Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Cappella Amsterdam begeistert im Dammer Dom

Dom trifft auf Dom: Zum 750-jährigen Bestehen des Kölner Doms komponierte Arvo Pärt den „Kanon Pokajanen“. Nun singt der Chor ihn in der katholischen Pfarrkirche.

Artikel teilen:
9 von 24: Die Sängerinnen und Sänger der Cappella Amsterdam faszinierten ihre Zuhörer in Damme mit der Arvo-Pärt-Komposition „Kanon Pokajanen“. Foto: Lammert

9 von 24: Die Sängerinnen und Sänger der Cappella Amsterdam faszinierten ihre Zuhörer in Damme mit der Arvo-Pärt-Komposition „Kanon Pokajanen“. Foto: Lammert

Mal erfüllte ein schier ungeheures Stimmvolumen die St.-Viktor-Kirche, die ob des perfekten Gesangs auf allerhöchstem Niveau wirklich zum Klangdom wurde, mal sangen die Mitglieder der Cappella Amsterdam zurückhaltend, fast leise: 24 Sängerinnen und Sänger des international bekannten Chores führten am Dienstag in der katholischen Pfarrkirche im Rahmen der 34. Niedersächsischen Musiktage den „Kanon Pokajanen“ auf, den der Este Arvo Pärt Ende der 1990er zum 750-jährigen Bestehen des Kölner Doms komponiert hatte.

Dass Cappella Amsterdam überhaupt in Damme gastierte, hatte die Niedersächsische Sparkassenstiftung in Zusammenarbeit mit der hiesigen Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) ermöglicht, die am Dienstag Regionaldirektor Alfred Müller vertrat. Die Stiftung ist die Veranstalterin dieses Events der Musiktage mit ihren knapp 60 Veranstaltungen an 40 Orten. Als Partnerin in Damme hatte die Stiftung die Pfarrgemeinde St. Viktor gewonnen.

Unter den Zuhörern befand sich Anselm Cybinski, der Festivalintendant. Es sei, sagte er, das erste Mal, dass er den Kanon des estnischen Komponisten live höre. Er kenne ihn bislang nur von Tonträgern.

Auf das Konzert folgte minutenlanger Applaus

Dirigent Daniel Reuss, der selber in Estland bereits mit Arvo Pärt, der am kommenden Samstag seinen 86. Geburtstag feiert, zusammengearbeitet hat, sagte über den Kanon: „Ich liebe dieses Werk.“ Am Dienstag hörten die Besucher, die am Ende des Konzertes minutenlang applaudierten, eine leicht verkürzte Fassung. „Sie werden den Text gut verstehen, wenn Sie Russisch können“, sagte der Dirigent in Richtung Zuhörer.

Beim Werk Arvo Pärts sei der Begriff „Kanon“ nicht musikalisch zu verstehen. Er meine viel mehr die „Regel“ oder „Ordnung“ eines aus 9 Oden bestehenden Hymnus', erläuterte der Festspielintendant die Komposition. Sein Thema sei der persönliche Wandel, die Buße notwendige Schwelle, als Reinigung der Seele auf dem Weg zum Heil.

Musiker sind begeistert von der Akustik in Damme

Äußerst eindrucksvoll arbeiteten die Chorsänger und -sängerinnen am Dienstag in der Kirche, deren Atmosphäre und Akustik Anselm Cybinski vor dem Beginn des Konzertes beinahe schon überschwänglich gelobt hatte, die Spannung zwischen dem vielstimmigen Lob Gottes und dem Eingeständnis menschlicher Schwäche heraus. Sie setzten so nicht nur die musikalischen Polaritäten. Denn die Spannung, so Anselm Cybinski, bestimme auch die rituelle Situation eines Übergangs hin zum Einlass ins verlorene Paradies, wie sie in der orthodoxen Liturgie erlebbar werde.

Dass Arvo Pärt eine besondere Beziehung zu dieser Liturgie hat, ist darin begründet, dass er Anfang der 1970er Jahre zum orthodoxen Glauben konvertierte.

Über sein Werk sagte er einmal: In dem Kanon habe er versucht, dem Text die Möglichkeit zu geben, seinen eigenen Klang zu wählen und seine melodische Linie selbst zu zeichnen. Wie sehr ihm das gelungen sei, machte der Auftritt von Cappella Amsterdam deutlich.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Cappella Amsterdam begeistert im Dammer Dom - OM online