sehr“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende der Stiftung, Landrat Johann Wimberg. Schulte to Bühne habe das Museum  mit großem Einsatz und Kreativität geführt und vorangebracht. „Wir hätten Sie so gerne hier behalten“, so der Landrat. Sie habe maßgeblich daran mitgewirkt, dass das Projekt der „Dorfdisko“ umgesetzt und erfolgreich zum Abschluss gebracht wurde, erklärte Wimberg. Darüber hinaus habe sie intensiv daran mitgewirkt, dass die institutionelle Finanzierung des Museums deutlich verbessert werde. „Ich erinnere mich an zahlreiche gemeinsame Termine und Besprechungen in Cloppenburg und Hannover, auf denen mich Frau Dr. Schulte to Bühne begleitet hat“, so Johann Wimberg: „Dabei konnte einiges erreicht und vorangebracht werden.“


Meine Meinung

Kommentar von Hubert Kreke, Redakteur

Schade, dass diese Frau geht: Dr. Julia Schulte to Bühne, hat wie keine Führungskraft zuvor Erfolge mit der finanziellen Absicherung des Cloppenburger Freilichtmuseums erzielt. Zum ersten Mal überhaupt steht ein ausreichendes Budget zur Substanzerhaltung zur Verfügung, zäh erkämpft in fast drei Jahre dauernden Verhandlungen. Aber: Der Status Quo genügt der ebenso ehrgeizigen wie beliebten Chefin nicht. Einerseits ist es eine persönliche Entscheidung, die mit Zielen und Zufriedenheit zu tun hat: Was kann ich bis zur Rente erreichen und vollenden? Mit 52 Jahren hat Schulte to Bühne die Chance genutzt, nach einer furiosen Eröffnung der einmaligen Museumsdisko darauf eine neue Antwort zu suchen. Andererseits wirft ihr Kündigungsgrund die Frage auf, ob die an sich schlüssige Vision, das Museum um die "Neuzeit" zu ergänzen, noch umsetzbar ist. Wenn tatsächlich keine Mittel mehr in den nächsten Jahren fließen, um die noch greifbare Alltags- und Freizeitkultur heute lebender Besucher zu dokumentieren und eine Zeitlinie bis in die Gegenwart zu ziehen, wird eine Vision scheitern. Die Folge wäre: Das Museum fällt zurück in eine  ferne, konservierte, aber abgeschlossene  Vergangenheit. Keine guten Aussichten.


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