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Cloppenburger filmt in Nigeria Menschenaffen für arte

Was Bernd Meiners (68) im Nationalpark beobachtet hat, zeigt der TV-Sender in einer "Geschichte von Gefühl und Geist". Die Frage: Was verbindet die Menschenaffen mit dem Homo Sapiens?

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Fürsorglich wie der Mensch: Eine Bonobo-Äffin drückt das 18 Monate alte Jungtier Lola an sich, während sie frisst. Foto: dpa

Fürsorglich wie der Mensch: Eine Bonobo-Äffin drückt das 18 Monate alte Jungtier Lola an sich, während sie frisst. Foto: dpa

Mit fast 68 Jahren wollte der Cloppenburger Dokumentarfilmer und Kameramann Bernd Meiners eigentlich kürzertreten: Statt langer Reisen zu Drehorten auf anderen Kontinenten plante der Lichtkünstler und Musiker eine Rückbesinnung auf die Klänge. Jetzt ist er doch rückfällig geworden. Der deutsch-französische TV-Sender Arte zeigt am Sonntag um 7 Uhr und in der Mediathek (bis zum 5. August) die Dokumentation "Menschenaffen – Eine Geschichte von Gefühl und Geist".

Für die 58 Minuten lange Produktion (Regie von Anja Krug-Metzinger) hat der Cloppenburger Aufnahmen aus dem Gashaka Gumti Nationalpark in Nigeria beigesteuert. Der Film ist sehenswert, nicht nur für Cloppenburger, denn die Autorin geht der Frage nach, was Menschenaffen und den Homo Sapiens trotz ihrer evolutionären Trennung vor rund 8 Millionen Jahren verbindet.

Schimpansen kennen Mitgefühl und Freude

Eine Gemeinsamkeit zeigt schon die ergreifende Eingangsszene vom Tod der 59-jährigen Schimpansin "Mama": Das geschwächte Tier erkennt den Biologie-Professor Jan van Hooff auch nach Jahren wieder und umarmt den Besucher freudig, tätschelt seinen Kopf. Menschenaffen erkennen sich im Spiegel, können Wesen anderer Spezies unterscheiden und zeigen Gefühle: Sie trauern, sie trösten und sie drücken Mitgefühl aus.

"Der menschliche Geist hat sich nicht entwickelt für eine globalisierte Welt."Anja Krug-Metzinger, Regisseurin

Eine Botschaft der Forscher: Moral und Kultur sind keine Entwicklung, die allein dem Menschen eigen ist. So versöhnen sich Bonobos, die kleinen, aber klugen „Brüder“ der Schimpansen, nach heftigen und blutigen Kämpfen wieder, indem sie sich umarmen und die Schulter klopfen. Weil der soziale Zusammenhalt überlebenswichtig ist, hätten Bonobos im Laufe ihrer Entwicklung diese Verhaltensweise erworben, glaubt der niederländische Primatologe und Verhaltensforscher Professor Frans de Waal. Auch die Gestik und die Gebärden von Menschenaffen ähneln denen der Menschen, erklärt die berühmte Verhaltensforscherin Jane Goodall: im Betteln, Beschwichtigen und Abweisen sei kein Unterschied sichtbar.

„Wir glauben nicht mehr, dass die Tiere nur in der Gegenwart leben“, unterstreicht de Waal: Sie erinnern sich und sie planen in die Zukunft. Den wesentlichen Unterschied sieht der Niederländer nicht etwa in der Intelligenz, sondern in der viel höheren Komplexität der Sprache, die zugleich komplexere Planungen und Abläufe erst ermöglicht. Das Ergebnis betrachtet Goodall kritisch: Eine Raketen zum Mars schicken zu können, aber gleichzeitig den eigenen Planeten schwer zu beschädigen, erscheine absurd. Ein Credo des Films: „Der menschliche Geist hat sich nicht entwickelt für eine globalisierte Welt mit ihrer rasant wachsenden Komplexität.“

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