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Charlotte Mumm – Kunst mit diskretem Humor

Eine neue Serie auf OM online: Mitglieder des Lohner Kunstvereins stellen frühere Ausstellungen in der Wassermühle vor, die für sie unvergesslich bleiben.

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Eine Frau mit Mumm: Charlotte Mumm beeindruckte 2011 mit Experimentierfreude. Foto: Thomann

Eine Frau mit Mumm: Charlotte Mumm beeindruckte 2011 mit Experimentierfreude. Foto: Thomann

Das kulturelle Leben steht still. Nahrung für Geist und Seele fehlt. OM online hat Mitglieder des Lohner Kunstvereins „Die Wassermühle“ dazu aufgerufen, einen Blick auf eine für sie unvergessliche Ausstellung zu werfen, die im vergangenen Jahrzehnt in dem historischen Baudenkmal gezeigt wurde. So soll Kultur in Corona-Zeiten eine Bühne erhalten. Diesmal: Dr. Adelheid Thomann mit ihren persönlichen Gedanken zur Ausstellung von Charlotte Mumm.

An die Eröffnung der Ausstellung von Charlotte Mumm im November 2011 in der „alten“ Wassermühle denke ich sehr gerne zurück. Der Zugang war die Tür vom Stadtpark aus neben dem Mühlenrad. Beim Öffnen fiel mein Blick auf eine über zwei Meter hohe, zweifarbig hochglänzend, pastös lackierte, abstrakt-skulpturale Konstruktion. Die obere Hälfte war rotorange lackiert, die untere beigerosa. Es war zunächst nicht zu erkennen, aus welchem Material dieses Objekt bestand.

Die intensiven Farben sprachen mich sofort an. Die Phantasie nahm ihren Lauf, denn, um Margarete Mitscherlich-Nielsen zu zitieren: „Man sieht nur das, was man in sich wiederfindet.“

Verfolgt Mumms Wirken: Dr. Adelheid Thomann. Foto: ThomannVerfolgt Mumms Wirken: Dr. Adelheid Thomann. Foto: Thomann

Mumm ist in Goldenstedt aufgewachsen

Es war nachzulesen, dass Charlotte Mumm 1980 geboren wurde, in Goldenstedt aufgewachsen ist, ihre „Lehre“ in der Kunstschule Jürgen Frey in Vechta und ihr Kunststudium an der Kunsthochschule in Kassel mit einem einjährigen China-Aufenthalt 2008 absolviert hatte. Weiter war zu erfahren, dass sie ihre Skulpturen zusammensetzt aus einfachen, unedlen Alltagsmaterialien, unter anderem Tapeten, Holzstücken, Styropor, Bauschutt, Leder, Zement, Bauschaum und auch Müll. Aus diesem Materialmix entsteht „etwas Neues, noch nie Dagewesenes“ und „man ist da sofort in einer eigenen Welt“, so Mumm.

Ausgestellt waren auch mehrere kleinformatige abstrakte und figurative Bilder, die so wie die Skulpturen poetische, humorvolle Titel trugen. Ein Bild mit dem Titel „wie einfach darf eine komplizierte Lösung sein?“ zeigte eine Katze, die mit großen, runden, gelben Augen aus dem Bild heraus die Betrachterin und den Betrachter anschaut. Ein anderes Bild in kräftigem Himmelblau zeigte eine stilisierte Frau im Profil, blau und grün gekleidet, die mit angezogenen Beinen im dichten Gras sitzt, auf einer Wolke schwebend. Sie hält in der Hand vor ihrem Gesicht einen ebenfalls stilisierten Vogel, den sie betrachtet. Der Titel lautete: „nursodasein“. „I'm not a vending machine“ (Ich bin kein Verkaufsautomat) hießen zwei maschinenähnliche Skulpturen.

Mumm lebt heute in Amsterdam

Der Titel der Ausstellung „Sorry, Plünderung“ ist ebenso humorvoll wie hintergründig. Ich musste schmunzeln bei all diesen originellen Bezeichnungen und spürte sofort eine Leichtigkeit in der Begegnung mit den Werken von Charlotte Mumm.

Das lag, denke ich, auch daran, dass sie keine erzwungene Bedeutung in ihre Werke legen will – sie entstehen einfach frei aus ihr heraus.

Ich habe ihren weiteren Schaffensweg gelegentlich verfolgt. Sie lebt in Amsterdam und ist weiterhin sehr aktiv in der Kunstszene mit zahlreichen Ausstellungen und Preisen weltweit. Mich beeindrucken ihr Mumm – der Name ist Programm –, ihre Experimentierfreudigkeit und ihre Unerschrockenheit, mit der sie ihren Weg geht und dabei „sich immer treu bleibt“, so Charlotte Mumm, bei aller Wandelbarkeit des Lebens.

Der OM online Podcast. Thema  der neuen Ausgabe sind Kunstrasenplätze im Oldenburger Münsterland. Welche Halme sind die besten, wie steht es um Ökologie und Nachhaltigkeit? Und was haben geschredderte Olivenkerne mit dem Thema zu tun?  Jetzt reinhören! 

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